Archive for the ‘Fingerspitzengefühl’ Category

27.01.2012 von Daniel Erk
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Schettino, Auschwitz, Herrenmenschen

von Daniel Erk

Ich bin nun wirklich kein Experte für italienische Medien, aber wenn mich nicht alles trügt, dann ist die einst von Berlusconi persönlich verlegte Zeitung “Il Giornale” im groben das, was für Deutschland die “Bild-Zeitung” ist: ein rechtes, aufgeregtes Kampfblatt ohne Anstand und Stil.

Vielleicht hätte es mich daher also auch nicht so sehr überraschen oder fast schockieren sollen, dass so ein Blatt am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ein solches Titelblatt wagt:

Das heißt übersetzt: “Für uns Schettino, für sie Auschwitz” und zieht im zugehörigen Artikel (auf Italienisch, natürlich) sehr explizit einen direkten Vergleich zwischen dem Schiffsunglück und dem Vernichtungslager, hetzt gegen den “Spiegel” und seinen – übrigens deutsch-italienischen – Chefredakteur Georg Mascolo und ruft schließlich zur wütenden Beschwerde auf des Spiegels Facebook-Seite auf (mit irren, wirren, wütenden und oftmals rassistischen Auslassungen der Giornale-Leser).

Man muss bei all dem Bedenken,… weiter lesen

24.01.2012 von Daniel Erk
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Die Adolf Horror Monster Show

von Daniel Erk
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Der Einleitungstext sagt alles, alles, alles über diese wunderbare Parodie:

“Wenn Guido Knopp seinen Schnittraum betritt, kreiert er aus alten Nazifilm-Rollen superhumane Übermenschen wie Hitler (und Hitlers Helfer). Die neuste frankensteinsche Kreation: DSCHODIE, die Bestie! Diese HisStory – Dokumentation thematisiert den dramatischen Auf- und Abstieg des selbsterklärten Hitler-Nachfolgers Dschodie in Nachkriegsdeutschland. Patrick Gregor Braun und Anne Lena Mattigk zeigen: auch ein privater Urlaubsfilm kann das Format einer historischen Machtergreifung bekommen.”

Wenn das Ernstgemeinte derart absurd ist, hilft nur noch mehr Absurdität. Irgendwann muss die Schmerzgrenze ja kommen. Also auf geht’s.

12.01.2012 von Daniel Erk
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Der geht mir auf den Sack

von Daniel Erk

Hitler, ein Dicktator? Ein neuer Tumblr zeigt jedenfalls Bilder von Diktatoren, deren Köpfe durch die Eichel eines Penis’ ersetzt wurden. Natürlich auch Hitler. Warum? Weil Diktatoren erst ihren Mann stehen, dann aber meist erschöpft zusammensacken? Weil sie nicht so hart und stramm sind, wie sie tun? Ich weiß es nicht. Und finde das alles unfassbar bescheuert.

Weil aber Intertextualität nie aufhört und keine Grenzen kennt, ist die Quelle des Ursprungsbildes auch noch sehr absurd: es handelt sich um ein Werbeplakat eines italienischen Modeherstellers namens “Duce”, der vor einigen Jahren mit einem schrill geschminkten Hitler in rosa Uniform warb.

07.01.2012 von Daniel Erk
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Lass ihn raus, den Hitler in dir

von Daniel Erk

Aufmerksamkeit lässt sich selten so billig kriegen wie mit Hitler – und mit Sex. Beide sind schnell bei der Hand, provozieren und polarisieren, sorgen demzufolge für viel Wirbel, stellen aber zugleich dermaßen abgeschmackte, untaugliche und auch fahrlässige Zutaten dar, dass von einer Kampagne letztlich vor allem die Geschmacklosigkeit und das fehlende Feingefühl in Erinnerung bleiben. Werbung mit Hitler, können sich das bitte alle Kreativen der Welt notieren, ist ein No-no.

Der Copyranter (der Name ist erfreulicherweise Programm) schreibt zum selben Thema:

Besides Tits, Der Führer may be the most over- and misused creative linchpin in advertising today. Very few of these make a lick of sense.

Und tatsächlich: alles, alle Beispiele sind bescheuert. Einen Großteil wird auch im Buch besprochen – aber natürlich nicht alle. Allein deshalb, weil der Strom der Hitlers unaufhörlich fließt. Und fließt. Und fließt.

(Danke, Drikkes!)

 

UPDATE.

Oh. Weh. Aua, aua,weiter lesen

03.01.2012 von Daniel Erk
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Das Problem mit Schindlers Liste

von Daniel Erk

Was meinen Sie: Ist Schindlers Liste ein guter Film? Ja – weil er die Grausamkeiten der Holocausts personalisiert, verständlich macht und so erzählt, dass man die Schrecken auch dann spürt, wenn man sich nicht besonders für Geschichte interessiert? Oder eher nicht, weil er banal und zu schlicht ist, weil er ausgerechnet einen gerechten, guten Deutschen zeigt statt die Mörder, weil es auf die Tränendrüsen drückt, wo Klarheit und Wissen von Nöten wäre? Und außerdem im Grunde gar nicht die Geschichte des Holocausts erzählt, sondern eine Geschichte von geretteten Juden? Sie sehen: in der Frage steckt im Grunde alles, was das Thema Aufarbeitung durch die Populärkultur so schwierig, aber auch interessant macht.

