Der Zweite Weltkrieg? Eine miese SciFi-Serie!

Dieser Text ist so ungefähr das Lustigste, was ich in langer Zeit zum Dritten Reich, zum Holocaust und zum Zweiten Weltkrieg gelesen habe (bzw., um die Kritik gleich abzuschmettern, es ist eine besonders gewitzte Parodie des Umgangs mit dem Dritten Reich. Gelacht wird über uns – nicht über die Opfer des Holocaust).

Ein Scott, offenbar SciFi-Fan, schreibt das auf, was ihn an den Zweiter-Weltkrieg-Filmen im History Channel stört: Die Protagonisten sind total eindimensional, die Geschichte macht wirre Wendungen und ist überhaupt total unglaubwürdig und schlecht erfunden:

Let’s start with the bad guys. Battalions of stormtroopers dressed in all black, check. Secret police, check. Determination to brutally kill everyone who doesn’t look like them, check. Leader with a tiny villain mustache and a tendency to go into apopleptic rage when he doesn’t get his way, check. All this from a country that was ordinary, believable, and dare I say it sometimes even sympathetic in previous seasons.

I wouldn’t even mind the lack of originality if they weren’t so heavy-handed about it. Apparently we’re supposed to believe that in the middle of the war the Germans attacked their allies the Russians, starting an unwinnable conflict on two fronts, just to show how sneaky and untrustworthy they could be? And that they diverted all their resources to use in making ever bigger and scarier death camps, even in the middle of a huge war? Real people just aren’t that evil. And that’s not even counting the part where as soon as the plot requires it, they instantly forget about all the racism nonsense and become best buddies with the definitely non-Aryan Japanese. (…)

I’m not even going to get into the whole subplot about breaking a secret code (cleverly named “Enigma”, because the writers couldn’t spend more than two seconds thinking up a name for an enigmatic code), the giant superintelligent computer called Colossus (despite this being years before the transistor was even invented), the Soviet strongman whose name means “Man of Steel” in Russian (seriously, between calling the strongman “Man of Steel” and the Frenchman “de Gaulle”, whoever came up with the names for this thing ought to be shot)(hier der gesamte Text)

Wie immer kann man das empört falsch, gemein und geschmacklos finden – oder kurz nachdenken, worum es eigentlich geht. Ja, gute Frage, worum geht es eigentlich? Einerseits darum, wie sehr das Dritte Reich mit seinen Insignien, seinem Völkermord und dem Zweiten Weltkrige das Genre des Science-Fiction-Kriegsfilm geprägt hat. Dann aber auch, wie sehr man sich an diese Erzählungen gewöhnt hat, Gut gegen Böse, Welteroberung, wirre Diktatoren, schwarze Uniformen, Wunderwaffen. Und letztlich, dass die Wahrheit oft so absurd und bescheuert ist, dass SciFi niemals Schritt halten wird.

Vor allem der zweite Punkt scheint mir verblüffend: Könnte es sein, dass wenn nicht die Mehrzahl, dann zumindest eine große Zahl an SciFi-Geschichten Variationen der Geschichte Nazideutschlands und Hitlers sind? Und wenn das zumindest in Ansätzen stimmt, was macht das dann mit der Wahrnehmung des Dritten Reiches? Gibt es diese Menschen schon, die SciFi nicht mehr von Historie unterscheiden können?

Ja.

(Danke, Giles!)

Kommentare (2)

  1. Letztendlich ist der History Channel doch nichts anderes als eine Marketing Maschine. Er hat die Aufgabe die Superioritaet der USA, hauptsaechlich den eigenen Buergern, immer wieder in die Koepfe zu haemmern. Um dieses Ueberlegenheitsgefuehl (-anspruch) auf Niveau zu halten sind dann immer wieder neue Folgen notwendig. Es ist doch klar, dass zunaechst das “Boese” mit seinen Qualitaeten gelobt wird. Man gibt sich einen objektiven Anstrich und setzt damit die Messlatte hoch. Gluecklicherweise haben wir ja den Krieg gewonnen, das Boese besiegt, also sind wir noch besser. Das ist die angelsaechsisch-subtile Version der arischen Ueberlegenheitstheorie und unterscheidet sich praktisch nicht von dem was Goebbels und Konsorten von sich gaben. Leider fallen (wieder) zu viele Menschen auf diese Art von Faschismus rein.

  2. Ich denke es geht vielmehr darum, wie der “Erzählstil” im History Channel (in unseren Breiten wäre das Aequivalent wohl Guido Knopp) sich so präsentiert. Nämlich als schlechte Entertainment/SciFi-show.

    Dass (um Beispiele aus dem Text zu nennen) e.g. Japan über mehrere ‘Episoden’ zur unbesiegbaren Supermacht aufgebauscht wird, die unwahrscheinliche Bosheit der Nazis bis ins letzte ausgeschöpft wird, die stilisierung von Churchill zum Helden Europas… Je nach dem wo man hinschaut auch die ‘Supertechnologie’ der Nazis.

    Generell die Darstellung als der Kampf des ultimativ (und technologisch überlegenen!) Bösen gegen das ultimativ Gute, das durch pure Heldenhaftigkeit (Belagerung von Bastogne). Natürlich gewinnt das Gute am Ende. Und Chruchill kriegt das Mädchen. Oder so.