Werben mit Hitler XVII: Der Höhepunkt der Ideenlosigkeit

von Daniel Erk

Der Dame im Poster geht es ganz offenbar wie Deutschland ’45: Sie wird, Pardon, von Adolf Hitler (“Deutschland ist meine Braut”) gefickt. Eine beinahe wirklich kongeniale Verbindung von “Sex sells” und Hitlervergleichsprovokation – wenn, ja wenn sowohl Hitler- als auch Sexwerbung nicht längst der Inbegriff der Ideenlosigkeit wären.

Die intendierte Geschmacklosigkeit und das erhoffte Schockmomentum sind hier ja gar nicht das Problem – diese Werbung ist nicht schockierend und wenn doch, dann bloß schockierend peinlich. Ist ja nicht so, dass hier völlig neue Dimensionen erreicht oder Verknüpfungen gebunden würden – immerhin gab es bereits zwei Werbekampagnen für Kondome mit Hitler (nämlich hier und hier).

Der Kino- und TV-Spot, der Radiospot (“Wollt ihr alle AIDS?”) und der, ja, Raptrack zur Kampagne (geht’s Ende eventuell bloß um A.I.D.S., also Sido und B-Tight?) sind natürlich ebenso billig wie banal (bald kann man auch sein eigenes Bild in das Video laden, toll!) – am Ende fragt man sich eigentlich nur, wie ausgerechnet der alte Mann mit dem seltsamen Bart eine derartige Frau in die Kiste bekommen konnte – ist sie Antisemitin? Faschistin? Ist sie, siehe oben, Deutschland? Oder hat sie bloß nach der achten Klasse die Schule für die Modelkarriere abgebrochen und weiß nicht, auf wen sie sich da eigentlich einlässt?

(Danke Friederike, danke Caro!/via)


31 Kommentare zu "Werben mit Hitler XVII: Der Höhepunkt der Ideenlosigkeit"

  1. Scheinbar hat der Autor des Artikels die Botschaft der Kampagne nicht ganz verstanden! Schade ! Sehr unkreativ !

  2. Bitte, Karin, was ist denn das für ein geistiger Dünnpfiff von Versuch, pesönlich beleidigend zu werden? Wie kann man bitte NICHT verstehen, was die Botschaft der Kampagne ist? Kann man diese Botschaft denn überhaupt noch banaler, langweiliger und verzweifelter inszenieren als in hiesigem Falle?

    Die Botschaft ist hier doch gar nicht das Thema. Sondern die unterirdisch dumme Umsetzung. Denn nein, der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel.

  3. schöner erster Satz.

  4. Also wenn die TAZ mit einem Hitlerblog Geld verdient (siehe geschaltete Werbung) , dann ist das ok/cool/intelligent.
    Wenn aber mit einer Aids-Kampagne eine größere Reichweite erzeugt wird, als es TAZ Leser gibt, dann ist das schlecht?

    Die Botschaft ist das Thema, nicht das unglaublich dumme geblogge drumrum.

  5. Pingback: Was zum Lesen – 4. September 2009 | Alviond

  6. Hallo Jan, liebe Leser im Allgemeinen!

    Aufgemerkt! Erstens halten sich die Gewinne aus der Hitlerbloggerei zumindest aus meiner Sicht absolut im Rahmen. Sie würden sich für das Geld den Aufwand sicherlich nicht machen. Das hier ist ein Hobby, kein Job.

    Zweitens. Es gibt einen Unterschied, ob man sich etwas zu eigen macht oder darüber reflektiert. Das ist der Unterschied. Die AIDS-Kampagne bedient sich der Faktoren Hitler und Sex und versucht sie für sich zu nutzen. Hier geht es um etwas anderes – nämlich sich anzuschauen, wie andere an den Hitlerfelsen zerschellen. Denn das tun sie fast immer, den das braune Wasser ist untief und es gibt kaum Wege in den Hitlergewässern, in denen man nicht Schiffbruch erleidet.

    Übrigens Jan: Es gibt bestimmt auch schlaue, aufmerksamkeitsstarke Wege auf die Gefahren von AIDS aufmerksam zu machen. Ich bin mir sicher: es geht auch ohne Hitler und Sex und sehr vermutlich sogar viel besser.

