„One thing, and one thing only – killing Nazis!“

Ein Gastbeitrag von Rochus Wolff*.

Wahrscheinlich war es wirklich nur eine Frage der Zeit, bis Quentin Tarantino sich auch der Nazis annehmen würde. Schließlich gehört der Mann zu den großen Aufbereitern von Filmgeschichte: Jeder seiner Filme ist so dicht mit Verweisen auf sein persönliches filmisches Universum gespickt, dass es zu den Lieblingsbeschäftigungen seiner Jünger und Fans gehört, diese möglichst minutiös und bis ins kleinste Detail zu verfolgen.

Welche Filme sich in Inglourious Basterds wiederfinden lassen werden, seinem neuesten Werk, das im August in Deutschland starten soll und dessen erster Trailer in der vergangenen Woche publik gemacht wurde, kann man jetzt natürlich noch nicht absehen; es werden aber wohl einige Streifen darunter sein, in denen reichlich Nazis ihr Leben lassen mussten.

Und schon allein weil Tarantino ein so unermüdlicher Wiederverwerter ist, macht es stutzig, dass Tobias Kniebe im vergangenen August, als das Drehbuch zu Inglourious Basterds im Internet aufgetaucht war, in der Süddeutschen Zeitung seinen Eindruck resümierte:

Hier trifft die Popkultur mit bisher nicht gekannter Wucht auf Nazideutschland und zugleich auf den Holocaust – und die Wirkung dieser Kollision ist noch kaum abzusehen.

Das ist ein zwar im Kern treffendes, aber doch etwas weitgreifendes Statement. Denn es ist ja nicht so, als habe die Popkultur kein andauerndes und reichlich wuchtiges Verhältnis zu Nazideutschland – wovon ja nicht zuletzt dieses Blog immerzu beredt Zeugnis ablegt. Speziell das Kino hat sich seit dem Ende der Nazidiktatur jener braunen Uniformen und Totenkopfabzeichen immer wieder gerne bedient, die so schön griffig als oft genug bedeutungsentleertes Zeichen für das absolut Böse, Bekämpfenswerte herhalten konnten. Ein paar Hakenkreuze zu zeigen ist allemal einfacher, als sich in die komplexen politischen Gemengelagen der Gegenwart zu vertiefen: Die Nazis, das sind wenigstens noch echte Bösewichter.

So verwundert es auch kaum, dass sich ein Gutteil jener Filme, in denen Adolf Hitler oder uniformierte Parteimitglieder auftreten, nicht unbedingt einer kritischen Auseinandersetzung mit der Geschichte widmen – obwohl es diese, mit unterschiedlichem Anspruch und Erfolg, natürlich auch gibt, vom Untergang über Levys Mein Führer bis hin zum gerade kontrovers verrissenen Vorleser.

Es gibt aber eben auch genug Filme wie Ilsa, She-Wolf of the SS, in denen all die Uniformen als willkommener Vorwand dienen, um Grausamkeiten auch sexueller Natur auf der Leinwand auszubreiten. Im Exploitationkino wie generell im etwas trashigeren Film ist der Nationalsozialismus mit all seinen Symbolen und Verbrechen seltenst mehr als austauschbare Kulisse – so auch in Quel maledetto treno blindato, jenem in den USA u.a. als The Inglorious Bastards gezeigte Aneinanderreihung von Szenen, auf den sich Tarantinos Film dem Namen nach bezieht.

Höhepunkt dieses Trashwerks von Regisseur Enzo G. Castellari, das von wenig Dramaturgie und keiner Schauspielkunst berührt wird, ist vermutlich die Szene, in der die Helden auf eine Gruppe nackt in einem See badender Blondinen treffen. Als diese die Amerikaner erkennen, entpuppen sie sich als stramme Nazisoldatinnen, die umgehend und unbekleidet, wie sie sind, mit Maschinenpistolen das Feuer eröffnen. Nichts verkauft Kinokarten besser als eine nackte Nationalsozialistin with a gun.

Wenn sich Tarantino treu bleibt, wird Inglourious Basterds, mit viel Blut und unverschämter Gewalt, Revue und Pastiche von allerlei Kriegsfilmen zugleich; schlimmstenfalls ergibt das just another Quentin Tarantino movie, bestenfalls werden wir wohl mindestens einiges darüber erfahren, wie die Popkultur sich des Nationalsozialismus bedient hat. Der Trailer nun deutet nicht nur darauf hin, dass wir womöglich ein Märchen zu sehen bekommen – “Once upon a time”, “Es war einmal” –, sondern auch, dass sich Tarantino ästhetisch in der Tat an klassischen Kriegsfilmen orientiert.

Dass natürlich auch das Kino hier eine Rolle spielen wird, weiß man, wenn man sich das Drehbuch zu Gemüte geführt hat. Und dass im Trailer Hitler selbst die Ankündigungen der Hauptfigur Aldo Raine mit einem Wutausbruch zu kommentieren scheint – was kann es Bess’res geben, als dass dem Führer das Drehbuch nicht gefällt?

* Rochus Wolff ist freier Journalist und Filmkritiker u.a. für critic.de.

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Kommentare (6)

  1. tarantino ist doch riefenstahl-fan, helge schneider so weit ich weiß NICHT, zumindest erwähnt er so was nicht, obwohl er um myriaden mal bessere filme gemacht hat als der mann mit dem „dunklen“ hintergrund bzw brille.
    bukowski hatte ein mussolini-portrait in seinem bungalow hängen und warum?? weil es tarantino zu seiner zeit noch nicht gegeben hat oder weil er es mochte seinen faschisten zu küssen?? es reicht doch statt des glatt gelecktem pseudol genre films, schon dogma vergessen??, doch erstmal das hier http://www.youtube.com/watch?v=iqIPOGIlKFI ODER??? statt dessen laufen verblödete studenten lieber in solche filme, zocken manhunt (hahaha-rockstars halali-spiel für pseudonerds) als realsatire und holen sich auf anti-ddr blogs einen runter und sind sich sich für die antifa dann doch zu fein. anders lässt sich nationalsozialismus der debilen abi-jugend ja nicht mehr erklären, wenn es nicht als buntes killbill-productplacement daherkommt.

  2. ja!…ich will diesen film…vorallem deshalb, das mir solche filme (in denen nazis sterben!!) mehr helfen die „geschichte“aufzuarbeiten ,als jahrelange therapien und anderes,…lasst uns/mir die unter dieser „regierung“gelitten hatten oder noch tun… und..den grossen teil der familie verloren hat(kindes-wegnahmen,folter und vergewaltigungen,unsinnige morde(viele verwandte verschwanden-ohne nachweisse in irgendwelchen lagern oder wurden an ort und stelle hingerichtet!!),—……danke, tarantino!!

  3. Pingback: Talent Copies - Genius Steals » Blog Archiv » New Tarantino Movie - with Nazis

  4. Pingback: Butt-kicking Babes » The Inglorious Bastards

  5. Er muss scheitern. Als Film. Ganz einfach deshalb, weil Babelsberg & Hollywood & Drittes Reich die Popkultur nicht nur erfunden haben, sondern bis heute prägen.

    „Everybody is wearing a uniform….“

    F.Z.

    Die „deutsche“ Version eines solchen Films würde ich eher bei „Steiner“ sehen. Boring.

  6. Wuuuuhuuuu! INGLOURIOUS BASTERDS ! Der Film wird spitze !

    Dieser Hitler… Nein, nein, nein, nein, nein, nein, nein!