Überall, überall in der Welt, nun, das gilt augenscheinlich für jede noch so absurde Form des Neonazismus. In Bogotá, Kolumbien, gedachten etwa südamerikanische Neonazis einer Gruppierung “Dritte Kraft” in voller Tracht und Folklore Ende April dem Tod “Adolfo Hitlers”.
Wer des Spanischen nicht mächtig (und daher nicht in der Lage den Artikel in Semana zu lesen) oder von Google Translate entnervt ist, kann beim Blick auf die Bilder des Abends entnehmen, wie absurd das Spektakel in Bogotá offenbar war: Ein Raum voller Südamerikaner in schwarzen Hemden, eine “Meine Ehre heißt Treue“-Fahne und ein Banner mit der Aufschrift “Tecera Fuerza” in pseudogotischer Schrift. Kurzum: Es ist alles sehr bescheuert und irr, aber doch auch bedenklich.
Ich dachte schon damals, dass mich das Haus an irgendwas erinnere – und nein, vielen Dank, natürlich nicht bloß an das Gesicht Hitlers.
Jetzt kam ich drauf:
Es ist das Haus, in dem Donald Duck in dem Disney-Kurzfilm “The Führer’s Face” von 1943 wohnt! Das Haus, das aussieht wie Hitler, ist eine Idee von Walt Disney. Fast so irre wie der gesamte Kurzfilm.
In China hergestellt, in Spanien verkauft (siehe die Kommentare hier) – hach, endlich ist Deutschland “über alles in der Welt”. Ist der Ruf erst ruiniert…
(Dank gilt Friedrich und Dominik – und das Failblog hat’s auch gefunden)
Die Golden-Globes-Rede von Ricky Gervais hat in den letzten Tag Runden gemacht und das mit Recht – sie war wahnsinnig gut. Den einen Witz, den Ricky Gervais nicht gemacht hat, erzählt er bei Conan O’Brien (bei 1:35). Ein Hitlerwitz, natürlich.
Ah, die edlen Eingeborenen, direkt aus den Wäldern, im Einklang mit Natur und Volk, die gegen die bösen, geldgierigen, aber hochgebildeten Eindringlinge usw. usf.
Ist das nur konsequent, was die thailändische Band “Slur” vom Label Smallroom da treibt: Nazis als Boyband, mit Sexappeal, wild gewordenen Fans und zackigen Bewegungsabläufen? Oder ist es doch: einfach nur bescheuert?
(Übersetzungen und Erklärung: gerne per Mail oder in die Kommentare!)
Der 1956 in Israel geborene Künstler Boaz Arad gehört einer Generation israelischer Künstler und Intellektueller an, die sich mit den offiziellen zionistischen Hitler- und Nazi-Deutungen nicht weiter zufriedengeben wollen.
In einem Essay mit dem Namen “The Trauerspiel in the Age of Its Global Reproducibility: Boaz Arad’s Hitler Videos” schrieb Gene Ray:
“Arad’s videos began as interventions into a specific Israeli context. In a national culture in which, as historian Moshe Zimmerman puts it, “both the Shoa and anti-Semitism are instrumentalized in the interest of Israeli policy”, representations of the Nazi genocide are required to conform to official memory: they are limited to depictions of a moment of victimization by absolute evil, within a mythifying and recuperative narrative movement from diaspora to nationhood, powerlessness to power.”
Dieser staatlichen Deutungspflicht entzieht sich Arad. Er entpolitisiert und entmythologisiert Hitler, indem er die billige Symbolik Hitlers selbst und somit die billige Symbolik des… weiter lesen