Ohne Hitler

Regelmäßige Leser dieses Blogs haben es vermutlich schon geahnt: So wie Hitler Geschichte ist, ist es nun auch das Hitlerblog.
In anderen Worten: So wenig Hitlerblog war selten. Schluss, aus.

Dieses Ende hat einen sehr einfachen Grund: ich mag nicht mehr. Deutlicher formuliert: Ich kann diesen Hitlerscheiß, ob ernst oder lustig gemeint, nicht mehr sehen, ich ertrage all den Schwachsinn und Unsinn, all den halbgaren Humor, die schlechten Versatzstücke und dummen Argumentationsversuche nicht mehr.

Das hat natürlich sehr viel damit zu tun, dass ich sechs geschlagene Jahre mit diesem Unfug verbracht habe, aber natürlich auch mit dem Buch, der Buchrecherche und all dem, das mir den Rest gegeben hat. Erst dachte ich, es wäre schlicht ein akuter Hitleroverkill. Nun stelle ich fest: ich bin dauerhaft allergisch gegen den Schrott. Und das merke nicht nur ich, sondern auch die geschätzen Leser.

Ein eher enttäuschter Leser – Mike aus Leipzig – schrieb in einer nicht sonderlich wohlwollenden Kritik auf Amazon zum Buch etwa: „Ich bin schon lange ein treuer Leser vom Hitlerblog, allerdings habe ich es bisher immer nur gelesen um so richtig herzhaft lachen zu können, was in vielen Fällen durchaus möglich ist. Was ich noch nie verstanden habe ist die verklemmte Haltung des Autors der nun dieses Buch geschrieben hat.“

Mike aus Leipzig hat zweifellos Recht: als Kassenwart der Hitlerwitzelei tauge ich tatsächlich nicht sonderlich. Ob das nun, wie Mike aus Leipzig mutmaßt, daran liegt, dass ich in Stuttgart geboren wurde oder einfach an unterschiedlichen Geschmäckern und Interessen, das sei dahingestellt, Wahr ist jedenfalls außerdem: ich habe das Hitlerblog nämlich nicht vornehmlich deshalb begonnen, weil ich das – wie der enttäuschte Leser Mike aus Leipzig („Ein Bild von einem Penis-Hitler? Was könnte es witzigeres geben!“) von sich selbst behaupten kann – „das alles so super lustig“ finde. Denn es geht ja, wie im immer wieder zitierten Gedicht von Rolf Dieter Brinkmann ja tatsächlich „immer auf die selbe Stelle“. Auch deshalb “schnalle ich ab”.

Wem ich an dieser Stelle allen inhaltlichen Differenzen zum Trotz Respekt zollen muss: Henryk M. Broder. Dieser tapfere Mann gibt sich den deutschen Hitler-Zirkus seit mehr als 30 Jahren – immer die selben doofen Witze, immer die selben schalen Argumente. Ich würde darüber zynisch oder irr werden (err … wait!). Auch deshalb muss das Hitlerblog geschlossen werden.

Natürlich war dieses Blog eine Zeit lang sehr interessant. Und so ein Lead-Award und so ein Buch sind hübsche Dinge im Erfahrungsschatz. Aber gelohnt hat sich das alles nicht, falls es Sie beruhigt. Hätte ich in der Zeit, in der ich das Blog gegen eine Aufwandsentschädigung betrieben habe oder das Buch, das sich ja leider auch nicht wie geschnitten Brot verkauft hat, einfach gegen Geld gearbeitet, könnte ich nach diesen sechs Jahren nun eine schöne, mehrwöchige Reise machen.

Noch mehr als das aber ist es so: die Hitlerei langweilt mich wahnsinnig. Es ist ja nicht so, dass die Hitler-Scherze („Ein Bild von einem Penis-Hitler? Was könnte es witzigeres geben!“) über die Jahre ausgefeilter, besser, treffender geworden wären. Wenn überhaupt eine Veränderung zu verzeichnen ist, dann wird es tatsächlich immer banaler, blöder, billiger. Was ja auch irgendwie logisch ist, weil sich eben jeder Hinz und Kunzberufen fühlt, seinen Senf zu Hitler hinzu zu geben. Und nun stellen Sie sich kurz vor: Sie sind der Hitler-Scherz-Beauftragte des Internets und bekommen jeden Tag, jede Woche jeden auffindbaren Hitlergag mehrfach zugeschickt und sollen sich dazu ehrenamtlich äußern. Dagegen erscheint mir selbst der spontan erfundene Beruf des staatlichen Klopapierkontrolleurs (Fachgebiet: benutztes Papier) attraktiv.

