Die Banalisierung des Bösen (Bild berichtete)

von Daniel Erk

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(Symbolphoto)

Im Grunde macht es für die Bild-Zeitung keinen Unterschied, ob sie über Dieter Bohlen oder Adolf Hitler schreibt. Und wenn doch, dann nur insofern, als dass es von Adolf Hitler kaum noch wirklich aufregende Neuigkeiten (neue Freundin, neue Single, neue Ausfälligkeiten) zu vermelden gibt.

So gesehen ist es überhaupt schon etwas verwunderlich, dass Bild in ihrer Berliner Ausgabe der letzten Woche (leider nicht online zu finden) eine zweiteilige, jeweils halbseitige Serie anlässlich eines neuen Buches über Hitlers Verhältnis zu Berlin (Thomas Friedrich: „Die missbrauchte Hauptstadt“, Propyläen Verlag) veröffentlicht. Verwunderlich ist auch, dass das bestimmt interessante, aber eben nicht bahnbrechende Buch in Bild nur am Rande eine Rolle spielt und äußerst knapp abgehandelt wird:

„Hitlers Weg zur Macht in der STADT Berlin – eine Mischung aus Metropolen-Fanatismus („wunderbar“), eiskalter Berechnung und gnadenloser Strategie.“

Noch verwunderlicher als das ist aber, wie Bild den „Führer“ porträtiert und deutsche Geschichte abhandelt. Hitlers Werdegang etwa liest sich in Bild folgendermaßen:

„Adolf Hitler (1889 – 1945). Arme-Leute-Kind aus der bayrisch-österreichischen Grenzstadt Braunau am Inn. Abgelehnter Kunststudent in Wien. Arbeitsloser Architektur-„Maler“. Wohnt im Männerheim, zieht 1914 als Soldat eines bayrischen Regiments in den Ersten Weltkrieg. Meldegänger, Gefreiter.“

Und etwas später:

(Hitler) „Scheitert 1923 mit einem kindischen Putschversuch vor der Münchner Feldherrenhalle.“

Das Bild von Hitler, das Bild von Hitlers Jugend skizziert, ist – um es möglichst wertneutral zu formulieren – äußert verkürzend. Mit etwas Naivität könnte man durchaus den Eindruck bekommen, am Dritten Reich hätten letztlich weniger der damals virulente Militarismus, der in Wien grassierende Antisemitismus oder Hitlers Erfahrung im Ersten Weltkrieg und zu Kriegsende beigetragen, sondern die gescheiterte Künstlerexistenz.

Daran, dass der Platz in der Bild-Zeitung per se beschränkt wäre, kann diese Reduktion aufs Unwesentliche jedoch nicht liegen. Für Mutmaßungen und für Atmosphärisches ist immer ein Plätzchen frei, etwa wenn es um die eine Rede Hitlers 1928 im Berliner Sportpalast geht:

„12.000 Besucher drängen sich in den Reihen und auf Stehplätzen. Dunst und Rauch aus billigen Zigaretten wabern, es stinkt nach Männerschweiß.“

Vermutlich gibt es zwei Möglichkeiten zu verstehen, warum Bild diese spekulative Ausschmückung anbringt: Entweder um den für Bild-Verhältnisse unspektakulären Artikel aufzuheizen und die geschichtlichen Ereignisse „nachfühlbarer“ zu machen – oder um dem Guido-Knopp-geschulten Leser Schauer und Ekel vor dem Nationalsozialismus auf diese simple Weise zu erleichtern. Folgt man dieser Logik, offenbaren billige Zigaretten plötzlich ein durchaus bestechendes, antifaschistisches Potential.
Grundsätzlich mag die Vermittlung dieses Ekels ehrenhaft sein. Dennoch mag man in Frage stellen, ob das Widerliche an Hitler, der NSDAP um dem Dritten Reich nicht eher Holocaust und Antisemitismus, Nationalismus und Militarismus waren.

Wenn Dieter Bohlen verhandelt wird mag es im schlimmsten Falle nervtötend oder irreführend sein, wenn Nebensächlichkeiten bei Bild in den Mittelpunkt gerückt werden und eigentliche Zusammenhänge verschwiegen werden. Im Falle von Adolf Hitler ist es aber grob fahrlässig. Denn genau hier liegt letztlich wohl der Unterschied zwischen Dieter Bohlen und Adolf Hitler: Zu Bohlen muss man nicht mehr Worte verlieren. Zu Adolf Hitler hingegen schon.

