Skandal im Speer-Bezirk

von Daniel Erk

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Wolfgang Wippermann, Professor für Neuere Geschichte an der Freien Universität und Gastdozent an der Universität der Künste, weiß, wie man sich Dialektik übt, denn er kann jeweils beides: Reden und sprechen. Überlegen und unterhalten. Provozieren und dozieren.

Dass erst nun die deutsche Medienlandschaft auf ihn aufmerksam wurde, nunja, immerhin. Nachdem Wippermann schon vergangene Woche einen eindrucksvollen Auftritt im Zdf hatte und Eva Hermans, mit Verlaub, Dummschwätzerei als solche überführte, hat er nun die ehrenvolle Aufgabe, der Bild-Leserschaft ein paar grundsätzliche Erkenntnisse über das Dritte Reich zu vermitteln und so wenigensten einen Grundstock an Argumentationsgrundlage zu verabreichen (siehe Bildblog).

Bildblog schreibt dazu: “In “Bild” steht alle paar Tage groß das Wort “Hitler”, meistens über Artikeln, die in fast frivoler Weise mit dem Grusel und Kitzel des Nationalsozialismus spielen. Heute steht darunter ein Stück Aufklärung.” Das allerdings ist weniger Bild geschuldet – als der Fähigkeit Professor Wippermanns.

Ps. Wer nun immernoch glaubt, Hermans Lob fuer das Frauenbild der Nazis haette irgendwas mit der Wirklichkeit zu tun – also, bitte: ein bisschen mehr Verstand ode rnur die Faehigkeit drei Minuten zuzuhoren (siehe Kerner, Minute 5:50) waere doch wuenschenswert, wenn man so etwas wie eine “Meinung” zu vertreten versucht.


9 Kommentare zu "Skandal im Speer-Bezirk"

  1. Eva Herman lobte lediglich einen bereich des dritten reichs.. welcher tatsächlich lobenswert war, bei aller missachtung und verdammung hitlers. “die wertschätzung der mütter” war nun einmal vorbildlich. aber eva herman war taktlos, sie hat einen empfindlichen punkt getroffen, deutschlands nazi vergangenheit. oder hat sie ihren gegnern bloß die möglichkeit gegeben sie in der luft zu zerreißen? worum geht es hier eigentlich!!?

  2. Hmm,
    Ging es eigentlich bei der Wertschätzung der Mütter bei den Nazis ?
    Oder eher darum, Frauen zu animieren, dem Führer Soldaten zu gebären ?
    Kann eine solche Haltung wie die Wertschätzung der Mütter von ihrem Kontext
    und eigentlichen Grund getrennt werden ?
    Besteht darin, dass Frau Herrmann das tat, nicht die eigentlichen Dummheit
    ihrer Äusserungen ?
    Einer Wertschätzung der Mütter ihrer selbst und ihrer Leistung wegen
    kann ich jederzeit zustimmen.
    Und worum geht es Frau Herrmann eigentlich ?
    Die Haltung der Nazis finde ich genauso bigott wie die der KarriereFrau Herrmann:
    Sie hat ihr Ziel erreicht, man spricht über sie und ihre Thesen, die sie weder früher
    noch heute ernst genommen und gelebt hat. Sie wird verlegt und offensichtlich gelesen…

  3. Also alles was ich bisher von den Äußerungen Eva Hermanns zitiert gefunden habe war unklug bis unsensibel formuliertes dummes Gewäsch. Allerdings diese unterstellte Glorifizierung des dritten Reichs lese ich da beim besten Willen nicht raus. Ich glaube, darum geht es ihren Kritikern auch gar nicht. Sie soll doch bloß symbolisch geopfert werden und jeder, der mit in diese Kerbe haut kann dadurch sein eigenes Gewissen ein bisschen bereinigen. Schade dass so viele kluge Köpfe des linksliberalen Spektrums an diesem Affenzirkus mitwirken.

  4. Der Punkt an Eva Hermans dummem Gewäsch ist, dass das, was sie über das Frauenbild des dritten Reiches sagt, kompletter Unsinn ist und das Dritte Reich ins seiner Frauenverachtung – die Frau an den Herd als Gebärmaschine des Übernazis – kaum zu übertreffen war und ist. Das Frauenbild der Nazis ist eben keines von Selbstbestimmung und Freiheit, von Rechten und Liebe, sondern eines von Pflichgehorsam, Beschränkung, Verachtung und Unfreiheit. Und genau in diesem Unwissen und in der Unfähigkeit a) sich besser zu informieren bzw. b) ihre Fehleinschätzung einzusehen und stattdessen die Nazis besser zu machen, als sie waren, liegt Eva Hermans Dummheit. Ich glaube auch nicht, dass sie eine Rechtsradikalte ist. Eine Rechte ist sie – mit ihrem “Heimachen” Frauenbild, mit ihrem Plädoyer für die Unfreiheit der Frau – allerdings ganz sicher.