Mein Dank für die interessanten Vorschläge und Themen gilt vielen, vielen Lesern, die mir über die Jahre das Material geschickt haben, aus dem das Hitlerblog letztlich ist. Und mein Dank gilt Mathias Broeckers bei der taz, der mir inhaltlich stets komplett freie Hand gelassen hat, aber dennoch immer zur Seite stand – auch dann, wenn es juristisch von Nöten war.

Als ich das Hitlerblog begann, war es eine absurde Idee, ein unausgegorenes Interesse und ich hatte keine Ahnung, dass ich damit eine Pandorasbüchse geöffnet hatte. Wie es solche Kisten auf sich haben, wir das Thema das Hitlerblogs niemals endgültig behandelt, eingeordnet, sortiert und abschließend bewertet sein. Nur Hitler, he goes on and on and on.

Und daher gibt es nur einen Weg, diese Hitler-Pandora-Sache zu stoppen: mit Schmackes. Das war also das – danke & adieu.

 

Für die Statistik:
6 Jahre – 765 Artikel – 3395 Kommentare

(Bildquelle)

Kommentare (18)

  1. Hitler’s Children Documentary Is a story about the descendants of Hitler’s Generals. Thank you.

  2. Nix da, der Hitler-Blog muss weitergehen!
    Den Blog jetzt einzustellen, wäre (um es mal im passenden Fascho-Ton zu sagen) “Verrat der Blog-Kameraden” und “Feigheit vor dem Feind”. Wenn Herr Erk das Feld anderen überlässt, müssen wir uns z.b. über sowas beim NDR belustigen lassen: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3/videos/extra4667.html

    Da ist mir doch der Hitler-Blog hier lieber.

  3. Irgendwann ist halt alles gesagt oder geschrieben zu einem Thema. Danke für viele interessante Einblicke und die große Aufmerksamkeit Aller, die zum guten Gelingen beitrugen.

    Aber lass nicht nach und schreibe weiter- auch andere Theman können Deine Hilfe gebrauchen. Was ist mit Idi Amin, Stalin oder den aktuellen Kriegstreibern?

  4. Schade, aber was soll man da sagen außer: Danke für die Jahre und viel Erfolg bei anderen Sachen!

  5. Schade. Doch kann ich die Entscheidung nachvollziehen. Danke, Daniel Erk …

  6. Der kleine Mann mit dem kleinen Bart ist noch lang nicht tot. danke

  7. Wenn das der Führer wüsste!

  8. Danke für alles – ich fand den Blog immer spannend und interessant!

  9. Aber danke für das Blog, Danke für das Errtragen und Danke für das Präsentieren.

    Es wird aber auch wirklich Zeit.

    Hitler, Hitler, Hitler, Penis!

  10. Danke.
    Ich habe das Blog immer gern gelesen und hatte oft das Gefühl das da jemand ähnlich auf die Absurditäten, Meta- und Quadrat-Meta-Witzeleien mit olle Addi blickt wie ich. Aber ich kann auch sehr gut verstehen, dass sowas irgendwann höchst redundant werden- und deswegen nerven kann.

    Ich bin gespannt auf Dein nächstes Interessengebiet. Weitermachen! Mit etwas Anderem.

  11. Pingback: Das Hitlerblog endet | Schmalenstroer.net

  12. Danke schön!

    Für das, was Hitler heute noch mit uns macht, gibt es keine Strafe. Das ist historisches Unrecht auf einer ganz eigenen Ebene. Für das normale historische Unrecht vgl. hier: http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/literatur/wie-laesst-sich-historisches-unrecht-begreifen-und-beurteilen-1.17682922

    Aber was wir mit Hitler machen sollen, wenn es den Hitler-Blog nicht mehr gibt?

    Alles Gute!

  13. Prima. War eh eine komplett lächerliche Sache und lediglich Ventil eines mit der Gegenwart und Vergangenheit völlig überforderten Journalisten.

  14. “Dagegen erscheint mir selbst der spontan erfundene Beruf des staatlichen Klopapierkontrolleurs (Fachgebiet: benutztes Papier) attraktiv.”

    Auf bestimmte Art und Weise genutzte Rollenabschnitte könnten wiederum einen Hitler abbilden.

    Der Teufelskreis dreht sich weiter…

  15. Toll 4,4 Kommentare pro Artikel – ich hätte es schon lange sein lassen.

    Vielmehr erst gar nicht angefangen mit A.H. Geld zu verdienen.

  16. Danke trotzdem. Hat mir beim Lesen (früher tatsächlich mehr als kürzlich) immer wieder Freude bereitet.

    Kannste ja jetzt was vernünftiges machen …