Oettinger? Geschmacklos!

von Daniel Erk

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Während die Partei “Die Partei” im gerne als solches titulierten “Ländle” mit ihrem Aufruf “Oettinger stürzen” sicher große Erfolge vor den Penny-Märkten und vermutlich auch, und das ist tatsächlich beeindruckend, in den Bierzelten der Republik einfahren wird, formuliert ausgerechnet Frank Schirrmacher ausgerechnet auf Spiegel Online sehr gut, warum Oettingers bewusste Provokation (hier dazu ein sehr guter Kommentar aus der Berliner Zeitung) geschmacklos und auch gefährlich ist:

Das Deutschland des Jahres 2007 richtet nicht vorschnell. Hans Filbingers Verdienste wären ohne Oettingers Manipulationsversuch angemessen und vermutlich ohne Zwist gewürdigt worden. Wir, die Nachgeborenen von 2007, sind uns im Übrigen unserer eigenen Zuverlässigkeit – anders als Oettinger es ebenfalls polemisch suggeriert – keineswegs sicher. Im Gegenteil: Wenn uns die Biographien von Hans Filbinger oder Werner Höfer und unzähliger anderer etwas lehren, dann das, dass wir uns unserer selbst nicht sicher sein können. Wir haben nicht gut reden, sind nicht die besseren Menschen. Wir leben nicht in einer Diktatur. Und es bedurfte nicht eines Günther Oettinger, uns daran zu erinnern.

Dass es “ausgerechnet” Schirrmacher ist, ist dabei ein gute, eine tatsächlich sehr gute Nachricht: Letztlich ist es der Selbstzweifel, das ständige Infragestellen der eigenen Moral, die vor der Amoralität Oettingers, Filbingers und letztlich Nazideutschlands bewahrt. Das eben “ausgerechnet” von jemandem aufgeschrieben zu bekommen, der nicht dafür bekannt ist, sonderlich progressiv oder libertär zu sein, belegt, wie weit diese Erkenntnis als Grundlage und Konsens und als Erbe aus der Nazizeit in Deutschland verankert ist. Das nun muss sich vor allem die deutsche Linke genauso gesagt sein lassen wie mancher Kommentator des Hitler-Blogs: Jeder glaube an die eigene Überlegenheit, sei es die Überlegenheit der eigenen Rasse oder Moral, ist falsch. Zweifel und Fragen sind gute Freunde. Polemiken, Skandale und Ideologien dagegen nicht.

Ergänzung: Etwas bizarr, wie Henryk Broder mit einer überfahrenen Katze in seinen Video-Kommentar zum Kasus Oettinger einsteigt. Und etwas unklar auch, was Broder eigentlich genau zum Fall Oettinger selbst sagen will (vom berechtigten Ankreiden der Mitläuferheuchelei der Deutschen abgesehen).

Ergänzung II: Warum sind es eigentlich immer die Konservativen, bei denen die Fallhöhe anhand der proklamierten Werte ja sonderlich hoch ist, die so rückgratlos und anstandslos daherpoltern? Oettingers
Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht” ist feige – und keine Entschuldigung. Und landet sicherlich in den Top 5 der ehrlosen Äußerungen von Politikern – direkt hinter Kohls “Ehrenwort”.

Ergänzung III: Jost Kaiser schreibt im Politikblog der Vanity Fair über Oettinger, Filbinger und andere klammheimliche Antifaschisten und spitzt zurecht auf ein Wort von Wiglaf Droste (bzw. ein Titanic-Cover) zu: War Hitler Antifaschist?


5 Kommentare zu "Oettinger? Geschmacklos!"

  1. Nachdem Filbinger laut Oettinger kein Gegner des Nationalsozialismus ist und jetzt auch wohl keine ” belegbare innere Distanz” mehr zu diesem hat, ist ja alles in Ordnung. Und zwar in Ordnung im Sinne der Verlogenheit, die man in Deutschland so gern hat.Das wichtigste ist die Karriere als Untertan, die Ideologie paßt man da halt dem jeweiligen Zeitgeist an. Filbinger wurde aus Karrieregründen erst Nazi, dann überzeugter Demokrat. Oettinger, dessen Ausführungen als Trauerredner sinngemäß schlußfolgern ließen, diese karrieretechnische Anpassung sei doch dem politischen Wiederstand geradezu gleichzusetzen und der damit Karrierismus zur höchsten Leistung geadelt hat, verhält sich nun entsprechend karrieristisch.Und alle sind zufrieden, weil die meisten Deutschen ähnlich demokratiefern orientiert sind. Unter diesen deutschen Verhältnissen verhält die NPD sich geradezu musterdemokratisch, weil die Mitglieder und Anhänger sich nicht karrieretechnisch verbiegen, sondern für ihre Idee ungeachtet persönlicher Nachteile eintreten. Damit verhalten sie sich, auch wenn einige von ihnen sicher demokratieferne Ziele haben, demokratischer als die ganzen Karrieredemokraten. Ich wiederhole: meiner Vermutung nach würde Sophie Scholl heute NPD wählen.

  2. Oh Mann, Thomas Kurbjuhn, verstehen Sie das wirklich nicht? Ein Rassist wird nicht dadurch besser, dass er in der Minderheit ist. Aber Deutschland ist dadurch besser geworden, dass die Rassisten mittlerweile hier in der Minderheit sind.

    Und noch was, Thomas Kurbjuhn: Ich werde ihre Kommentare in Zukunft nicht mehr freischalten. Ich lasse es nicht zu, dass das Hitlerblog zu einem Ort faschistischer Propaganda wird. Das ist eine Frage der geistigen Hygiene. Und, das habe ich bereits formuliert gehabt, ein Numerus Clausus in Sachen Verstand. Insofern: Adieu.

  3. Heil Zensor!

  4. Hallo “Don Broder”. Oben Beschriebenes gilt auch für Sie. Der Numerus Clausus in Sachen An- und Verstand schließt aus, dass ich hier einem feigen Clown, der sich über den – sicher streitbaren – Henryk M. Broder in Manier einer Schülerzeitung lustig macht, ein Forum biete. Wenn Sie inhaltlich etwas zur Sache beizutragen hätten und zudem das Rückgrat, diese wohl als Parodie gedachte Peinlichkeit zu unterlassen, dann sind ihre Kommentare willkommen. Sonst nicht. Das Hitler-Blog ist kein regelfreier Ort; die Regeln mache ich. Wenn es Ihnen nicht passt, gehen Sie woanders hin.

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