Gescheiterte, gescheite Künstler

George Grosz: „Kain oder Hitler in der Hölle”, 1944

Es war ja nicht so, dass Hitler plötzlich da war und keiner hätte gemerkt gehabt, dass da eine neue Zeit anbrach und noch mehr, was für eine Zeit da herannahte. Schaut man sich, wie das Deutsche Historische Museum in Berlin, die Werke zeitgenössischer Künstler der 20er und 30er Jahre an, zerfällt die vorgebliche Ahnungslosigkeit des deutschen Volkes bald. John Heartfield etwa warnte 1932 wenig zweideutig mit einem “Krieg und Leichen – Die letzte Hoffnung der Reichen” betitelten Werk. Und immerhin schon 1934 ahnte Otto Dix, dass die Herrschaft der Nationalsozialisten ein “Triumph des Todes” sei. Die damaligen Deutschen, so die Botschaft der Ausstellung, waren nicht Schäffchen, sie selbst waren die Wölfe. Und sie wollten die Wahrheit nicht hören, obwohl sie zu hören und zu sehen war. Die Künstler aber, sie sahen nicht nur was Sache war, sie waren in ihren Aussagen auch sehr klar.

Kassandra. Visionen des Unheils. 1914 bis 1945, Deutsches Historische Museum Berlin, noch bis zum 19. Februar 2009.

(Danke, Björn/via)

Kommentare (3)

  1. Hallo Daniel,
    hatte gestern meinen Humorigen und habe versucht Dir zu übermitteln, dass Schäfchen mit 2 F wie in deinem Text oben u.U. die lustigsten (Geschmackssache) Assoziationen weckt.

    Musst es ja nicht ändern…

  2. Seit wann reicht Wissen weniger, ein offensichtliches Unheil zu stoppen?
    Sorry, dies ist kein Aufruf zum Nichtstun. Ich will sagen dass doch auch damals nur “Eingeweihte” glaubten, etwas tun zu müssen und auch zu können. Heute ist der am meisten oft gehörte Spruch: “…die da oben machen was sie wollen!” Ich will mich da nicht ausnehmen, hab’s auch schon öfters gesagt.

  3. Schäffchen? Affen im Schafspelz?