  5. Selbst mit bestem Willen ist eine Herman-Exegese nur schwer zustande zu bringen, vgl. http://www.spreeblick.com/2007/10/12/eva-herman-aus-linguistischer-perspektive/.
    Meine Meinung: Ob die Herman nun selbst dem Nationalsozialismus nahe steht oder nicht, mit dieser Form der ziellos-wirren Rhetorik würde es mich nicht wundern, wenn sie demnächst eine Stelle als Pressesprecherin für eine rechtsradikale Partei angeboten bekäme.
    Sarkastische Pointe des Familienwerte-Autobahn-Redeverbots-Vergleichs: Beide dienten der militärischen Logistik, die Familienwerte und die Autobahnen zur Zeit des Nationalsozialismus. *Polemik-Ironie-Modus aus*

  6. Mal davon abgesehen, dass der gebildete Bürger inzwischen wissen müsste, dass die damaligen Autobahnen keinesfalls als Transportweg für Militärgüter und Truppen taugte (das wurde mit der Bahn erledigt): Frau und Familie wurden als Zuchttiere eines kranken Traumes von einer reinen Arierrasse missbraucht. Insofern sollte man in der Tat sehr vorsichtig sein mit Äusserungen wie “das war damals aber besser als heute”. Wenn man aber mal noch ein paar Jahre zurückgeht in die Zeit vor den Nazis und ihrem kleinen, unarischen, komplexbeladenen Irren, könnte man eventuell schon sagen, dass die Wertschätzung der Mutterrolle (nicht Frauenrolle) höher geschätzt wurde als heute. Und dass die Emanzipation auch so ihre Probleme mit sich brachte, ist bekannt, darf aber wegen der “political correctness” nicht so arg deutlich geäussert werden.

  7. Ein Musterbeispiel für den heute typischen schnellen, antiinvestigativen Blogger-Journalismus. Gerücht gehört, Gerücht verbreitet, fertig.

    Egal was man von Eva Herman hält, sie hat sich niemals das NS-Frauenbild zueigen gemacht:

    “Was viele nicht wissen: Unsere distanzierte Haltung zu unseren Kindern steht auch in einem direkten Zusammenhang mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte, dem Dritten Reich. Die Theoretiker des Nationalsozialismus erkannten früh, dass die Frage der Kindererziehung höchste politische Relevanz hatte. Das beschränkte sich nicht auf die erwünschte Steigerung der Geburtenrate, die sich in der Auszeichnung mit dem „Mutterkreuz-Orden“ für Frauen mit vielen Kindern ausdrückte. Es betraf vielmehr die konsequente Einflussnahme auf den vormals privaten, familiären Bereich von Geburt, Mutterschaft und Säuglingspflege. Es ging nicht nur darum, „dem Führer Kinder zu schenken“, sondern die Kinder so früh wie möglich nach den Maßgaben des nationalsozialistischen Menschenbildes zu formen. – Betrachtet man diese Grundlage, wird schnell klar, dass der Hitler-Staat alles daransetzte, jeden gesellschaftlichen Bereich zu kontrollieren und jede private Nische zu vernichten, in der sich individuelle Lebensformen entwickeln konnten. Verwirklichen ließ sich das nur, indem die Gruppe, das Kollektiv, die „Volksgemeinschaft“ über den einzelnen Menschen gestellt wurde, eine Ideologie, die wir auch im DDR-Sozialismus immer wieder beobachten konnten. ….
    Die Gebärende wurde zur Soldatin auf dem Schlachtfeld stilisiert, und so kommentierte denn auch der nationalsozialistische Gynäkologe Walter Stoeckel die acht Schwangerschaften seiner Frau: „Sieben Geburten und eine Fehlgeburt sind sieben Gesundheitsschlachten und eine Manöveranstrengung.“ – Die Forderung, Frauen müssten den Geburtsschmerz aushalten, hatte aber auch noch einen anderen Hintergrund: Auf diese Weise wurde die Mutter-Kind-Beziehung von vornherein negativ geprägt. Heute weiß man, dass eine massive Ablehnung des Neugeborenen durch den erlittenen Schmerz während der Geburt möglich ist, bis hin zu Vernachlässigung und Misshandlung. Das wurde bewusst in Kauf genommen, um „übertriebene Muttergefühle“ von Beginn an zu unterbinden. Um das zu unterstützen, wurde eine vierundzwanzigstündige Trennung von Mutter und Kind nach der Geburt propagiert, der natürliche Impuls nach Nähe zwangsweise unterdrückt. …”

    Aber wen interessieren schon Argumente, wenn man sich doch ganz ohne als Blogg-Wart in der Antifa-Kleingärtnerkolonie bewähren kann.

    Und die von Ihnen verehrten rethorischen Fähigkeiten Prof. Wippermanns erschöpfen sich doch augenscheinlich im Ablesen vorbereiteter Statements, die er bei Kerner peinlicherweise nicht mal so einschieben konnte, dass sie irgendwie zum Gesprächsverlauf gepasst hätten. Welche Erlösung für den gelernten Empörungs-Dialektiker als Frau Herman endlich ‘Autobahn’ sagte und somit Gelegenheit gab, auf antrainierte Reflexe zurückzugreifen ohne auch nur den gesprochenen Satz, geschweige denn den Sinnzusammenhang, verstanden zu haben.
    Nun gut, auf semantischen Feinheiten kann der antifaschistische Kampf eben keine Rücksicht nehmen. Es genügen einzelne Reizwörter, nach Bedarf auch selbstdefiniert, der Zusammenhang wird dann praktischerweise einfach proklamiert. Was für ein Glück, dass der Antifa-Diskurs noch nicht bei inkrminierten Silben angelangt ist. Nach dieser Vorstellung halte ich allerdings alles für möglich.

  8. Danke Rainer. Scheinbar können ein Großteil der Bevölkerung nicht nur nicht lesen, sondern auch nicht hören. Wobei ich fast befürchte, dass sie nur nicht wollen (was schlimmer ist).

    -michael

  9. natürlich steht es außer frage, dass die rolle der frau im nationalsozialismus auf die der gebärmaschine beschränkt war … aber mal im ernst … selbst wenn eva hermann die medieninkompetenz in person darstellt … ist es nicht völlig irrelevant, was diese frau für eine meinung vertritt …?
    nur weil es den axel springer verlag so brennend interessiert …?

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