23.10.2011 von Daniel Erk
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Die Kittlerjugend

von Daniel Erk

Der eben verstorbene Medientheoretiker Friedrich Kittler war offenbar ein Mann von Charisma. Einer mit Verve zudem, also jemand, der junge Studenten mit ebenso ungewöhnlichen wie überzeugenden Argumenten in seinen Bann ziehen konnte.

Aber rechtfertigt das dies?

1. Ein solch affirmatives Vorgehen hat Kulturhistorikern wie Steininger die aus der herzlichen Bösartigkeit konkurrierender Forscher herrührende Bezeichnung “Kittler-Jugend” [sic!] verschafft. (Quelle: taz)

2. “Die Fackel der Theorie haben Sie schon weitergereicht. Sie haben namhafte Schüler wie Norbert Bolz hervorgebracht, man spricht sogar von der ‘Kittlerjugend’.” (Quelle: Welt am Sonntag)

Ganz im Ernst: Ist das der respektlose Humor während der späten Jahre der Spontis und der frühen Jahre der Titanic? Ist da was dran? Ist das lustig? Oder ist möglicherweise eigentlich verharmlosende Präzedenzfall der Hitler-Analogie – weil im Umkehrschluss die Hitlerjugend halt auch nicht mehr war als die Gefolgschaft eines charismatischen Denkers?

21.10.2011 von Daniel Erk
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Die Endkloϟung

von Daniel Erk

Ach, Miroslav. Dass Latio Rom ein Verein ist, der viele, viele Faschisten als Fans hat, das weiß man doch. Dass die sich über einen deutschen Natioanlspieler bzw. dessen Tore freuen – geschenkt. Und dass die überdies, siehe oben, die Erster-Weltkriegs-Losung “Gott mit uns” mit deinem Nachnamen und einer ϟiegrune kombinieren und im Stadion hochhalten. Das darf dich doch weder überraschen noch wütend machen.

Aber was macht der Miro Klose? Statt klipp und klar zu sagen, dass Faschismus ein Verbrechen ist und das für dich, als Sohn von Polen, eine schmerzhafte Beleidigung und Respektlosigkeit ist, sagst du: Politik gehört nicht ins Stadion. *kotz*

20.10.2011 von Daniel Erk
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Sein Bauch gehört ihm

von Daniel Erk


Hitler! Schwanger! Mit einem Furz! Na hoppla, da habt das chinesische Theater aber einen fabelhaften Einfall gehabt, wie man in der FAZ nachlesen kann:

Hitler als Taichi-praktizierender chinesischer Rentner mit dem Vogelkäfig an der Hand, Hitler beim Rock ’n’ Roll mit Eva Braun, Hitler schwanger: All das ist im Pekinger „Pionier-Theater des Ostens“ unweit der zentralen Einkaufsmeile Wangfujing zu sehen, aufgeführt von Meng Jinghui, einem der bekanntesten Bühnenregisseure Chinas. Doch zur Annahme, dass Peking jetzt die Berliner Volksbühne in punkto subversivem Trash womöglich überholt, besteht kein Anlass. Hitler kommt in Mengs jüngstem Stück „Hitlers Bauch“ als historische Gestalt nämlich eigentlich gar nicht vor; von Ideologie und Verbrechen ist hier überhaupt keine Rede. Es geht bloß um sein Logo – den Schattenriss mit Haartolle und Bärtchen, dessen Projektion das Bühnenbild abgibt, die Uniform, das Rumgebrülle –, und vor dieser Folie werden dann launige Scherze mit der chinesischen Gegenwart

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19.10.2011 von Daniel Erk
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Roseanne und die Nazi-Juden

von Daniel Erk

Der gestrige Gefangenenaustausch zwischen der Regierung Israels und der Regierung von Gaza hat naturgemäß hohe Wellen geschlagen – dafür ist der Nahostkonflikt ja immer gut.

Besonders bizarr wurde die Debatte aber auf Twitter und zwar rund um den Account von Roseanne Barr – ja, exakt die Roseanne. Die Roseanne Barr, die früher einmal die Proll-Furie in einer Serie ihres Namens spielte – und die von einigen Jahren mit einem Auftritt im amerikanisch-jüdischen Magazin Heeb für einen Aufschrei sorgte.

