“Eine Weile Hitler sein, das hat was”

In Prag ist, wie der RBB berichtet, derzeit ein Theaterstück zu sehen, indem Adolf Hitler gleich fünfmal in unterschiedlichen Nuancen parodiert wird – mal als Rentner in Rio, mal als Aufreißer, mal als alternder Spießbürger. Die Witze sind eher absehba, Eva Braun etwa darf sagen: “Dort hast du doch irgendein Ferienlager oder Kurort. Es muss so schön sein! Natur, ein Birkenhein, deswegen heißt es doch Brzezinka? Birkenau?”

Doch das Stück ist offenbar ein großer Publikumserfolg – und nicht nur das, auch die Schauspieler haben einige, nun, interessante Sachen zu sagen in Sachen Hitler. Zum Beispiel die Hitler-Darstellerin Magdalena Zimová:

“Es freut mich, dass es wieder so ein Erfolg war! So! Schnurrbart weg, Hitler weg. Wunderbar! Obwohl: eine kleine Weile Hitler zu sein, das hat was!”

Oder Miroslav Hanuš, ein weiterer der fünf Hitler-Darsteller:

“Es ist ziemlich einfach, Hitler zu sein. Seine Welt ist Schwarz-weiß. Mich selbst zu spielen wäre schwieriger!”

Das ist natürlich großer Unfug. Weder ist Hitlers Welt schwarzweiß, noch ist die Vorstellung, ein krakeeliger, wirrer deutscher Diktator zu sein bei klarem Verstand erstrebenswert. Vielmehr offenbart sich an dem Unsinn, den die Schauspieler von sich geben, wie akzeptiert diese Karikatur von Adolf Hitler ist, die seit geraumer Zeit durch die Populärkultur geistert.

Der Regisseur, Jan Borna, aber, der hat mehr Distanz, mehr Überblick und eine einleuchtendere Haltung:

“Man kann diese Epoche nicht lächerlich machen, aber mit Hilfe von Humor kann man die Perversion und Dummheit der Sache entlarven. Hitler auszulachen wirkt wie eine Therapie!”

(Danke, flolocomon)

Kommentare (3)

  1. Dieses Theaterstück würde ich mir auch gerne mal ansehen. Ich gehe oft ins Theater, aber in der letzten Zeit konnte mich leider nur wenig überzeugen. Schade, dass das Stück nicht bei mir aufgeführt wird…

  2. Guter Beitrag. Die aufklärenden Worte über Hitlers Farbschema waren richtig und wichtig.
    Die gelungene, eloquente Richtigstellung, dass der Wunsch nach der temporären Identität insbesondere eines “wirren deutschen” Diktators sich für Normalintelligente nicht gehört, hat mich geradezu wachgerüttelt.
    Ihr humorvoller und doch in der Sache seriöser Stil machen Ihren Blog zu einer Bereicherung!

  3. Hitler sein: bei klarem Verstand nicht erstrebenswert, aber als Spiel für eine kleine Weile hat es was. Das ist – glaubich – für all jene kein Unfug, die schon mal im Sportunterricht ausgelacht wurden und/oder sich ihre niederen Instinkte eingestehen. Zumal sie im Theater ja nur so tun als ob.