28.07.2006 von Daniel Erk

Im Rahmen des Kollektivgenozides, aber auch -suizides namens Drittes Reich wurde eine Menge versenkt. Kultur und Tradition, die Klassen, der Anstand und auch ein paar Schiffe. Das vielleicht Sagenumwobenste wurde nun mittels Sonar auf dem Boden der Ostsee ausgemacht: Der Flugzeugträger Graf Zeppelin.
Wie man bei den geschätzten Kollegen der Nazi-Hybris-Hauspostille Spiegel Online nachlesen kann, wurde das wuchtige Ding im April ’45 erst von den Nazis selbst (wie bei so vielem: erfolglos) versenkt, ehe ihm “der Russ” den Gnadenschuss gab – wie freiwillig das auch immer geschehen mag, darüber sollen sich bitte Altmilitaristen und Historiker streiten.
Schön ist jedenfalls einmal mehr der schaurig- mutmaßende Horrormärchen-
onkeltonfall, in dem über die letzten Kriegstage, die riesengroße Technik und den Irrsinn berichtet wird. Einen frühen Höhepunkt erreicht dieser Schauerjournalismus bereits im Vorspann mit der (hier sinngemäß ergänzten) Frage: “Hätte Hitlers Flugzeugträger (vielleicht nicht doch) noch (irgendwie) in den Krieg eingreifen… weiter lesen
26.07.2006 von Daniel Erk

Spät, geklaut, trotzdem gut.
26.07.2006 von Daniel Erk

Was wurde eigentlich aus den Hitlervergleichen? Während es im Frühjahr für diese weltweit gerne gepflegte Disziplin noch äußerst gut aussah – besonders der Iran legte sich mächtig ins Zeug, aber auch aus England und Polen kamen hoffnungsfrohe Anzeichen – befinden wir uns akut offenbar in einem hitleresken Sommerloch. Der Nahe Osten ist in seine Kriege verwickelt, die Engländer sind noch ganz baff von der Fußball-WM in Deutschland, polnische Politiker finden mittlerweile alles und jeden doof, nicht nur die Deutschen, deutsche Gerichten dagegen finden Hitlervergleich gar nicht gut und selbst die Titanic vergleicht nicht mehr Hitler mit Bären, sondern einfache Ministerpräsidenten – ach, na gut, mit etwas gutem Willen kann man das schon noch durchgehen lassen.
21.07.2006 von Daniel Erk

Der Regisseur ein Italiener, der Verkaufsort Prag: So hatten sich die Opas in der NSDAP den weltweiten Erfolg des Faschismus dann vielleicht doch nicht vorgestellt. Dann schon lieber hübsch geartet und bis in die Jetztzeit verstrahlte Kunst mit “Verantwortung”.
(beides via Germanophobia, sowieso ein hervorragendes Blog)
19.07.2006 von Daniel Erk
„In diesen experimentellen Zeiten ist alles erlaubt. Tabus dürfen gebrochen und die Grenzen des guten Geschmacks verletzt werden – solange das Gewissen auf der richtigen Seite steht.“ (Dani Levy)
„Was das Komische an Hitler betrifft, möchte ich nur sagen, dass es, wenn wir nicht ab und zu über Hitler lachen können, noch viel schlechter um uns bestellt ist als wir glauben. Es ist gesund zu lachen, auch über die dunkelsten Dinge des Lebens.“ (Charlie Chaplin)
Nach und nach geistern nicht nur Hitler selbst, sondern auch sein (arg) gezeichneter Widergänger aus der Feder Walter Moers’ durch die Presse, so nun auch durch die Seiten des Onlinejugendmagazins jetzt.de der Süddeutschen Zeitung.
Selbstredend, auch dort wird über Tabubrüche (was auch immer nach Hitlers Sexualität und der vollkommenen Banalisierung da noch ein Tabu sein kann, sein soll) nachgedacht, vor allem aber wird ein umfassender Überblick über die aktuellen Hitler-Remixe gegeben: Helge Schneiders… weiter lesen
18.07.2006 von Daniel Erk

Schon geraume Zeit wartet Deutschland – aus technische Gründen zum Zwecke dieser rhetorisch sehr durchschaubaren Einleitung verkörpert durch den Lehrer, Rapper und Intro-Autor Hannes Loh und die sympathische Tageszeitung „die tageszeitung“ – auf die Auferstehung des Genres Nazi-Rap.
Und ja, es gibt immer wieder Anzeichen, seien es die kreuzdummen Semiotikspiele des Aggro-Rappers Fler im letzten Jahr, sei es die gar noch dümmere Rapcrew „Dissau Crime“ die 2003 auf ihrem Album „Zyklon D“ erst „ich schieße mit der Flak, auf das ganze Judenpack“ rappte und sich hinterher missverstanden fühlte. Das kann man, sollte man sicher ernst nehmen, auch wenn man nicht aus jedem provokanten Dummkopf einen ganzen Jugendtrend zaubern sollte.
Unbedingt nicht ernst nehmen sollte man allerdings die US-Rapper und –Komiker von „The Whitest Kids“, deren Hitler-Rap nicht nur ein fabelhaftes Video, sondern ob des Erfolgs auch den zugehörigen Klingelton mitbringt. Auch da kann man… weiter lesen
14.07.2006 von Daniel Erk

