Angriff, Stürmer, Spielführer
von Daniel ErkDie Engländer bzw. deren Boulevardpresse liebt Umfragen, denen zu Folge die Engländer bzw. deren Kinder keine Ahnung von Geschichte, speziell von der Geschichte Deutschlands und da ganz besonders der Zeit des Dritten Reichs haben.
Schon 2004 geisterte eine Meldung durch die Gazetten (und so auch durch die FAZ), nach der die britische Zeitung „The Independent“ 2096 Briten ab 16 Jahren befragt und so herausgefunden habe, dass “elf Prozent aller Briten […] Adolf Hitler für eine Erfindung [halten]. Dagegen sind 57 Prozent davon überzeugt, dass die englische Sagengestalt König Artus wirklich gelebt hat.”
Und nun sollen, laut der immer unzuverlässigen Klatschpresse “The Sun”, 5 Prozent der jungen Briten glauben, Adolf Hitler sei ein Fußballtrainer gewesen. Wenn man den Zahlen glauben darf, dann wurden 2.000 Schulkinder befragt.
Wenn davon 5 Prozent (“one in twenty”) die Antwort “Fußballtrainer” angegeben hat, dann wären das summa summarum 100 Schüler ingsgesamt. Und auch wenn man ein gerüttelt Maß an Dummheit voraussetzt, ist es unwahrscheinlich, dass ganze hundert Schüler von sich aus diese Antwort aufgeschrieben haben. Wahrscheinlicher scheint da, dass es sich bei der Befragung um einen Multiple-Choice-Test handelte, bei dem “Fußballtrainer” einer der möglichen Antworten war.
Und nun Hands auf Herz: Wieviele von Ihnen hätten als 15-Jährige aus Jux und Provokation diese Antwort angekreuzt, wenn sie zur Auswahl gestanden hätte und sei es nur, weil allein diese Möglichkeit zu dumm, zu beleidigend und zu bizarr erscheint, als dass man sie unangekreuzt hätte vorbeiziehen lassen können?
Und so bekommen eben alles, was sie brauchen: Die Schüler ihren Spaß, die Presse ihren Skandal. Und was haben wir gelernt: nichts. Denn jenes Churchill zugeschriebene Zitat, das kannten ja alle schon.

Kommentar schreiben
Yep, in der Tat war das eine Multiple Choice Umfrage. Die teilweise ganz amüsanten aber natürlich keinesfalls ernstzunehmenden Ergbnisse sind hier zu finden (PDF).
Die Methodologie ist aber auch hinsichtlich des Querschnitts der Befragten etwas fragwürdig. Die SchülerInnen waren 9-15 Jahre alt. Das reicht also von Kindern, die wahrscheinlich noch sehr geringen Kontakt mit ernsthaftem Geschichtsunterricht hatten bis zu hin Jugendlichen, die solche Fragen eigentlich beantworten können sollten. Wäre naürlich schön, wenn die Ergebnisse zumindest dann nach Alter segmentiert wären, aber was will man erwarten – schließlich scheint die Umfrage sowieso nur ein PR-trächtiges Mittel für die Veteranenorganisation Erkine zu sein, um ihr neues Schulkooperationsprogramm vorzustellen. Wissenschaftlich fundiert ist das ganze jedenfalls nicht.
Vielen herzlichen Dank für die erhellende Antwort – das ist tatsächlich sehr überzeugend, was Sie schreiben.
Ich bin gerade echt ein wenig verwirrt, warum mir dieses Blog erst so spät auffällt, denn ich muss mal sagen, dass es zum einen mehr als ineterssant ist, wie die welt dieses Trauma bis heute zu verarbeiten versucht und wundere mich, dass es nicht zum zwingend erforderlichen Einsatz im Geschichtsunterricht kommt. Wenn der Mythos Hitler erstmal zerstört ist, bekommt das land vielleicht ja mal wieder sowas wie eine Identität.