Erste kurze Sommerpause vorbei: Charlotte und Marco
von Dilek ZaptciogluEs ist unbeschreiblich heiß in Istanbul und da hilft es auch nicht, auf der Insel zu sein (siehe ersten Blogbeitrag vor einem Jahr!) Was Büyükada so macht und worüber Istanbul spricht, mehr in den nächsten Tagen & Wochen.
Ich sitze am Schreibtisch und lasse den Fernseher nebenher laufen. Zwei Politiker diskutieren. Am 22. Juli gibt es Parlamentswahlen. Also redet man, und redet, und redet……nicht einmal die Hälfte darf man glauben.
Eine traurige Nachricht: Jupp Derwall ist gestorben. Irgendwie war er eine türkisch-deutsche “Autoritätsfigur” (der Helmuth von Moltke des Fußballs, sozusagen) . Von 1984 bis 1988 trainierte er Galatasaray und gewann zweimal die türkische Meisterschaft, und einmal den Pokal. Wikipedia sagt: “Zudem hat Derwalls Engagement in der Türkei nicht unwesentlich zu einer bemerkenswerten Tradition beigetragen, wonach deutsche Fußballlehrer von türkischen Fußballvereinen über viele Jahre anscheinend bevorzugt unter Vertrag genommen wurden, wie an einer Anzahl von prominenten Beispielen deutlich wird: Horst Buhtz, Friedel Rausch, Jürgen Sundermann, Josef Piontek, Karl-Heinz Feldkamp, Holger Osieck, Reiner Hollmann, Reinhard Saftig, Christoph Daum, Herbert Neumann, Horst Hrubesch, Joachim Löw, Jürgen Wähling, Rüdiger Abramczik, Hans-Peter Briegel, Jörg Berger, Werner Lorant. Er selbst erhielt 1989 die Ehrendoktorwürde der Universität Ankara.”
Da kann man gucken, wieviele deutsche Fußball-Söldner es in der Türkei gab.
Fußball ist im Moment ohnehin interessant, weil die Istanbuler Clubs enorme Summen ausgeben und Stars “an den Bosporus” holen, wie: Roberto Carlos und Lincoln (der in vier Jahren 33 Mio Euro bekommen soll).
***
Marco W. aus Uelzen. Ich habe heute gelesen, daß “ganz Deutschland” für ihn gesammelt hat. Für den armen Jungen im türkischen Kerker.
Was hat er verbrochen, daß er seit 10 Wochen im Gefängnis sitzt?
Ich mache es etwas persönlicher: Am Freitag klingelt mittags bei mir das Handy. Eine Kollegin vom RTL ist dran. Sie sagt: “Es geht um den 17jährigen deutschen Schüler in Haft. Ich suche einen Kollegen in der Türkei, der mir etwas über türkische Medienreaktionen erzählen kann.”
Es gab nur keine türkischen Medienreaktionen. Null. Diese mußen also erst herbeigeredet werden.
Ich habe in deutschen Agenturmeldungen, die bei uns täglich eintrudeln, etwas darüber gelesen, überflogen.
Und sage: Ich kann Ihnen nicht helfen, ich habe auch nichts darüber gesehen. rufen Sie doch die Hürriyet-Kollegen an.
Sie hatte zwar mit dem Berliner Korrespondenten Ahmet Külahci telefoniert, aber dieser hatte sie abgewimmelt mit dem Argument, das er keine Zeit hatte. Ich gebe ihr die nummer des Deutschlandschefs der Hürriyet, meinem Freund Kerem Caliskan, und sage, daß er bestimmt helfen kann.
Nach einigen Stunden telefoniere ich mit ihm. Auch er hat vorher nichts darüber gewußt. Ich schildere kurz den Fall.
Am Wochenende eskaliert das Ganze ins Unermeßliche. Ohne jede konkrete Information wird im Nu das Bild in den Köpfen komplett: Die blöde, islamische Sittenpolizei in der Türkei steckt unseren unbescholtenen Schüler wegen ein paar kindlichen Küssen im Urlaub in den Knast. Wir müssen ihn retten. Die Leiterin seiner Schule wird mit den Worten zitiert: “Manche Mädchen sehen heutzutage mit 13 wie 16 aus.” Sofort kommt die “Europatauglichkeit der Türkei” auf den Plan, sofort reiht man sich geschlossen hinter “Marco” ein. Und startet schließlich eine Spendenkampagne. Der Stern spricht von dem “Martyrium Marcos”. Die Matheprüfung findet ohne ihn statt, alle sind traurig.
