Der größte Lokführer aller Zeiten
von Daniel ErkOptimierungsprozesse machen ansonst eher komplexe Vorgänge, schneller und schlüssiger. Insofern ist es absolut lobenswert, dass sich die Jüdische Gemeinde Düsseldorf der in Deutschland sehr nachgefragte Dienstleistung des abwegigen Hitlervergleichs angenommen hat – immerhin hatte jüdische Gemeinden bislang das Monopol auf die Bewertung von Derartigem – wir erinnern uns an das Nazometer.
“Wenn Herr Mehdorn im Dritten Reich in derselben Position gewesen wäre wie heute, hätte er mit großer Überzeugung Deportationen angeordnet”, hat der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf anlässlich der Eröffnung einer Ausstellung über die Deportationen in Konzentrationslager gesagt und Mehdorn weiter als “Führer der neuen Reichsbahn” bezeichnet.
Nun muss man Mehdorn nicht sonderlich sympathisch finden und man muss auch den unsouveränen, schmalvollen Umgang der Bahn mit ihrer historischen Rolle als Logistikunternehmen des Holocaust nicht gutheißen. Aber beleidigend werden? Mehrdorn als potentiellen Steigbügelhalter eines eventuellen neuen Nazismus darstellen? Wozu soll das gut sein – Öffentlichkeit? Und macht man sich damit nicht unglaubwürdig, wenn in Zukunft der laxe Umgang mit der Erinnerung an Nazideutschland angemahnt werden soll?
Andererseits: Man kann es auch als Ergebnis eines Normalisierungsprozess sehen. Wenn das Dritte Reich auch für die jüdischen Gemeinden als rhetorisches Ausdrucksmittel funktoniert, dann ist die Zeit der aufgeregten Tabuhuberei und Skandalisierung möglicherweise bald am Ende. Es wäre im Sinne von mehr Sachlichkeit zu hoffen.
(Dank an Pop-Christian)
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“Mehrdorn” – vielleicht ist dieser schmusig-symbolische Tippfehler schon im Interphilo-Nett zu finden.
Und da kann man sich doch – auch ohne von ihm zu wissen -, ob als Rechtschreibfanatiker, jüdische Gläubiger oder als Bahnereisender oder als Als-wie-auch-Immer nicht nur simpel gepiekst fühlen. Da könnte man sich holo-prophylaktisch – dornenbekront verletzt fühlen.
(Obwohl solche Maso-Phantasien primär christliche und dort weibliche Leidenskarrieren ausmachen.)