Bitte folgen Sie dem Führer/Ich danke Adolf Hitler

von Daniel Erk

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Wo die aktuelle Hitlerei, und zugegebenermaßen ein wenig auch der Fleiß bei der Sache, schwächelt, kann man auf große Klassiker der Hitler-Rezeption zurückgreifen. Das ist vor allem dann legitim, wenn es sich um die Aussagen eines des von den Deutsch als gefühlt schlausten Menschen des Landes Wahrgenommenen handelt. Harald Schmidt.

In einem herausragenden Interview anlässlich des Bunker-Films, des Geburtstags des Führers und anlässlich Deutschlands an sich, erklärte Schmidt das Brachland und die Grauzonen zwischen Deutschland und Nazideutschland, dem Führer und einem Guide und zwischen Humor und Holocaust.

Im Prinzip kann man das komplett empfehlen, ein paar Stellen sind jedoch unverzichtbar. Diese nämlich:

Schmidt: Ich hab”s nicht gezählt, aber es gibt gefühlte zwei Hitler-Titelseiten pro Monat. Das Letzte, was ich gesehen habe, habe ich schon nicht mehr gelesen, und ich gerate ins Stocken, weil ich ja keinen Schlussstrich ziehen oder wegschauen und auf keinen Fall sagen will: Jetzt reicht es aber.
SZ: Vorsicht!
Schmidt: Mein Speicher ist momentan gut gefüllt mit Führer-Infos. Was ich schon nicht mehr verfolgen konnte, war: “Hitler und die Bombe” und auch “Hitler träufelte sich Kokain in die Augen”. Das eröffnet ganz neue Aspekte beim Führer. Stört es Ihre Chefredaktion, wenn wir immer vom “Führer” sprechen? Sollen wir lieber sagen: “Die Bestie”?

(…)

Schmidt: Als ich damals im katholischen Gemeindehaus Nürtingen für die Senioren gespielt habe, sagten die zu mir: “Herr Schmidt, wie groß sind Sie?” – “1,94.” – “Donnerwetter, da wären Sie ja LAH gewesen!”

SZ: L-A-H?
Schmidt: Leibstandarte Adolf Hitler. Den Begriff kannte ich gar nicht. LAH!

(…)

SZ: Ephraim Kishon hat im Auto gern Reden von Hitler und Goebbels gehört. Kann man von Adolf Hitler etwas lernen?
Schmidt: Das weiß ich nicht. Für Kishon hatte das bestimmt einen ganz anderen Bezug. Ich würde es nicht machen.

SZ: Wenn man an der roten Ampel steht, das Fenster runtergedreht, und aus dem Lautsprecher kommt der Führer, gibt das sicher einen interessanten Effekt.
Schmidt: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort: Ich habe nie Führer-CDs besessen. Wir befinden uns hier in einem Stadtteil Kölns, in dem sehr viel türkische Bevölkerung in unsere Gesellschaft integriert wird. Angenommen, ein türkischer Mitbürger fragt mich nach dem Weg, während der Führer aus dem Lautsprecher dröhnt, das könnten Sie so schnell nicht erklären.

(…)

SZ: Das Komische ist, dass ihn bei Kriegsende 1945 alle los sein wollten, während Hitler heute populärer ist als zu Lebzeiten. Man kann offenbar nicht von ihm lassen.
Schmidt: Der Führer sorgt für Verkaufszahlen, er garantiert Quote. Immer, wenn ich denke, dieses Kapitel ist jetzt um Gottes willen nicht abgeschlossen, aber, sagen wir: verarbeitet, kommt wieder ein neuer Nebenaspekt. Die Bombe. Das Kokain.

(…)

Schmidt: (…) “Anatevka” am Broadway ist jetzt wieder ein großer Erfolg, das würde ich gern sehen. Es muss da ein ganz unglaublicher Tevje sein. Bei uns ginge eine zeitgemäße Variante nur, wenn Zadek es machte. Es müsste immer eine Absicherung geben. Bitte, schaut her, es kommt vom Broadway, besser noch: aus Brooklyn. Mel Brooks hat sich auf der Tony-Verleihung bei Hitler bedankt!

SZ: Das müssten sich Bruno Ganz und Bernd Eichinger eigentlich …
Schmidt: Ja, nur: Mel Brooks darf das. Ich empfehle niemandem, bei der Bambi-Verleihung zu sagen: “Ich danke Adolf Hitler.”

Ach, gute Güte. Lesen Sie’s einfach doch ganz. Auf eine Weise danke ich natürlich auch… lieber nicht.


Ein Kommentar zu "Bitte folgen Sie dem Führer/Ich danke Adolf Hitler"

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