Natürlich ist es eine gräßliche Nachricht, wenn ein 17jähriger “wegen ein paar Küssen” seit 2,5 Monaten im Gefängnis sitzt. Das hört sich an wie Hand-ab bei Dieben oder Steinigung bei Ehebrecherinnen.
Gott sei Dank sind wir aber nicht so weit (zurück)!
Die Hürriyet-Geschichte geht insofern weiter, daß der Bild-Chef Kai Diekmann seinen Kollegen Ertugrul Özkök anruft, und mit ihm über eine Lösung des Falles redet, der “die deutsche Öffentlichkeit sehr bewegt” hat.
Der Springer-Konzern und der Dogan-Konzern sind geschäftlich verflochten. Diekmann sitzt z.B. in einem hohen Gremium des türkischen Dogan-Imperiums.
Also telefoniert der Hürriyet-Chef mit dem Justizminister in Ankara, mit dem Ministerpräsidenten (der immer noch Erdogan heißt), und mit dem stellvertretenden Chef der Vollzugsanstalten. Er kriegt die Genehmigung für ein Interview mit Marco W.
Dieser, ein Riese von 1,96 Metern, erzählt seine Version der Geschichte ungefähr so:
Marco W. hat im Oster-Urlaub in Side die Engländerin Charlotte kennengelernt. In einer Disko. Sie hat sich, sagt er, als 15jährige ausgegeben. Sie hatte ihre ältere Schwester dabei.
Am nächsten Tag lagen sie gemeinsam am Strand. Gingen schwimmen.
Am dritten Abend lud sie ihn, sagt er, auf ihr Zimmer ein. Es war Viertel vor eins. “Sie küßte mich zuerst.” Dort “wollte sie mich haben”: “Sie küßte mich, faßte mich an, zog ihren Slip aus”. Das wäre, sagt er, sein “erstes Mal” gewesen. Also war er total aufgeregt. Und ist “zu früh gekommen”. Das hätte sie verärgert, weil sie nicht auf ihre Kosten kam, “mehr wollte aber nicht kriegte”. Als er ging, soll sie ihm einen bösen Blick hinterher geworfen haben, wie er sich erinnern will.
Am nächsten Morgen hätten sie sich beim Frühstück getroffen. “Sie sah mich merkwürdig an.”
Am Tag darauf kam die Polizei und bat ihn aufs Revier, wohin er mit seinen Eltern ging. Er soll dasselbe dort erzählt haben. Die Familie W. fragte durch den Dolmetscher, ob er nicht in Deutschland vernommen werden könne. Das ging nicht. Am nächsten Morgen wurde Marco W. vom Staatsanwalt vernommen. Er wurde vor ein Untersuchungsgericht gestellt und festgenommen. Er wurde in das (völlig überfüllte) Gefängnis von Antalya eingewiesen.
Das ist also die Marco-Version.
Aber. Der deutschsprachige Anwalt Bilal Kalayci in Antalya (der nicht mit uns reden wollte) soll N24 gesagt haben, daß er die Anklageschrift sah. Darin steht, daß nicht nur die Mutter von Charlotte, sondern sie selbst gegen Marco ausgesagt hat. Sie wurde gynokologisch untersucht, danach war “die Jungfernhaut strapaziert”, es gab “tote Spermien in de Vagina”. In der Anklageschrift wird Marco W. “Gewalt und sexueller Mißbrauch” vorgeworfen.
In den meisten europäischen Ländern ist der Geschlechtsverkehr (oder sexuelle Handlungen) mit unter 14jährigen verboten. Diese gelten schlicht als Kinder. Das türkische Gesetz ist erst vor drei Jahren reformiert und den EU-Gesetzen angepaßt worden. In einem Land, in dessen Dörfern Mädchen ab der ersten Menstruation als “Frauen” gelten und verheiratet werden, ist das ein Fortschritt gewesen.