Das amerikanisch-jüdische Magazin Tablet, nach eigener Aussage “A New Read on Jewish Life”, ist insgesamt nicht ganz entschieden, was Schindlers Liste angeht: Einerseits wählte das Magazin Spielbergs Film unter die “100 besten jüdischen Filme” (was auch schon nach… weiter lesen

17.12.2011 von Daniel Erk
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Der Zweck – HEIL! – alle Mittel?

von Daniel Erk

Alle Welt regt sich auf, wenn in einem Film Hitler in humoristischer Weise dargestellt wird – wenn aber das Dritte Reich bzw. seine Opfer als schale, billige Begründung für wirtschaftliche Interessen benutzt werden, dann ist das scheinbar total okay.

Beispielsweise wenn der Berliner DJ Stefan Goldmann in einem Interview zum Urheberrecht im Internet in der taz in wenigen Sätzen das Urheberrecht mit einer phantasierten Mischung aus Nazi-Texten und Musiker jüdischer Komponisten verteidigt. Goldmann sagt da:

Mich stört, dass immer nur über Geld und Verbreitung geredet wird. Die anderen Rechte am Werk sind letztlich viel wichtiger. Bis 2015 werden etwa die Werke jüdischer Künstler, die in den KZ ermordet wurden, gemeinfrei. Sollen jetzt Nazitexte mit deren Musik unterlegt werden dürfen? Gemeinfreiheit bedeutet ja zuallererst die Ermöglichung unkontrollierter kommerzieller Nutzungen. Für vergessene Musiker mag das ein Segen sein. Aber weshalb es jeder akzeptieren soll, dass mit seinen Liedern Erdbeerjoghurt oder

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02.12.2011 von Daniel Erk
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Nazis doof!

von Daniel Erk

Man muss Zweifel daran haben, ob es wirklich hilfreich ist, Neonazis und andere Faschisten einfach als doof, etwas dümmlich und beschränkt zu bezeichnen. So harmlos, unfähig und blöde, wie sich das der oberflächliche Antifaschismus wünscht, sind Neonazis eben oft nicht – was die Anschläge in der Kölner Keupstraße und auf die neun feigen Morden an zugezogenen Geschäftsleuten ja eindringlich belegt haben.

Aber immer als Parodie auf den unsäglichen “Ohne dich … alles doof”-Kitsch funktioniert der Scherz.

23.10.2011 von Daniel Erk
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Die Kittlerjugend

von Daniel Erk

Der eben verstorbene Medientheoretiker Friedrich Kittler war offenbar ein Mann von Charisma. Einer mit Verve zudem, also jemand, der junge Studenten mit ebenso ungewöhnlichen wie überzeugenden Argumenten in seinen Bann ziehen konnte.

Aber rechtfertigt das dies?

1. Ein solch affirmatives Vorgehen hat Kulturhistorikern wie Steininger die aus der herzlichen Bösartigkeit konkurrierender Forscher herrührende Bezeichnung “Kittler-Jugend” [sic!] verschafft. (Quelle: taz)

2. “Die Fackel der Theorie haben Sie schon weitergereicht. Sie haben namhafte Schüler wie Norbert Bolz hervorgebracht, man spricht sogar von der ‘Kittlerjugend’.” (Quelle: Welt am Sonntag)

Ganz im Ernst: Ist das der respektlose Humor während der späten Jahre der Spontis und der frühen Jahre der Titanic? Ist da was dran? Ist das lustig? Oder ist möglicherweise eigentlich verharmlosende Präzedenzfall der Hitler-Analogie – weil im Umkehrschluss die Hitlerjugend halt auch nicht mehr war als die Gefolgschaft eines charismatischen Denkers?

21.10.2011 von Daniel Erk
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Die Endkloϟung

von Daniel Erk

Ach, Miroslav. Dass Latio Rom ein Verein ist, der viele, viele Faschisten als Fans hat, das weiß man doch. Dass die sich über einen deutschen Natioanlspieler bzw. dessen Tore freuen – geschenkt. Und dass die überdies, siehe oben, die Erster-Weltkriegs-Losung “Gott mit uns” mit deinem Nachnamen und einer ϟiegrune kombinieren und im Stadion hochhalten. Das darf dich doch weder überraschen noch wütend machen.

Aber was macht der Miro Klose? Statt klipp und klar zu sagen, dass Faschismus ein Verbrechen ist und das für dich, als Sohn von Polen, eine schmerzhafte Beleidigung und Respektlosigkeit ist, sagst du: Politik gehört nicht ins Stadion. *kotz*

20.10.2011 von Daniel Erk
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Sein Bauch gehört ihm

von Daniel Erk


Hitler! Schwanger! Mit einem Furz! Na hoppla, da habt das chinesische Theater aber einen fabelhaften Einfall gehabt, wie man in der FAZ nachlesen kann:

Hitler als Taichi-praktizierender chinesischer Rentner mit dem Vogelkäfig an der Hand, Hitler beim Rock ’n’ Roll mit Eva Braun, Hitler schwanger: All das ist im Pekinger „Pionier-Theater des Ostens“ unweit der zentralen Einkaufsmeile Wangfujing zu sehen, aufgeführt von Meng Jinghui, einem der bekanntesten Bühnenregisseure Chinas. Doch zur Annahme, dass Peking jetzt die Berliner Volksbühne in punkto subversivem Trash womöglich überholt, besteht kein Anlass. Hitler kommt in Mengs jüngstem Stück „Hitlers Bauch“ als historische Gestalt nämlich eigentlich gar nicht vor; von Ideologie und Verbrechen ist hier überhaupt keine Rede. Es geht bloß um sein Logo – den Schattenriss mit Haartolle und Bärtchen, dessen Projektion das Bühnenbild abgibt, die Uniform, das Rumgebrülle –, und vor dieser Folie werden dann launige Scherze mit der chinesischen Gegenwart

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