(Herzlichen Dank für den Hinweis an Stefan und Clarissa)


22 Kommentare zu "Die Banalisierung des Bösen (Bild berichtete)"

  1. Vielleicht möchte die BILD ja einfach nur ihre eigene Meinung einfließen lassen: Der fleißige, schwitzende und arbeitende Büger, der seinem fleißigen Führer zujubelt. Getragen vom Schweiß schwebt der Führer gen Himmel.
    Wäre ein Schöner Satz für den Kulturteil der BILD. Achquatch, hat die ja garnicht.

  2. Schöner Artikel! Aber bitte demnächst vor dem Posten nochmal durchlesen, sonst lenken auch hier die Nebensächlichkeiten (z.B. vergessene Wörter: “Zu Bohlen muss nicht mehr Worte verlieren”) von der eigentlichen Aussage ab.

  3. Oh Danke. Ah. Sie haben sehr recht.

  4. Was erhofft sich der Schreiber dieses Artikels davon? Als würde die Bild jemals detailliert die Grausamkeiten Hitler’s darstellen. Und überhaupt die Bild stammt aus dem Jahr 2001 und die Headline sagt doch schon alles, da muss man als halbwegs gebildeter Mensch gar nicht weiterlesen. Aber hier wird solchen Banalitäten auch noch eine Plattform gegeben. Überhaupt immer wieder solche Themen aufzurollen, da ist es dann auch wenig verwunderlich wenn Herr Kaczynski ein Stimmrecht haben will, welches 66 Millionen Polen entspricht. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln, aber das ist halt immer so mit dem Gutmenschentum.

  5. Timilein. Lesen, nur lesen. Allein lesen zu können wäre schon von Vorteil; soviel zu dem Hinweis zum Bild. Und zu den “Banalitäten”. Es ist erbärmlich. Dieser Zynismus. Diese absolut eingeschränkte Perspektive, dieses nichts wollende Schulterzucken. Und dann die Dreistigkeit und Beschränktheit, all dies mit einem Verweis auf etwaiges “Gutmenschentum” zu diskreditieren. Arm, wirklich arm.

  6. Wäre in Zeile 6 nicht “Die missbrauchtE Hauptstadt” richtig?!

    Ansonsten ist der Artikel banal. Auf diese Art lässt sich doch praktisch jeder Artikel der Bild zerpflücken.

  7. Nein, banal ist sachlich richtige Kritik nicht. Ja, es ist ein pars pro toto. Und ein Sisyphos-Praktikum.

  8. Schöner Artikel. Im Gegensatz zu anderen hier finde ich ihn nicht banal, eher im Gegenteil. Die BILD wird nach wie vor immer noch verharmlost, trotz – oder gerade? – wegen des absoluten Mangels an menschlichem Taktgefühl und journalistischer Denkweise.

    “Wer die BILD nicht mag, soll sie doch einfach nicht lesen!”?
    Das sagen viele, aber der Geanke geht nur so lange auf, wie man die gewaltige Meinungsmacht der BILD ignoriert und die Art und Weise, wie sie ohne Zögern und manchmal sogar mit Vorsatz Menschen schadet und Existenzen vernichtet.

  9. “als halbwegs gebildeter Mensch” kauft man auch die Bild nicht, aber Ben hat das schon richtig erkannt. Ich mach mir sorgen um die Nichtgebildeten! Die Bild wird ihrer Verantwortung einfach nie gerecht, die sie mit zig-Millionen Lesern hat.
    Ich halte diesen vergewaltigen Fetzen Papier für sehr gefährlich, da er nicht nur wissentlich manipuliert, sondern zusätzlich noch durch Fahrlässigkeit wie in diesem Artikel. Ich habe schon so einiges von der Bild gesehen, bei dem ich einfach nur von ganzem Herzen gehofft habe, dass der durchschnittliche Bildleser die Aufmerksamkeitsspanne eines Tannenzapfens hat und den gelesenen Mist so schnell wie möglich beiseite schiebt und vergisst.