Aber ich habe auch recherchiert, daß damals die Anwaltskammern folgendes kritisierten:
Das türkische Gesetz würde zwei Dinge nicht berücksichtigen: Das Alter des Täters, und den Altersunterschied zwischen Opfer und Täter. So gibt es z.B. im österreichischen Gesetz Erleichterungen, wenn der Junge etwa 17 und das Mädchen 14 oder 15 sind, und beide einvernehmlich gehandelt haben. Auch die Österreicher haben die 14er Grenze.
Der Punkt ist aber, daß Charlotte nicht 14 ist.
Da sie Marco W. angezeigt hat, also von “einvernehmlicher Handlung” wohl keine Rede sein kann.
Wir wissen nicht, ob er die Wahrheit sagt oder nicht.
Deshalb können wir nicht nach Belieben eine nette Version erdichten wie: Die Beiden haben sich amüsiert, die Mutter kam dahinter, sie setzte das Mädchen unter Druck, sie zeigten ihn an. Er ist völlig unschuldig.
Das ist die typische Sichtweise der “Angehörigen des Jungen”, wie wir sie hier auch oft von Familien hören, deren Söhnen Vergewaltigung oder Mißbrauch vorgeworfen wird.
Immer muß die Frau, das Mädchen, “beweisen”, daß sie doch nicht wollte, nicht gelockt, nicht gereizt, nicht eingeladen hat. Und fast immer sagt der Täter, die Initiative wäre doch von der weiblichen Seite ausgegangen.
Vielleicht war es aber diesmal so. Wer weiß es wirklich?!
Natürlich sind 10 Wochen eine zu lange Zeit. Der erste Verhandlungstag ist am 6. Juli. Das ist typisch für die völlig überbelegten türkischen Gerichte. Natürlich sind Marcos Eltern fertig.
Wenn Charlotte und Family nicht selbst nach Antalya kommen und am 6. Juli ihre Aussage vor Ort machen, dann müssen sie zuhause vernommen werden. Das dauert in der Regel mindestens 6, manchmal 10 bis 12 Monate. Wirklich – wegen Bürokratie. Alles muß übersetzt werden, auch die Vernehmungsprotokolle. Das dauert ewig.
Aber ich gehe davon aus, daß man “etwas machen” wird. Daß Marco W. nach dem 6. Juli auf freien Fuß gesetzt wird, mit der Auflage, das Land nicht zu verlassen. Ich weiß allerdings nicht, ob es juristisch möglich ist, daß Marco W. in Deutschland vor ein Jugendgericht gestellt wird. Dann könnte er nach Hause.
Aber es wird, wo und wie auch immer, ein Urteil geben. Solange Charlotte bei ihrer Aussage bleibt, wird er wohl nicht drum herum kommen. Und: Vielleicht “wollte” sie nicht? Sie ist doch nur 13 Jahre alt.
Was für eine Staatsaffäre.
Kommentar schreiben
Robert schreibt: Date: June 26, 2007
Der Fall “Marco” beweist, dass die Türkei ein Rechtsstaat ist. Die Türkei ist keine Bananenrepublik, in der geltende Gesetze einfach wegen diplomatischen Drucks eines mächtigen Landes außer Kraft gesetzt werden, wie es zum Beispiel im Zuge der CIA-Aktivitäten in Deutschland vorgekommen ist. Was ist denn passiert? Die Mutter des Mädchens hat Anzeige wegen Missbrauchs erlassen. Die türkische Polizei hat den Beschuldigten festgenommen. Er bleibt wegen akuter Fluchtgefahr bis zur Verhandlung in Haft (in Deutschland müsste ein ausländischer Untersuchungshäftling viel länger auf seinen Prozess warten). Vor Gericht wird sein Fall nach Maßgabe der Gesetze verhandelt (nach der deutschen Straßprozessordnung und nach deutschem Vorbild übernommenen Gesetzen). Wenn die türkische Justiz dem diplomatischen Druck nachgeben würde, wäre das ein Beweis dafür, dass das Land nicht EU-tauglich ist, weil es über keine unabhängige Justiz verfügt.
