Holocaust©

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Die Ausstellung “Mirroring Evil: Nazi Imagery/Recent Art” im Jüdischen Museum in New York im Jahr 2002 war in vieler Hinsicht ein Novum: Zum ersten Mal wurde Kunst, die sich inhaltlich und ästhetisch mit dem Dritten Reich auseinandersetzte, ohne tatsächlich einen historischen oder politischen Anspruch zu erheben, ausgestellt – und das ohne alle Berührungsängst bzw. vielmehr mit dem entschiedenen Willen zur Provokation.

Eines der dort ausgestellten Werke war Tom Sachs Arbeit “Prada Death Camp” – ein aus einer Prada-Hutbox gebautes Model eines KZs, das zudem auch noch Ähnlichkeiten mit einem “Mensch-ärgere-dich-nicht”-Spiel aufwies.

In einem Interview mit dem Kunstmagazin der Deutschen Bank, “db artmag”, erklärte der Kurator der Ausstellung, Norman Kleeblatt, was er von den Vorwürfen, der Holocaust werde so banalisiert, hielt:

Die Verschmelzung von zwei Symbolen, zwischen denen überhaupt kein Zusammenhang besteht, ist typisch für Tom; er nimmt einen eleganten, ästhetisch reizvollen Gegenstand und pfropft ihn einer völlig abstoßenden Sache auf. Er konfrontiert uns so mit der Welt, in der wir uns Tag für Tag bewegen.

Und über den Symbolgehalt:

Die Verschmelzung von Populärkultur und Holocaust ist bestimmt ein schwer verdaulicher Brocken, was auch die Reaktionen auf andere Arbeiten in der Ausstellung bewiesen, die auf die Populärkultur zurückgriffen; bei Tom Sachs war es die Verpackung eines Luxusartikels, in Alan Schechters Fall das Diet Coke, alles Dinge, die den Holocaust in greifbare Nähe rückten, denn es handelte sich dabei um Bilder, die uns allen geläufig sind.

Das kann man so sehen, aber womöglich hat das “Prada Death Camp” noch eine andere Dimension: Nämlich die Kritik an der Vereinfachung, am eindimensionalen Symbolismus und wie man es sich zwischen den Symbolen bequem eingerichtet hat – da Gut, da Böse, keine weiteren Fragen. Oder eben doch.

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