  10. Welche Auflage hat die “Bild”? Wer liest denn sowas? Am Ende niemand (Ich lese die nicht, aber gestern stand in der Bild….). Ich möchte nicht einem Sachbearbeiter in einer Firma oder einer Behörde gegenübersitzen, der sich seine Meinung aus diesem Medium bildet. Diese Banalisierung, einem armen Gefreiten zum Opfer seiner Verhältnisse zu machen, stellt doch alles auf den Kopf. Der ganze Stil dieses Blattes stachelt doch auf, vermittelt Ohnmachtgefühle und sprengt damit einen gesellschaftlichen Grundkonsens von Solidarität und Verantwortung. Letzten Endes trägt das Blatt dazu bei, dass Regeln immer weniger beachtet werden, weil sie Jedem einen rechtfertigenden Notstand zubilligen. Wikipedia
    entnehme ich gerade eine verkaufte Auflage von 3,44 Millionen, bei einer Reichweite von ca. 11 Millionen.
    Für fast jeden “Artikel” bei dem Blatt müßte man dem Schreiber auf die Finger klopfen. Da ist die Kritik an -einem- Artikel nicht banal, sondern notwendig!

  11. Tja, in einer freiheitlichen Demokratie muss man wohl auch mediale Geschwüre wie die Bildzeitung aushalten. Selbst ständige Aufklärung, die meines Erachtens bitter notwendig ist, erreicht nur in den seltesten Fällen die von der Krankheit Bildzeitung befallenen Menschen. Die möchten nämlich gar nichts anderes lesen, als genau das, was in der Bildzeitung steht. Wie sagt doch meine mittlerweile 78jährige Oma:”Junge, das sind schon echte Nachrichten in der Bild. Nur sind sie in der Bild kürzer gehalten und zur Unterhaltung ein wenig aufgebauscht. Klar weiß ich, dass da einiges nicht stimmt, aber die anderen Zeitungen sind mir zu langweilig.” Da kann man dann auch nichts mehr drauf erwiedern. Wirklich nicht.

  12. Das, Verschwender, sehe ich dezidiert anders. Gerade in einer freiheitlichen Demokratie gibt es Bürgerrechte, mit denen es die Bildzeitung nicht sonderlich hat. Vielleicht findet es ihre Großmutter total witzig, wenn Menschen bloßgestellt, verunglimpft, beschimpft und verleumdet werden. Ich nicht.

  13. Sehr geehrter Herr Erk, dem zweiten Teil Ihres Kommentares kann ich entnehmen, dass Sie meinen Kommentar überhaupt nicht verstanden haben.

    Dass Sie und ich die Bildzeitung anders sehen als meine Großmutter, die hier als Synomym für den wahrscheinlich größten Teil der Bild-Konsumenten steht, ist schon klar. Auch dass das Geschwür Bildzeitung die Rechte, die ihre Existenz ermöglichen, täglich mit den Füßen tritt, steht außer Frage. Doch leider erreicht die täglich geübte Kritik an der Bild nicht den eigentlich notwendigen Adressaten, da er die Veröffentlichungen in der die Kritik geübt wird einfach ignoriert. Sei es weil sie ihm als langweilig erscheinen, er ihren Inhalt nicht versteht oder einfach nur weil er sie ihm am Werkskiosk aus ökonomischen Gründen nicht angeboten werden.

  14. Stimmt, Verschwender. Und inwiefern entschuldigt das den Kauf der Bildzeitung?

  15. Die Frage ist vielmehr, ob man sich für den Kauf einer Bildzeitung entschuldigen muss.Ist der Bildleser nicht vielmehr Opfer seines eigenen Voyeurismus und seiner eigenen Neugierde? Zwei menschliche Schwächen, von denen sich wohl kaum ein Mensch freisprechen kann. Lesen Sie nicht auch täglich an der Tankstelle, beim Bäcker oder an den Verkaufsautomaten diese verführerischen Schlagzeilen? “UFO-SEKTE WILL HITLER KLONEN!” Welch ein verführerischer Aufmacher, Trash in reinster Vollendung. Da muss selbst ich mich beherrschen um die 50 Cent stecken zu lassen, obwohl ich ganz genau weiß, dass mich nur Fantastereien, Diffamierungen, Demagogie, Falschmeldungen und wieder einmal dümmliche Post eines Herrn Wagners erwarten werden.

    Ich denke es müssen sich vielmehr die öffentlichen Personen entschuldigen, die die Bildzeitung als Vehikel für ihre eigene Popularität oder Anliegen nutzen und der Zeitung durch ihre eigene Reputation einen gewissen Hauch von Seriosität verleihen, obwohl sie genau wissen mit welch einem Revolverblatt sie sich abgeben. Aktuell denke ich hier besonders an die schmierige und scheinheilige “Afrika-Ausgabe”.

