Archive for März, 2007

29.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Der Halbmond über dem Brandenburger Tor

von Dilek Zaptcioglu

Es folgt eine Passage aus dem Vorwort des Buches „Über die Türkische Revolution“ von Peyami Safa aus dem Jahre 1938. Leser werden sich an Safa erinnern – der konservative Schriftsteller und Denker hat u.a. den Roman „Fatih-Harbiye“ geschrieben, den ich vor einigen Wochen hier vorstellte.  Er tat sich immer schwer, was die Ost-West-Synthese anging, aber er gab nicht auf. Auch wenn er für die “Beibehaltung der östlichen (muslimischen) Seele” eintrat, wollte er auf den Okzident und seine inspirierende Kraft nicht verzichten.

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In diesem Buch versucht Peyami Safa die Antwort auf die Frage zu finden, was das Wesen der „Türkischen Revolution“, d.h. der Reformen Mustafa Kemals und seiner Freunde ausmacht, die 1923 die Türkische Republik gründeten. Und damit die Synthese wagten – ihre Probleme heute schmälern nicht den damaligen Erfolg. Safa beschwert sich darüber, daß vor 70 Jahren noch kein einziges Werk über die Reformen geschrieben wordenweiter lesen

27.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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“…weil die Anderen die Bösen sind, sind wir die Guten”

von Dilek Zaptcioglu

Eine Leserin faßt zusammen, was die Autorin anläßlich der Spiegel-Titelgeschichte sagen wollte. Danke Nalan.

Nalan schreibt:

stück für stück geben wir unsre empfindsamkeit hin, unsere uns allen gemeinsame menschlichkeit, unsere nächstenLIEBE…um dafür ein freies, modernes leben zu empfangen.

tagtäglich werden wir mit informationen gefüttert, die uns weismachen sollen, wie schlecht doch die ANDEREN sind(obwohl wir alle gemeinsam die erde kaputt machen, auch darüber redet ja kaum jemand).. in wahrheit geht es doch nur darum, kein mitgefühl mehr zu haben, zu glauben, dass veränderungen unmöglich sind und die lage sowieso hoffnungslos ist..     irak.jpg

eine hand voll wirtschaftsbosse bestimmt die spielregeln, und so “leben” wir eben ahnungslos nach ihren regeln. wer nicht mitspielt, wird weg/ausgeschlossen woanders mal eben weggebombt oder zur achse des bösen erklärt, geistig oder physisch unterdrückt und unterworfen..
 
die unternehmen reden von profitmaximierung, entlassen tausende von menschen und berauben sie so ihrer lebens-und existenzgrundlage.. wir tun
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25.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Mekka Deutschland?

von Dilek Zaptcioglu

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                               No comment!*  

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* da das gedruckte Magazin Istanbul erst am Dienstag, und mich am Dienstag abend erreicht, weil es erst auf ein Kamel geladen werden muß…

20.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Ein Film im Istanbuler Frühling: “Mutluluk” / “Das Glück” von Zülfü Livaneli

von Dilek Zaptcioglu

Die Sonne scheint. Die ausgetrockneten, den Katzen der Nachbarschaft als Toilette dienenden Töpfe auf der Terrasse zeigen die ersten, unumkehrbaren Lebenszeichen: Der Wein hat winzige Blätter bekommen, die Rosen tragen Knospen. Auch der Birnenbaum vor der Haustür hat jetzt, wo der Schnee ausblieb, schöne, dicke, weißgrüne Blüten. Und oben auf dem Hügel, unweit der muslimischen und jüdischen Friedhöfe des Bosporus blühen schon alle Obstbäume.

Bei diesem Wetter geht man nicht ins Kino, aber der Film wird von den Kritikern hoch gelobt: “Das Glück” oder “Mutluluk” von Zülfü Livaneli begann so schrecklich, daß ich kurzzeitig daran dachte, aus dem Kino in die Sonne zurückzuflüchten. Aber ich blieb – wie gut, daß ich blieb.

