Kampf der Kaltfront und Hitlers Saftladen

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Dass Hitler ein weiterhin recht beliebtes Werbetestimonial in asiatischen Ländern ist, ist ein wiederkehrendes Motiv. Aber es ist jedes Mal wieder faszinierend und irritierend, wie jüngst schon vor geraumer Zeit im Falle eines deutschen Heizungsherstellers.
Offenbar ohne Wissen der deutschen Zentrale hatte nämlich die taiwanesische Dependanze auf die Werbeplakate gehievt Der Slogan „Kampf der Kaltfront“ war da natürlich schnell bei der Hand.
„Hitler gilt in Taiwan bei vielen Menschen nur als ein resoluter Deutscher Politiker, der ein kleines Land in kurzer Zeit zur Großmacht gemacht hat“, schreibt Rüdiger Teichert in seinem Blog aus Taiwan. „Der Holocaust ist den Taiwanesen oft nur als Unruhe zwischen Volksgruppen bekannt (…), leider weiß man nichts von Millionen Toten, vergasten Kindern, Frauen und Männern und der fabrikmäßigen fast vollendeten Auslöschung eines ganzen Kulturkreises; dem europäischen Judentum.“

Und offenbar ist auch über Hitler selbst nur das Rudimentärste bekannt: Das Bild einer Saftbar, das Rüdiger Teichert präsentiert, zeigt Hitler jedenfalls in eher südamerikanischer Tracht und mit ausuferndem Schnauzbart (siehe unten). Historisch betrachtet ist der Terminus „Hitlers Saftladen“ für jenes Geschäft also so und so: sehr zutreffend.
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(via Rüdiger Teichert, Dank an Caro in den Kommentaren)

Kommentare (3)

  1. „Auch wenn Asien weit weg ist und so, finde ich diese krasse Unkenntnis doch ziemlich bedenklich.“

    Letzten Endes kaum weniger bedenklich als die hiesige Unkenntnis über Generalleutnant Ishii (http://en.wikipedia.org/wiki/Shiro_Ishii) oder General Matsui (http://en.wikipedia.org/wiki/Matsui_Iwane).

    Es zeigt sich auch hier wieder die absolut bizarre Eigenart der Shoa. Andere Massenmörder mögen mehr Opfer haben, aber die industrialisierte, logistisch durchorganisierte Judenvernichtung mit ihrem das Totalitäre zum logischen Extrem treibenden Anspruch ist in Abwesenheit von Zeitzeugen schwer zu vermitteln. Es ist zu absurd. Und das wird Deutschland, da Zeitzeugen zunehmend selten werden, in näherer Zukunft vermutlich auch vor ein Problem stellen. Die versymbolisiert-abgehobene Erinnerungskultur, die die schmerzhaften Fragen tunlichst vermeidet, ist jedenfalls kein ausreichender Schutz gegen Revanchisten, Revisionisten, Reaktionäre, und ihre Helfenshelfer wie sekundärtugendgeile CDU-Rechtsableger und Vertriebenenverbände.

    Oh, sicher – niemand will daß sich Auschwitz wiederholt. Aber hätte man 1932 10 Deutsche gefragt, hätten wohl kaum mehr als 2 von diesen die Ermordung aller Juden derer man habhaft würde befürwortet. Ich bin außerstande zu sagen, wer schlimmer ist: der irre Visionär, oder die graugesichtige Gesellschaft die die Visionen mit mildem Lächeln als überzogene Spinnereien abtat und sich damit zum Komplizen anerbot.

    Was, wenn es in 30, 40 Jahren heißt: der (Klimaflüchtlings-)Schwarzafrikaner darf unsere Kultur nicht in den Abgrund reißen, und wenn es nicht anders ginge als die wimmelnden Horden im Mittelmeer zu ersäufen, so sei es so? Wird Deutschland milde lächeln und sagen: ach, die Spinner; sie haben immerhin Arbeit und Aufschwung geschaffen – der Rest ist doch bloß unrealistisches Geschwätz… der Holocaust war ja auch mehr Schein als Sein?

  2. Noch eine kleine anmerkung:
    „Aber es ist jedes Mal wieder faszinierend und irritierend, wie jüngst im Fall eines deutschen Heizungsherstellers.“
    jüngst trifft in diesem Fall nicht ganz zu, die Geschichte ist schon ein paar Jährchen alt ^_^

    Aber schön, dass es im Hitlerblog aufgenommen wurde, das ganze ist auch wirklich allzu kurios!

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