Große Deutsche

von Daniel Erk

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Matthias Schweighöfer spielt den “Roten Baron”, Manfred von Richthofen, und nutzt die Öffentlichkeit, die darob auch ihm, Schweighöfer, zuteil wird, um im entsprechenden Format des Süddeutsche Magazins zwar nichtssagende, dafür aber umso aussagekräftigere Antworten zu geben.

Zugegeben: Schon die Frage ist natürlich halbwegs dämlich. Dass Schweighöfer für Rollen, die der deutschen Seele vermeintlich sehr am Herzen liegen, ausgesucht wurde, ist doch eigentlich kein Anhaltsgrund, warum Schweighoefer Patriot sein sollte. Generell würde man einen Schauspieler aber, der regelmässig Mörder spielt, doch auch eher nicht fragen, ob er sonderlich gewalttätig sei. Wobei den lieben Kollegen auch das zuzutrauen ist. Aber wenn man Schweighöfer schon unter Patriotismus-Verdacht stellen will, dann doch eher schon dieses Interviews im Stern wegen, in dem Schweighöfer ärgerlich-dümmlichen Quatsch wie “Wir dürfen ja keine deutschen Helden haben, weil wir schuld an zwei Weltkriegen waren” sagen darf.
Schweighöfer jedenfalls beantwortet die Frage nach den großen Deutschen und dem Patriotismus auf ganz eigene Weise – und hält sich lachend zwei Finger ‘zum Hitler’ unter die Nase. Was das nun zu bedeuten hat, warum Schweighöfer bei großen Deutschen sofort an Hitler denkt, warum neben dem unbestritten grossen Schiller der lediglich für viele Tote verantwortliche Soldat Richthofen überhaupt ein “großer Deutscher” sein soll und was das über Schweighöfers Intellekt verrät, darüber lässt sich nun herzlich streiten (was auch passiert).

Hübsch ist aber vor allem, wie der durchaus freundliche, doch irre eitle Schweighöfer sich vollkommen ohne Not in eine Debatte stürzt, der eher – der Antwort und dem Stern-Interview nach zu schließen – eher nicht gewachsen ist.
Frédéric vom Spreeblick merkte ganz zurecht an: Si tacuisses. Das muss man bei einem Format, das schon “Sagen Sie jetzt nichts” heisst, erst einmal schaffen.

Aber immerhin braucht Deutschland nun nicht mehr Tom Cruise, um sich von Darstellern deutsche Geschichte deuten und seine Helden erklären zu lassen, das ist ja auch was. Ein Land das solche Schauspieler hat, braucht – frei nach Klaus Staeck – keine Historiker.

(Dank gilt Frédéric Valin vom Spreeblick/via)


2 Kommentare zu "Große Deutsche"

  1. Pingback: Läuft! « fifteen

  2. Ich habe den Text nochmals überarbeitet, aus Tastaturfragen, aber auch, weil ich gestern Aktualität wichtiger fand – und heute die Zeit, mich um Rechtschreibung und Sprache zu kümmern.

    de

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