    Inwiefern sollte es also für den Bürger mit Volksschulabschluß moralisch verwerflich sein, diese Zeitung zu kaufen, wenn selbst Bob Geldof, die Bundeskanzlerin und sogar der Kaiser höchstpersönlich für dieses Blatt schreiben .

  16. “Too often we enjoy the comfort of opinion without the discomfort of thought”
    Das Problem ist wohl der discomfort.

    Lieber Autor: Es gibt auch Synonyme für “dezidieren”, aber schön, dass Du eine knuffige Zeit an der Uni hattest.

    Lieber Gott: Danke, dass der Bildblog Erk-frei ist

  17. Liebe Julischka: Danke, dass Sie ein so fabelhaftes Beispiel für “the comfort of opinion with the discomfort of thought” abgeben. Recht vorbildliche Argumentation, Ausführung, Begründung. Nicht immer dieses persönliche, ausfallene Rumgemäkele aus dem Hinterhalt! Ganz offensichtlich an der Sache interessiert statt an der Beleidigung der Diskutierenden! Chapeau!

    Liebes Bildblog: Ich verstehe nur zu gut, warum ihr keine Kommentare zulasst.

    Im Übrigen: Das mag tatsächlich eine “grassierende” Krankheit unter Politologen sein, die mich da befallen hat. Ich werde es bei Zeiten “eruieren” und ggf. “validieren”.

  18. Herr Erk,
    Oh da habe ich ja einen richtigen Weltenverbesserer getroffen. Auf den Hinweis wie überholt ihr Artikel ist, sind Sie überhaupt nicht eingegangen. Es gibt halt auch Leute die nicht wie Sie alles durch die rosarote Brille sehen, allein der Aspekt mich hier als “arm” (im geistigen Sinne) zu diffarmieren, zeigt mir nur wie schmal der Grad zwischen Ihnen und der “Bild” ist. Anscheinend können Sie nur schlecht mit Kritik umgehen und ihr “Artikel” ist nun einmal banal und überholt. Sie haben auch nicht verstanden was ich damit sagen wollte, als ich meinte man dürfe diesem Schwachsinn keine Plattform geben, dass ist als ob Sie hier detailliert den Gefängnisaufenthalt von einer gewissen Frau Hilton schildern würden. Alle regen sich über den Schwachsinn auf, aber trotzdem berichtet jeder drüber und solche Grütze bleibt weiter in den Medien.

    Aber was erhoffe ich mir hier überhaupt, immerhin schreibe ich hier auf “taz.de”, wo man eigentlich meint die Leute könnten differenzieren…

  19. Wieso überholt? Wieso banal? Zeigen Sie das mal.

    Gewohnheit ist keine Entschuldigung. Und ich sehe nicht, wo hier Schwachsinn eine Plattform gegeben wird – die Kommentare einmal ausgenommen.
    Ihrer Logik folgend wäre jede Berichterstattung und jede Kritik problematisch. Wie soll denn da bitte Auseinandersetzung stattfinden?

    Und: “Weltvesserer”? Gute Güte, nur weil ich noch eine Minimalvorstellung von Normen, Werten und Moralität habe. Das meine ich mit: Zynismus. Nichts für ungut.

  20. Es ist jedes mal das Gleiche. Jedes Forum, nein jede noch so geringe Möglichkeit anonym seine Meinung in den Raum zu stellen, wird von mindestens Einem genutzt um sein Manifest einzugeben welches keine Kritik zulässt.

    Dumm an dieser Sache ist nur, dass die Meinungsfreiheit auch dort gilt und absolut jede Meinung früher oder später einen Gegner findet, der seinen Senf dazu gibt. Spulen wir mal 2-3 Beiträge vor – schon sind wir bei einer, krampfhaft auf einem mittelhohem Niveau gehalteten, Disskusion in der vereinzelte Fetzen eines “besseren” Wortschatzes hin und her geschimpft werden in der Hoffnung der andere gibt auf und man hat das letzte Wort. (bisschen kindisch!)

    Die eigene Meinung ist klar formuliert, dann kommt jemand daher, wagt es (sogar) mit persönlicher Anrede Kritik zu üben und dann geht die Rechtfertigung los, meistens einhergehend mit einem Dauerfeuer von Überezugungsarbeit. Bild gibt jedem die “Möglichkeit” den Schwachsinn zu glauben von dem die Redakteure überzeugt zu sein scheinen – Hier wird dem geneigten User die eigene Meinung garnicht erst erlaubt, jedenfalls nicht ohne entsprechende Kritik, Beleidigung und Ausschlachtung des Beitrags.

