Vergangenes Jahr interviewte ich Giovanni di Stefano, den Anwalt des Teufels. Giovanni ist ein Anwalt, der dafür bekannt ist die schlimmsten der Schlimmen im Gerichtssaal zu vertreten. Ob nun tyrannnische Diktatoren wie Saddam Hussein, Sektenführer wie Charles Manson oder Gary Glitter.
Während des Interviews fragte ich ihn, ob Giovanni wohl auch Adolf Hitler verteidigen würde. Eigentlich erwartete ich auf meine Frage eine lange Pause, oder irgendwas dahin gestottertes, doch stattdessen antwortete er mir sofort, “Ja natürlich – ohne Frage”. Nun scheint es so, als würde Giovanni dieser Wunsch endlich erfülllt werden.
Giovanni erwarb im vergangenen Jahr ein paar Produktionsfirmen (…). Eines seiner ersten Projekte mit dieser Firma wird nun sein die Frage zu klären, wie das Verfahren gegen Adolf Hitler wohl ausgegangen wäre (…)
“…Adolf Hitler!” reimten K.I.Z. zu Beginn ihrer Karriere (bei Minute 1:50, falls Sie nicht warten können). Und da nun diese Woche spanische Fliege Gurken die Sonderangebotspointe zu sein scheinen und da “Hitler” im “Spiegel” und in dieser “BRD” überhaupt und außerdem die Standardmetapher für das Böse zu sein scheint, zirkulieren in diesem “Internet” natürlich auch schon schöne Verballhornungen. Der Gurkenhitler! Die Hitlergurke! Hitlers Gurke! Gurkitier! Gurken, die neuen Hitler! Hitler, was für eine Gurke! So, jetzt stimmt’s wieder.
Überall, überall in der Welt, nun, das gilt augenscheinlich für jede noch so absurde Form des Neonazismus. In Bogotá, Kolumbien, gedachten etwa südamerikanische Neonazis einer Gruppierung “Dritte Kraft” in voller Tracht und Folklore Ende April dem Tod “Adolfo Hitlers”.
Wer des Spanischen nicht mächtig (und daher nicht in der Lage den Artikel in Semana zu lesen) oder von Google Translate entnervt ist, kann beim Blick auf die Bilder des Abends entnehmen, wie absurd das Spektakel in Bogotá offenbar war: Ein Raum voller Südamerikaner in schwarzen Hemden, eine “Meine Ehre heißt Treue“-Fahne und ein Banner mit der Aufschrift “Tecera Fuerza” in pseudogotischer Schrift. Kurzum: Es ist alles sehr bescheuert und irr, aber doch auch bedenklich.
Ich dachte schon damals, dass mich das Haus an irgendwas erinnere – und nein, vielen Dank, natürlich nicht bloß an das Gesicht Hitlers.
Jetzt kam ich drauf:
Es ist das Haus, in dem Donald Duck in dem Disney-Kurzfilm “The Führer’s Face” von 1943 wohnt! Das Haus, das aussieht wie Hitler, ist eine Idee von Walt Disney. Fast so irre wie der gesamte Kurzfilm.
In China hergestellt, in Spanien verkauft (siehe die Kommentare hier) – hach, endlich ist Deutschland “über alles in der Welt”. Ist der Ruf erst ruiniert…
(Dank gilt Friedrich und Dominik – und das Failblog hat’s auch gefunden)
Die Golden-Globes-Rede von Ricky Gervais hat in den letzten Tag Runden gemacht und das mit Recht – sie war wahnsinnig gut. Den einen Witz, den Ricky Gervais nicht gemacht hat, erzählt er bei Conan O’Brien (bei 1:35). Ein Hitlerwitz, natürlich.
Ah, die edlen Eingeborenen, direkt aus den Wäldern, im Einklang mit Natur und Volk, die gegen die bösen, geldgierigen, aber hochgebildeten Eindringlinge usw. usf.