
Moral ist bekanntlich ein hohes Ross und das geht einem dann und wann möglicherweise auch einmal durch, selbst den Gerechtesten, Genauesten, Aufrichtigsten. Wann das aber tatsächlich der Fall ist, wo die berechtigte Anklage beginnt und wo das feige Maulaffenfeilhalten, darüber kann man sich diverse Köpfe zerbrechen, mindestens so viele, wie darüber bereits zerbrochen wurden.
Ein interessantes Beispiel findet sich in dieser Woche in der mit Recht viel geliebten und gelobten Riesenmaschine. In einer Mischung aus Werbe- und Moralkritik schreibt dort Sascha Lobo über den aktuellen Ikea-Katalog:
Aber dass mitten im bunten Reigen der Überschriften der bekannte KZ-Spruch “Jedem das Seine” zu finden ist, das ist niemandem aufgefallen. Wir warten auf die Tischdecke “Maidanek” und die Dekortapete “Buchenwald”.
Wenig überraschend ist zustimmende Empörung garantiert. Doch mit welchem Recht? Wie unter dem Beitrag mehr und mehr Kommentatoren vermerken, ist die Formel “Jedem das Seine” viel älter als der Nazismus… weiter lesen