Zülfü Livaneli kennt man, wenn überhaupt, als Musiker und Komponisten. Seine Karriere begann in den 1970ern in Istanbul – er war das musikalische Haupt der revolutionären Linken. Mit der Saz in der Hand spielte er Lieder, die man auswendig lernte und auf Märschen sang. Dann ging er nach Europa und “verbürgerlichte”… weiter lesen

13.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Istanbul kalt – Teheran heiß

von Dilek Zaptcioglu

Eigentlich kommt die Kaltfront zu uns nach Istanbul immer vom Westen, vom Balkan: “Balkanlardan gelen soguk hava…” heißt es dann im Wetterbericht, “die kalte Luft, die von den Balkans zu uns zieht” – im Türkischen plural, weshalb auch immer.

Am Dienstag, also heute, kommt aber die kalte Luft auf dem zweitüblichsten Wege, nämlich vom Schwarzen Meer herunter. Die Temperaturen fallen um 8 bis 10 Grad, es wird, nun ja, unglaublich aber wahr, am Mittwoch Schnee erwartet. Nach dem milden Winter, wo die Obstbäume alle schon blühen. Der Sommer war quasi gekommen.

Aber Schnee und Eis in Istanbul sind nicht so unüblich wie man denkt.

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Am 24. Februar 1954 wachten die Istanbuler im Norden der Stadt mit einem vereisten Bosporus auf. Das Eis war bis an die südlichen Ufer der Meerenge getrieben worden. Wo so starke Strömungen sind, kann eigentlich nicht vereisen. Aber es war ein extrem kalter Winter und die Eismassen… weiter lesen

10.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Griechisch-türkischer Videokrieg in You Tube

von Dilek Zaptcioglu

Stavraetos hat dafür gesorgt, daß die Türkei tagelang keinen Zugang zu You Tube hatte. Der griechische User hatte ein Video namens “Kemal Gay Turk” (für Atatürk) hereingestellt, das er inzwischen herausnehmen mußte. Aber für Ersatz ist gesorgt.  

Der Youtube-User “Navarino1827″ ist seit 4.3.07 registriert und gibt als Herkunftsland United Kingdom an. Offensichtlich ist er einer der fleißigen griechischen Jungmänner, die derzeit Schmiervideos ins Netz stellen, um einen pubertären antitürkischen Kampf auszufechten, dem sich türkische User allzu gern stellen.

In “German vs. Turk” läuft ein Deutscher im Anzug, offenbar ein Geschäftsmann, über eine Straße und erzählt der Kamera etwas über die Häuser. Da kommt ihm ein Türke entgegen, bleibt stehen und guckt. Der Deutsche sagt “Hast du ein Problem?”, holt aus und knallt dem Türken eine ungeheure Ohrfeige, so daß der Mann auf dem Boden landet. Der Film ist wohl älter, denn da ist noch von D-Mark die Rede. Das Ganze ist schon bizarr und erinnert an rassistische… weiter lesen

08.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Der türkische Journalismus und der Frauentag

von Dilek Zaptcioglu

Der türkische Journalismus leidet an einem strukturellen Problem und bevor es beseitigt wird, kann es hier keine Demokratie geben.

Die Zeitungen gingen in den 1980ern aus der Hand der Gründerdynastien und wurden von Geschäftsleuten aufgekauft, die selbst nichts mit Pressewesen zu tun haben. Diese Patrone brauchten wie in jedem Unternehmen zuverlässige Gehilfen. So stieg eine kleine Schicht (männlicher) Journalisten mittleren Alters zu der “journalistischen Elite” des Landes auf. Im Geiste Turgut Özals, der in den späten 1980ern den Spruch prägte: “Ich mag keine armen Leute”, ging es nun um Geld und Prestige.

Diese Journalisten, bald Chefkolumnist hier und Anchorman dort, fühlten sich den Politikern haushoch überlegen, die oft aus Anatolien kamen und nicht zu der Elite des Landes zählten. Vielfach Absolventen der Politischen Fakultät Ankara, war die neue journalistische Elite selbst in ihren Studentenzeiten politisch aktiv gewesen. Als ehemalige Linke stürzte sie sich auf neoliberale Ideen und knüpfte enge Beziehungen zu der Wirtschaftselite. Auf Parties am Bosporus mit Großindustriellen… weiter lesen