    Bild bedient einfach billigen Voyeurismus, das weiss auch der Leser und trotzdem wird die Zeitung gekauft um einen Grundstock an Infos zu haben, der schnell und einfach angelesen werden kann. Sicher tauchen da auch immer wieder gefährliche Halbwahrheiten auf aber der Otto-Normal-Bildleser will ja auch nicht in eine öffentliche Disskusionsrunde gehen sondern einfach für ein paar Minuten abschalten, Wartezeiten überbrücken, beim Frühstück schnell was zur Ablenkung lesen – Wer das alles für bare Münze nimmt hat`s nicht besser verdient.

  21. “Banal” ist vielleicht nicht das richtige Wort der Wahl, dokumentiert aber auch die Ratlosigkeit, mit der man der Thematik “Bild! und die Wahrheit” gegenüber steht. Wer sich mal regelmäßig auf Bildblog.de umschaut fragt sich, was soll man dazu noch sagen, wohin soll das führen oder muss man sich damit noch weiter beschäftigen???! Das sollte aber jeder selber wissen, welche Relevanz er dem Thema einräumt. Richtig ist, dass man das nicht ignorieren sollte (obwohl die das jetzt schon 55 Jahre so machen). Richtig ist aber auch, dass man irgendwann müde wird, über jeden Dreck der Bild! zu lammentieren.

    In der Kommunikationswissenschaft ist man sich nicht so ganz darüber einig, ob und welchen direkten oder indirekten Einfluß die Bild! hat. Fakt ist aber, dass sie die auflagenstärkste Tagespublikation darstellt (schwank aktuell etwas, s.Kampagne: “gestatten: Bild”). Meinungsbildung funktioniert jedoch zum Glück auch etwas komplexer als “Bild sagt – Volk glaubt”; da sollte man schon differenzieren. Wenn man aber Auflagenstärke, Bild.de-Besuche und öffentliche Auslagen der täglichen Exemplare zusammenrechnet, dann kann man schon sagen, dass sie sehr breit wahrgenommen wird – ja, auch vom Sachbearbeiter gegenüber, vom eigenen Chef oder Vorgesetzten, den Arbeitskollegen, Beamten, von den meisten Leuten, denen man in der Öffentlichkeit begegnet, auch von Studenten, Lehrern oder anderen, die man da nicht vermutet. Was man von den Inhalten übernimmt, ist i.d.R. von der eigenen Disposition abhängig: Wenn mir also die Meinung der Bild nicht gefällt, dann nehme ich sie nicht an, und umgekehrt.

    Was wirklich interessant und erschreckend ist: Bei der zunehmenden Fülle der täglichen Themenflut braucht der, der sich an Gesprächen in seiner Umwelt beteiligen will ein überschaubares und leicht anwendbares Faktenwissen – und da schafft Bild! zweifelhafte Abhilfe.

    Da ich Kommunikationswissenschaften studiert habe, interessiert mich die Wirkung auch noch nach der Uni. Deshalb setze ich mich im Zug (Nahverkehr) gerne in die Nähe von Gesprächsrunden (Zug-Café)…und diese Praxis bestätigt: Wenn es einem an Hintergrundwissen fehlt, dann Hilf Bild! “zuverlässig”. Wenn Bild! aber eindeutig Position bezieht, dann gibt es auch immer genug Leute, die sich dem nicht anschließen. Eines ist dabei aber sicher: Bild! spielt für eine unüberschaubare Menge von aktiven wie zufälligen Lesern eine Rolle in der täglichen Informationsaufnahme…

    PS: Bild!-Redakteure tummeln sich auch gerne in Blogs, um da “verdeckt” mitzureden – keine Konspiration, Praxis. Ich finde hier zwei Beiträge zweifelhaft ;-)

  22. Herr Erk,

    schöner Artikel, aber ein kleiner Tipp: Sie brauchen sich nicht zu jedem Kommentar zu rechtfertigen. Dass nimmt Ihnen nämlich leider die Würze aus dem Bericht.
    Zu dem exorbitanten Usus von Fachtermini: Ich finde es gut dass Sie diese gebrauchen, schließlich sind wir hier ja nicht auf bild.de. Sonst hieße dieser Artikel wohl auch “BILD berichtet befangen Böses!”

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