“Weinstraße”, “Straße der Romantik”, “Straße der Kaiser und Könige” – Straßen durch deutsche Land und deutsche Geschichte gibt es für jedweden Anlass. Also auch für den Führer, wie man gerade auf SPON nachlesen kann.
Es handelt es sich bei dieser “Straße 46″ um eine mit viel Hybris und Aufwand und im Auftrag Hitlers gebaute Autobahn, die vor allem einem deutschen Naturmythos
dienen sollte, in dem sie Deutschlands deutscheste Seiten nahe ans Auto rücken sollte. Für echtes Schnellfahren wäre die Strecke dagegen nicht geeignet gewesen und wurde daher erst des angezettelten Weltkrieges und dann der Unbrauchbarkeit wegen aufgegeben und nie gebaut: Bei Eis wären vor allem LKWs ob der abfallenden Brücke und der engen Kurven aus der Strecke gerast. Es war eben nicht alles gut an des Führers Autobahnen. (Karikatur: Titanic)
11.07.2006 von Daniel Erk

Nicht allein in Speers Straßenlaternen im Berliner Westen lebt der Nationalsozialismus samt seiner Symbolkraft in Architektur und Stadtbild weiter. Immer wieder finden sich Gebäude, deren Grundform aus der Luft als Hakenkreuz auszumachen sind. Wahrscheinlich fanden die Bauherren in Kansas und Göttingen die Form schlicht “total praktisch”. Und, ja, klar, außerdem ist das Hakenkreuz ja sowieso ein indisches Sonnensymbol und steht für Glück. Vielleicht muss man das so sehen wollen, ja, bestimmt.
11.07.2006 von Daniel Erk

Derer, die mit den großen und bösen Symbolen Deutschlands jonglieren, gibt es mittlerweile viele. Einer der erfolgreichsten, wie mittlerweile selbst die Bild-Zeitung anerkannt hat („Der neue Beuys“ – als wüssten Bild-Leser um Beuys! Davon abgesehen, dass Kippenberger wohl die bessere Referenz wäre) ist Jonathan Meese.
Zwischen Bayreuth und Bunker, Hitler und Hagen von Tronje rekombiniert Meese martialische Symbolik, bis sie ihre Kraft, ihren Mythos, ihre düstere Faszination vollkommen verliert – und bestensfalls nur noch leer, banal und langweilig ist. Gemachte Müdigkeit gegen den gemachten Mythos, wenn man so will.
Das muss man nicht gut finden und auch nicht verstehen, so erging es beispielsweise der „Welt“, die über Meese schrieb:
Für Meese ist Kunst Krieg. Es geht um den “eisernen Großangriff”, “um alles, um das Totale”. Dass er da manchmal tief im Sumpf der deutschen Mythen gräbt und auch öfters im völkischen Morast herumstapft, gehört dazu. Da fallen Worte
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06.07.2006 von Daniel Erk

Aus guter Tradition werden Nationalismus und Nationalsozialismus in Deutschland als siamesische Zwillinge verstanden. Man mag da in den USA oder in Frankreich anderer Meinung sein – in Deutschland wächst jenseits von Historie und Symbolkraft zusammen, was in Deutschland eben zusammengehört. Angesichts der allgemeinen, euphorischen Deutschtümmelei mag man dies für einen Moment, ein paar Wochen vergessen haben, gerade jetzt, wo selbst die mehr oder minder radikale Linke Deutschlands maulaffenfeil hält.
Doch, Gottseidank, für sie springen aktuell die schwarzrotgeilen, deutschen Neocons in die Presche , die den deutschen Dreifarb ganz offenbar ebenfalls in einer ähnlichen Ecke vermuten wie jedes Hakenkreuzbanner. Auf der dilettantischen Aktionshomepage Lasst Die Fahnen Draußen, wird ebenso unbegreiflich wie belustigend, folgendes Argumentationskettenmassaker abgehalten: Nationalstolz -> Nationalmannschaft ->USA -> drittes Reich (nicht vergessen: mittlerweile vorbei).
So kreuzdämlich – “irgendwann was mit dem dritten Reich” – haben sich seinerzeit nicht einmal die leidlichen naiven Popper von Mia. angestellt –… weiter lesen