  7. also leute… nur provokante Dinge wirken und bleiben dann auch im Kopf hängen…

  8. Lieber Daniel,

    bis zu Ihrem neusten Kommentar schüttelte ich mein Köpfchen über die merkwürdigen Beiträge der Leser und (ja, ich muss es gestehen) bemitleidete den eifrigen Autoren ein wenig. Nun aber, mache ich eine Kehrtwende:
    1. Jetzt sind also die Leser im Allgemeinen unter Beschuss?
    2. “Aufgemerkt!” Wie bitte, bin ich Ihr Praktikant, oder was?
    3. Was fällt Ihnen ein, einem Leser zu unterstellen, dass er sich für ein bestimmtes Geld eine bestimmte Mühe nicht machen würde?
    4. Ihrem zweiten Absatz stimme ich zu, allerdings erleiden Sie hier grammatikalischen Schiffbruch – ein bisschen viele Metaphern, gell?
    5. D’accord, aber das Thema Sex wollen Sie doch nicht ernsthaft aus der AIDS-Werbung verbannen, oder?

    Herzlich grüßend,
    ein Erstleser.

  9. Ob Hitler Aids hat/ist oder er sich bei der Frau ansteckt – who cares? Hauptsache ein paar Tote weniger. Ihn zum Virus zu machen trifft allerdings schon wieder die Nähe seiner eigenen Ideologie.

  10. ja die botschaft ist klar, aber die umsetzung erinnert wie so oft an dieses gefasel von wegen bla das haben wir längst hinter uns …

    gleichzeitig sind die jungen generationen nicht in der lage zu reflektieren was das passiert ist. so ein naziismus wird nicht mehr ernst genommen sondern nur noch hingenommen wie ein nerviges klingeltonviech. das ist beschämend, aber vielleicht bin ich auch nicht up to date ha ha

  11. “am Ende fragt man sich eigentlich nur, wie ausgerechnet der alte Mann mit dem seltsamen Bart eine derartige Frau in die Kiste bekommen konnte – ist sie Antisemitin? Faschistin? Ist sie, siehe oben, Deutschland?”

    Du bist Deutschland ;)

  12. Mein erster Gedanken bei dem Bild war tatsächlich: Wieso sollte so eine Frau mit Hitler…? | Ziemlich komische Werbung.

  13. Über Geschmack lässt sich ja streiten. Ich finde die Kampagne (und auch die Umsetzung) gelungen.

  14. Dass dieser Hitler-(Stalin-/Hussein-)vergleich wirklich unnötig, dumm und an den Haaren herbei gezogen ist, kann man auch durch folgende Fragestellungen beweisen:
    1. Kann eine Krankheit überhaupt zum Mörder werden? Da Krankheiten Persönlichkeit und Bewusstsein fehlt, mit Sicherheit nicht.
    2. Kann ein die Krankheit auslösender HI-Virus zum Mörder werden? Auch nicht, siehe Punkt 1.
    3. Wenn Punkt 2. nicht zutrifft, müsste man sich Fragen: Hat das HI-Virus niedrige Beweggründe und den Willen, Leben zu vernichten? Auch nicht, denn im Grunde genommen kämpft das Virus nur ums Überleben. Dafür braucht es nunmal Energie aus Wirtszellen, um sich zu vermehren.
    4. Können dagegen Hitler/Stalin/Hussein zu Mördern werden? Sicher doch.
    5. Hat man als mögliches Opfer die Chance, relativ leicht einer Ermordung durch AIDS zu entgehen? Natürlich.
    6.Hatte man bei Hitler/Stalin/Hussein die Möglichkeit, relativ leicht einer Ermordung zu entgehen? Mit Sicherheit nicht.

    Fazit: Ich würde mich als HI-Virus von so einem Vergleich beleidigt fühlen und die Verantwortlichen verklagen, jawohl!

  15. Pingback: AIDS ist ein Massenmörder «

  16. Die Gruppe mit den meisten Neuinfektionen (junge homosexuelle Männer) hat durchweg positiv reagiert. timm.de oder gay pride z.b.
    Es ist so erschreckend, dass in der undurchdachten Hypothese (z.B. von K-Joe) angenommen wird, wie sich betroffene fühlen.
    Das sind die selben Personen die Kerzen für TsunamiOpfer anzünden, damit sie abends ohne Reue RTL schauen können.
    Und dann am besten “verklagen”…das is so primitiv, dass sich eigentlich jegliches Feedback zu dem coolen Film verbietet.
    Und ein Beweis ist was anderes als fadenscheinige Analogien, die von ganz tiefsitzendem Frust zeugen.
    Immerhin hat jeder Leser & Kommentator dem HITLER Blog ein paar AdSense Cents gebracht.

