Macht der Welle (Hanni und Nanni besiegen den Faschismus)
von Daniel Erk“Die Welle” kommt ins Kino, sich nicht dazu zu äußern kommt quasi gar nicht Frage. Immerhin geht es um das, was Deutschland im Innersten zusammenhält: Den Mythos von der billigen Verführbarkeit und vom aus der braunen Asche gestiegenen, rechtstaatlichen Phoenix namens BRD.
Das Unbehagen an Buch und vielmehr noch Film in Worte zu fassen, wo die Feuilletons in Jubel aufbranden und während Spiegel Online Beitrag um Beitrag für den Staatskundeunterricht raushaut – gar nicht so einfach.
Tobias Kniebe, Feuilletonist der Süddeutschen Zeitung und zuständig für Filme, allerdings bringt die Schwächen, Denkfehler und die das eigentliche Ziel geradezu karrikaturierenden Grundannahmen sehr gut auf den Punkt.
Er schreibt:
Die Schulvorstellungen sind längst gebucht. Ein Traum, wenn man als Sozialkundelehrer mal wieder die “Aktionswoche Demokratie” bestreiten muss, oder den “Projekttag Faschismus”, oder wie solche Sachen im Lehrplan eben heißen. Der Jugendroman “Die Welle” von Morton Rhue ist da seit Jahrzehnten eine probate Geheimwaffe, dieser ewige Bestseller aus den Lektüreempfehlungen der Sekundarstufe – mit mehr als zwei Millionen verkauften Exemplaren allein in Deutschland. (…)
Ein reales Schulexperiment aus den Sixties in Amerika wird darin Fiktion: Wie man Individualität ausschaltet, Andersdenkende fertigmacht, Führerglauben sät und Faschismus propagiert, hier und heute bei uns im Klassenzimmer. Wäre das möglich? Na klar, sagt “Die Welle”. Wenn wir nicht wachsam sind, und wenn wir nicht viele Aktionswochen dagegen machen. (…)Was gegen eine Verfilmung der “Welle” sprach, war dann allerdings erst einmal das Buch selbst. Nicht nur unsagbar erfolgreich, sondern leider auch unsagbar schlecht, eine Art “Hanni und Nanni besiegen den Faschismus” – und dieser Vergleich tut Enid Blyton noch Unrecht. (…)
Es kommt (in die Welle, Anm. des Blogs) gar nicht darauf an, wofür man sich zusammenschließt (im Film steht die “Welle” zunächst für gar nichts), allein das Gefühl der Gemeinsamkeit ist schon gefährlich und muss die schlimmsten Kräfte entfesseln. Wer aber ausgerechnet damit vor dem Faschismus warnen will, dass er ihn aller Inhalte beraubt; wer die Gefahr ganz unhistorisch und undifferenziert in Nirgendwo verortet; und wer dann auch noch vorgibt, rettende Wachsamkeit zu verbreiten – der ist doch eher ein Teil des Problems als ein Teil der Lösung.
Soviel Klarheit, gerade bei diesem Themenkomplex, in diesem Land: ein Segen.
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da wären einige schön schmackhafte Beiträge für die Schmähkritik des Popblog versteckt gewesen. Und recht hat er natürlich auch, der Kniebe.