Wenn Hitler Stalin packt

von Daniel Erk

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Die durchaus interessante Frage “Was wäre gewesen wenn?” wird von Historikern – aus ihrer Warte vollkommen zurecht – leider sehr selten behandelt. Man muss daher Autor Robert Harris, dem Autor von “Fatherland” und dem Regisseur und Filmemacher Dani Levy dankbar sein. Woher sollte man denn sonst wissen, was man nicht wissen kann. Aber auch dem NSDAP-Superwaffen-Special-Interest-Medium “Bildzeitung”, das mit herrlicher Freude Abstrusitäten und Falschmeldungen über Neuschwabenland, Aliens und Megawaffen Platz einräumt, kann in diesem Zusammenhang nicht genug gedankt werden.
Ganz besonders interessant ist in diesem Zusammenhang des Mutmaßens natürlich die Frage, was wäre gewesen, wenn die volkstümliche, deutschtümmelnde Zuschreibung “Hitler hat den Krieg verloren” so stimmte und die Deutschen mit diesem Dritten Reich, diesem Krieg, diesem Holocaust und diesen 6 Millionen hinterhältig ermordeten Juden nichts zu tun hätte. Wenn es, wie man ungangsprachlich ja ohnehin postuliert, Hitler – quasi allein! – gewesen wäre.
Nun, immerhin diese Frage wird beantwortet. Und wie es sich gehört in einem durchaus jugendaffinen Medium: einem Prügelspielchen im Tekken-Stil. Bei World Domination Battle (Onlinespiel siehe Link) kann neben Berlusconi, Bush, Ratzinger, Gandhi und anderen auch die alten Weggefährten Josef Stalin und Adolf Hitler zu seinen persönlichen Stars in der Manege machen – die in bester Computerspielmanier auf leicht durchschaubare Decknamen hören. Ein Spiel auch für Skinheads jeden Alters, man so will.

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“Arnold Shitler”, Alias: “The Führer”, kann hier “Zyklon B” und “Blitzkrieg”, hebt – ähnlich einem Hündchen – brav das Ärmchen, schimpft sonst ganz herzallerliebst mit der Welt oder ruft “Sieg Heil”. Ein echter Nazi eben! “Jussoph Stallion” dagegen, genannt “White Russian”, kann “Kommunismus” und “The Bomb” – und Kasatschok. Austragungsort ist wahlweise der Rote Platz zu Moskau oder der liebevoll mit Weltherrschaftsplan an der Wand gestaltete Führerbunker; die Musik ist jeweils auf den Ort abgestimmt. Im Falle von Hitler heißt das natürlich: Wagner.

Pädagogisch ist das möglicherweise nicht so sinnvoll, Mitgefühl mit Hitler und Gewaltspaß, das ist nicht unbedingt en vogue dieser Tage. Aber wen interessiert das schon – wenn man nur lange genug übt, gewinnt Hitler gegen Stalin, folglich natürlich den Krieg und die kulturelle Auseinandersetzung um die Erinnerung an das Dritte Reich. Womit ’68 nicht stattfinden würde. Und wo kein ’68 ist, gibt es auch keine kritische Pädagogik. Von wegen: Was wäre wenn! Ihr werdet schon sehen!

Womit wieder die alte Weisheit belegt wäre: Mit Nazis spielt man nicht. Einerseits. Aber verdreschen, das wird doch wohl noch…

(Vielen Dank für den Hinweis an Robert D*** [zensiert]!)


9 Kommentare zu "Wenn Hitler Stalin packt"

  1. “Und wo kein ‘68 ist, gibt es auch keine kritische Pädagogik.” – Und auch keine taz.

  2. Ich fürchte die zugegebenermaßen etwas unoffensichtliche Pointe wurde nicht verstanden. Nein, ich ich fürchte nicht nur: ich bin mir ganz sicher.

  3. Oh, wollte kein 68′er- oder taz-Bashing betreiben … war eher auf einer nicht ganz ernsten Schiene angesiedelt, spontaner Zwischenruf sozusagen.
    Auf die Gefahr hin, dass eine Pointe nicht mehr wirkt, wenn sie erklärt wird, dürfte ich um Aufklärung bitten …? E-Mail ist ja beim Kommentar ;-)

  4. Nun gut: Der Witz besteht darin, dass man – wenn man nur lange genug Hitler spielt – gegen Stalin gewinnt und damit letztlich ’68 nicht stattfindet. Womit ja auch jegliche Kritik am Spiel selbst unwahrscheinlich würde. Kurz: Je besser man hier spielt, desto unwahrscheinlicher wird die Kritik am Spiel selbst. Super, oder?

  5. Das leuchtet ein, ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass es das Spiel selbst dann auch nicht geben würde.
    Puhh, da haben wir ja nochmal Glück gehabt …

  6. Hübsch ist, wenn man etwas länger spielt, auch, wie Hitler immer “Blitzkrieg” ruft. Und wie er nach jeder gewonnenen Runde einen Welkugel-Wasserball penetriert und “Oh, ja! Krög!” ruft. Sehr hübsch, wirklich. So nimmt man die Welt, Herrschaften!

  7. Hast Du schonmal gegen den Papst gewonnen?
    Schön auch, wie Saddam verliert …

  8. Finde die Zeichnung super und würde sie gern für den Titel meines Buches “Der Hitler, die Russen und ich” verwenden. Wer hat die Rechte, Kosten etc?
    Bitte Kontakt an JOB CONCEPT 80539 München Schönfelstr. 19 Tel.129 33 31 mail wie oben-
    Dank und Gruß….J O B.

  9. Hitler is ne Person der Öffentlichkeit – an dem hat niemand die Rechte ;-)

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