Barr ist, was viele nicht wissen, Jüdin, aber (wie viele linke und kritische Juden in den USA) so gar nicht einverstanden mit der Politik der rechtskonservativen Regierung Israels. Und offenbar ist Frau Barr genau so dreist und vorlaut wie die Figur ihrer Serie – zumindest klingen ihre Beiträge auf Twitter so:

Interessant ist an Barrs Suada vor allem, wie sie den Begriff “Nazi” benutzt… weiter lesen

18.10.2011 von Daniel Erk
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Wer war der Hitlervergleichshitler – vor Hitler?

von Daniel Erk

Quiztime! Wir schreiben das Jahr 17…, egal: Wir schreiben irgend ein Jahr vor 1933. Ein Mensch will einen anderen verunglimpfen, mit viel Schmackes und mit maximaler Beleidigung. Mit wem wir diese andere Person verglichen?

  1. Napoleon Bonaparte
  2. Der biblische Pharao (der Mose und die Juden nicht gehen lässt)
  3. Judas
  4. Pontius Pilatus
  5. Josef Stalin
  6. König Leopold II. von Belgien (verantwortlich für die Gräul im Kongo)
  7. Die Jungtürken (die den Genozid an den Armeniern beschlossen)

Die richtige Antwort lautet: alle bis auf Stalin, Leopold und die Jungtürken. Zumindest behauptet dies ein offenbar recht fundiert recherchierter Artikel des amerikanischen Gesellschaftsmagazins Slate.com zu eben jener Frage:

Today, the Führer is universally recognized as the embodiment of evil and the most convenient example of a truly terrible human being. Before World War II, who was the rhetorical worst person in history?

Interessant ist, dass in der Geschichte der Rhetorik bis vor recht kurzer… weiter lesen

13.10.2011 von Daniel Erk
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Neues Fach “NS-Zeit”

von Daniel Erk

“Wie würde der Stundenplan aussehen, wenn es alle Gaga-Schulfächer, die irgendwer fordert, wirklich gäbe” fragte sich die taz und Kollege Brake griff zum Stift. Mit dabei: Das Fach “NS-Zeit”. Mit Zeichnung! So niedlich war Hitler selten.

12.10.2011 von Daniel Erk
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Die Wulffchance

von Daniel Erk

Als ich vor Kurzem zu Gast bei der Berliner Reformbühne Heim & Reich Welt war, weilte dort auch der in Leipzig geborene und in Berlin lebende Künstler K.P.M. Wulff. Den nächsten Satz schreibe ich nur, um die blödelnde Überschrift zu rechtfertigen: Bei jener Lesebühne hatte ich die Möglichkeit, vor des Künstlers Augen zu lesen während Wulff die Chance hatte mich zu zeichnen.

Die Ergebnisse sind sehr aufmerksam, hintergründig und mit spitzer Feder gezeichnet:

Ganz besonders mag ich diese Zeichnung (so fühle ich mich tatsächlich):

NB: Bitte diese Bilder, die ich geschenkt bekommen habe, nur und ausschließlich in Absprach mit Herrn Wulff verwenden.

27.09.2011 von Daniel Erk
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By all means mention the war!

von Daniel Erk

Two World Wars and one World Cup, doo dah, doo dah singen englische Fußballfans. Don’t mention the war wussten Monty Python John Cleese (jajaja). Bloß: Woher kommt die englische Nazi-Obsession? Weil die Engländer lieber an England’s finest hour denn an die späten Kolonialjahre erinnert werden wollen? Oder ist es die nationale Unsicherheit des Landes, wie ein englischer Journalist in einem an Beispielen nicht gerade armen Artikel vermutet?

Der Guardian-Kolumnist Simon Jenkins schreibt da:

In 2000 there were 380 English-language titles on the Third Reich, adding to some 30,000 with the word Hitler in the title. We might have hoped that the new century would see this phase of Germany’s past set in some historical context. It was not to be. Last year the tally of Hitler books rose by 850. Some 80% of these were written by Britons and published in Britain.

Das ist verblüffend – aber… weiter lesen

23.09.2011 von Daniel Erk
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Shake, Reich’n'Roll!

von Daniel Erk

Neulich in Glasgow…

Das ist schon groß: In der Sprache Francos anzählen, dann das Hakenkreuz mit “Reich’n'Roll” zum Tanzen bringen, aber eh’ klar: Letztlich ist “love the message” – irgendwo zwischen Abrüstung, Zivildienst und Sven Väth. Da-da-da … Dada. Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei. Super, Mäx!

(Danke, Lukas!)

19.09.2011 von Daniel Erk
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A propos Kampf um Berlin

von Daniel Erk

Ich habe ganz stark das Gefühl, das gerade die Zeiten anbrechen, in denen man zu Hitlerwitzen wirklich nur noch gähnen kann. Erwartbare Provokation – das muss man ja auch erst einmal schaffen.

(via)