  17. Versteh’ ich alles nicht. Warum sollte Bruno Ganz nicht auch ein bisschen Sex haben dürfen?

  18. Hier wird ja nicht einmal Aids als Massenmörder hingestellt, sondern der Infizierte. So kommt das jedenfalls bei mir an, und es ist kein schöner Gedanke.

  19. Die AIDS-Kampagne des Regenbogen e.V. beschränkt sich nicht auf das eine Plakat mit Hitler.
    Es exisitiert auch eins mit Saddam und Stalin, einem Radio-Spot, einem TV und Kino-Video und einem Musik-Video.

    Schaust du hier:

    http://fareus.wordpress.com/2009/09/07/aids-ist-ein-massenmorder-2/

  20. Diese subtile Botschaft der Kampagne. So neu, so innovativ! Oh mein Gott, Nancy, das ist einfach unglaublich! Und wenn Sie jetzt anrufen, bekommen Sie nicht nur das Plakat, den Radiospot und den Raptrack, NEIN, Sie bekommen zusätzlich noch diesen formschönen Holzhammer, damit Sie sich diesen absolut brillanten Hitlervergleich Tag und Nacht einhämmern können!
    Rufen Sie jetzt an, wählen Sie 1-800-SCHNARCH und Sie… *zapp*

  21. Im Radio hört man auch J. Goebbels. Ich finde die Kampagne eigentlich recht interessant. Weitaus besser als die “Möhren ziehen sich Kondome an”-Spots: http://www.rumsabbeln.de/archives/4253

  22. Pingback: RADIO BOB! Adolf HIVtler

  23. Ich finde die Kampagne auch gelungen und kann den Autor des Artikels nur auslachen!

  24. Seit mal erlich, wenn man Hitler nicht genommen hätte würde doch jetzt kein Hahn danach krähen.
    Auserdem sind für mich Leute die Aids haben und ohne ausreichenden schutz durch die gegend vögeln auch massenmörder.
    Ich kenne jemanden dem ist es scheisegal ob er jemand infiziert.

  25. Man stelle sich folgende Szene in einer Werbeagentur vor:

    Chef: Ok, Brainstorming! Was ist Aids?
    Angestellte/r: Aids ist böse!
    Chef: Sehr gut! Was ist noch böse?
    Angestelle/r: Öhh … Osama Bin Laden!
    Chef: Schon gut, aber noch böser …
    Angestellte/r: Hmm … Hitler!!!
    Chef: Das ist es! Alles klar Leute, wir sind fertig.

  26. Daniel, kopier’ doch mal das Bild auf den taz.de-Server, damit es hier wieder erscheint.

  27. naja, um das bild willen kann man ja, wie auch ich hier, eine menge tippen. wichtiger aber ist, das wir die staatsform, deren fundament sich auf das grundgesetz stützt, erhalten und alles dafür tun, dass dies auch in jedem kopf platz findet, bevor man über nick-nacks diskutiert.
    bye

  28. Die neue Anti-Aids-Kampagne macht Schule:
    http://www.abload.de/img/still-trial-bush58f9.jpg

    schon wieder haarsträubende vergleiche.

  29. Ich finde den Werbespot gut.
    Zuerst macht er an, denn die Frau da drin ist schon äußerlich lecker und dann noch schnitt, nackte Haut usw.
    Und dann Hitlers Gesicht.
    Es wirkt irgendwie mit Verzögerung.

    Sehr gut. Warum allein das Benutzen Hitlers das Kampagnenschiff zum Kentern gebracht haben sollte, erschließt sich mir nicht.
    Natürlich habe auch ich die Frage: Was macht DIE mit so ner hässlichen Hackfresse? Würde man jedem Infizierten seine Krankheit so ansehen, dann würde sich die Krankheit kaum so rasant weiter ausbreiten.

    Aber dann hätte man eben auch ein plötzlich zerfallendes Gesicht zeigen müssen, um den Tod/Untergang darzustellen. Andererseits wäre das wieder dem bereits an Aids- Erkrankten im Endstadium nahe gekommen. Das hätten diese wiederum nicht gerade witzig gefunden.

    So nimmt man eben Hitler als allgemein anerkannte Projektionsfläche für alles Böse her.

  30. Ehrlich gesagt weiß ich nicht ob eine Aids-Kampagne so kontrovers sein muss – ich finde Aids-Kampagnen müssen informieren über die Möglichkeiten des Schutzes, über die Existenz bzw. das die Infizierung des HIV Virus tödlich ist wird umfangreich im Sexual bzw. Biologieunterricht erklärt..

    Ich finde die Kondom Plakate mit den verschiedenen Obst deutlich besser und Zweckmäßiger.

Kommentar Schreiben

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*