30.11.2008 von Daniel Erk
Dass die Kreditkrise für die USA so desaströs sind, wie der russische Vormarsch für Nazideutschland, nun gut, dass ist eventuell doch etwas übertrieben. Sehr interessant aber, dass diese zentrale Szene aus “Der Untergang” sich offenbar tief und tiefer ins popkulturelle Gedächtnis der Vereinigten Staaten brennt: Genau dieses Szene wurde auch schon mit falschen Untertiteln zu Hillary Clintons Niederlage gegen Barack Obama bei der Kandidatur der US-Präsidentschaft und viele hundert andere Anlässe verwurstet. Das geht soweit, dass selbst die Medienseite der New York Times darüber berichteten (via Thomas in den Kommentaren).
Einmal davon abgesehen, dass jegliche Pointen ihren Sinn verlieren, wenn man des Deutschen mächtig ist: Vom Klischee der bis zum Untergang treuen Nazis und Verlierer werden die Deutschen in den Vereinigten Staaten auf absehbare Zeit also nicht wegkommen. Was gerade deswegen absurd erscheint, weil der Anknüpfungspunkt für all die Parodien letztlich eine über… weiter lesen
28.11.2008 von Daniel Erk
Nachdem “Fremd im eigenen Land! 1000 Jahre deutscher Rap” ungeschlagen einer der erfolgreichsten Hitlerblogbeiträge seit 1933 ist (zugegebenermaßen auch der Launigkeit des Autors wegen), wächst nun auch hier zusammen, was zusammen gehört (Willy Brandt): Hiphop und Hitler, Spongebob und Sampling, der totale Krieg – und der total Schwachsinn.
Diese bedeutungsschwere Querschlägerei nun ist der wirkliche Zauber der Popkultur 2.0 oder wie es die Moldy Peaches einst nicht sagten: Intertextualtität rules okay. Wenn man nur in Chemnitz, Cottbus und China soviel Humor hätte, wie im Internet!
27.11.2008 von Daniel Erk

George Grosz: „Kain oder Hitler in der Hölle”, 1944
Es war ja nicht so, dass Hitler plötzlich da war und keiner hätte gemerkt gehabt, dass da eine neue Zeit anbrach und noch mehr, was für eine Zeit da herannahte. Schaut man sich, wie das Deutsche Historische Museum in Berlin, die Werke zeitgenössischer Künstler der 20er und 30er Jahre an, zerfällt die vorgebliche Ahnungslosigkeit des deutschen Volkes bald. John Heartfield etwa warnte 1932 wenig zweideutig mit einem “Krieg und Leichen – Die letzte Hoffnung der Reichen” betitelten Werk. Und immerhin schon 1934 ahnte Otto Dix, dass die Herrschaft der Nationalsozialisten ein “Triumph des Todes” sei. Die damaligen Deutschen, so die Botschaft der Ausstellung, waren nicht Schäffchen, sie selbst waren die Wölfe. Und sie wollten die Wahrheit nicht hören, obwohl sie zu hören und zu sehen war. Die Künstler aber, sie sahen nicht nur was Sache… weiter lesen
26.11.2008 von Daniel Erk

(kein Kommentar/hier der Fundort)
(Danke, Friederike)
22.11.2008 von Daniel Erk
Den Preis für Ignoranz und unfreiwillige Komik geht diese Woche ohne Zweifel an den 55-jährigen Fuhrunternehmer Siegfried Penzenstadler aus Weyarn, Bayern.
Wer auf die großartig bekloppte Idee kommt, seine LKWs großflächig mit “Räder müssen rollen für den Siegi” zu bekleben, dann die Parallele zur Hitlerdeutschen Durchhalteparole “Räder müssen rollen für den Sieg” nicht wahrgenommen haben will, sich dann auch noch beschwert, wenn andere seinen Spaß an Geschmacklosigkeit nicht teilen (“Wo kommen wir denn hin, wenn man sowas nicht mehr sagen darf?”) und ihnen dann auch noch “nationalsozialistische Veranlagung” (oh, also doch ewige Rassenschande für Deutschland, Erbschuld am Holocaust und vielleicht sogar Gennazimutanten?) – der hat sich diese wenig schmeichelhafte Form der Aufmerksamkeit redlich verdient.
Im Interview mit der Süddeutschen erklärt Penzenstadler:
“Der Krieg ist doch schon ewig vorbei. (…)”
“Ich finde den Spruch lustig, und er passt zu uns. Wir sind ein Fuhrunternehmen, unsere Autos müssen rollen,
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22.11.2008 von Daniel Erk

“Rauchen töten mehr” meint diese Anzeige gegen Tabakkonsum des brasilianischen Gesundheitsverbandes Unimed. Dass dem so ist, vollkommen klar. Ob aber die Mischung aus dem eher uneindeutigen Motiv und der eher steilen These wirklich Menschen abhält – mehr als fraglich.
(Danke, Friederike)
19.11.2008 von Daniel Erk

Endlich wird mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Politiker früher noch Eier hatten… … weiter lesen
17.11.2008 von Daniel Erk

Auch eine Art, Werbung für Wein zu machen: “Adolf Hitler 1939, Adolf Hitler 1946″ steht da schlicht. Und dann, als Claim: “Some things get better with time”. Nein, geschmacklos ist die Werbung für A Bela Sintra nicht, viel schlimmer aber: ein bisschen langweilig, auf billige Weise versucht das jemand provozierend zu sein und so richtig die Wendung zum Wein bekommt die Anzeige dann auch nicht.
(Danke, Friederike)
14.11.2008 von Daniel Erk

Und immer dann, wenn man ganz, ganz sicher ist, dass es eigentlich nicht wirrer, dümmer und beknackter werden kann, rein technisch, meldet sich einer, der dem Irrsinn die Krone aufsetzt. Besonders schön ist das natürlich, wenn es ein seriös aussehender, älterer Herr in Anzug und Krawatte ist, der für die Republicans im Repräsentantenhaus der USA sitzt und der ganz offenbar weder Sinn für Angemessenheit, noch im Geschichtsunterricht aufgepasst hat. Obama, meint dieser Herr Paul Broun (der auch eine wunderbar beknackte Homepage hat), sei nicht nur ein Marxist – sondern auch noch auf ähnlichen Pfaden unterwegs wie seiner Zeit Adolf Hitler (zu betrachten ist dieses Spektakel in Jon Stewart’s Daily Show vom 13. November – ab Minute 4:35 – in der Broun natürlich auf’s Herrlichste durch den Kakao gezogen wird).
Da wundere sich noch einer, dass westliche Gesellschaften als zunehmend seniorenfeindlich gelten, wenn stets immer diese älteren… weiter lesen
14.11.2008 von Daniel Erk

Daran, dass in Kenia mittlerweile auch die Friseurläden in den letzten Dörfern des Binnenlandes nach Barack Obama benannt werden, daran hat man sich dank der flächendeckenden Berichterstattung gewöhnt. Dass aber in Mosambiks Hauptstadt Maputo Taxis ohne Weiteres (keine deutsche Kolonie, kein übermäßig bekannter Antisemitismus, kein direkter Bezug zum zweiten Weltkrieg) einen Hitlerschriftzug auf der Frontscheibe haben, als handelte es sich um einen Hifi-Hersteller, das bleibt doch verwunderlich. Hitler, Hitler, überall auf der Welt.
(Photo: Matthias Leitner)