Außerdem sind die türkischen Gefängnisse in den letzten Jahren mit viel Geld erneuert worden. Ein Land wie Deutschland, in dessen Gefängnissen es zu Vergewaltigungen und Schikanierungen kommt, die teilweise Selbstmorde von Insaßen zur Folge haben, sollte nicht derart arrogant über diesen Fall urteilen, zumal die Aussagen über die Verhältnisse von den Medien nicht nachgeprüft worden sind. Und warum stellt sich niemand die Frage, wie die Mutter dazu kam, Anzeige zu erstatten, wenn sie den Eindruck hatte, dass ihre Tochter mit allem einverstanden war.
Hier der Link zur Rede:
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,490497,00.html
Ähnlicher Fall in den USA
Ein sehr ähnlicher Fall spielt sich im Moment in den USA ab. Ende 2003 im Bundesstaat Georgia hatten ein 17-jähriger Junge und ein 15-jähriges Mädchen in gegenseitigem Einvernehmen auf einer Party oralen Sex. Der 17-jähriger Genarlow Wilson wurde dafür im Feb. 2005 zu 10 Jahren Haft verurteilt und sitzt seitdem im Gefängnis.
Trotz Unterstützung von Bürgerrechtsgruppen, der New York Times und Ex-Präsident Jimmy Carter und trotz der Entscheidung eines Oberen Gerichts bei der Berufung am 11. Juni diesen Jahres, die Strafe auf den Maß eines minderen Delikts (12 Monate) zu reduzieren, beharrt der Justizminister von Georgia, Thurbert Baker, auf die vollen 10 Jahre und hat seinerseits Berufung gegen diese letztere Entscheidung eingereicht. Jetzt muss das Oberste Gericht von Georgia darüber urteilen.
Auf der Seite http://www.colorofchange.org/genarlow/ kann man eine Petition an den Justizminister unterschreiben, die ihn auffordert seine Entscheidung zu überdenken.
… oder hier: Petition an das Georgia General Assembly (Legislative) http://www.wilsonappeal.com/petition.php
Weitere Informationen auf Englisch:
Genarlow Wilson’s Tragic Sentencing for Consensual Oral Sex
http://www.alternet.org/rights/54413/
Why is Genarlow Wilson in Prison?
http://www.wilsonappeal.com/index.php
Wilson v. State of Georgia
http://en.wikipedia.org/wiki/Wilson_v._State_of_Georgia
Petition: Demand Attorney General Thurbert Baker drop his appeal.
http://www.colorofchange.org/genarlow/
Weitere Infomationen auf Deutsch:
Zehn Jahre Haft wegen Oralsex – Die unglaubliche Geschichte des Genarlow Wilson
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6923290_,00.html
Verhängnisvolle Silvesterparty
http://www.sueddeutsche.de/panorama/artikel/815/96719/
US-Gericht verkürzt Haftstrafe wegen Missbrauch von zehn Jahren auf zwölf Monate
http://www.shortnews.de/start.cfm?id=670582
Die Aussage des Mädchens, die sie nun anscheinend widerrufen hat, beinhaltete den Vorwurf einer versuchten Vergewaltigung. Es war also kein Urlaubsflirt oder ein Kuss, der von einer überempfindlichen Mutter zur Anzeige gebracht wurde, wie in vielen Zeitungen berichtet. Man kann in diesem Fall meiner Meinung nach die Interessante Beobachtung machen, dass der gesellschaftliche Hass auf Sexualverbrecher durch die Überblendung einer imaginierten Scharia-Mentalität der Türkei nicht zum Zuge gekommen ist, sondern der Junge nicht als Täter, sondern als Opfer gesehen wurde. Ohne die Aussage des Mädchens zu kennen, wurde der Aussage des Jungen sofort Glauben geschenkt und die türkische Justiz, der immerhin eine versuchte Vergewaltigung angezeigt worden ist, mit Versatzstücken aus “Mitternachtsexpress” und anderen jahrzehntealten Erlebnisberichten aus türkischen Gefängnissen überzogen. Erst heute lief auf N24 ein Bericht, in dem immer wieder ein türkisches Gefängnis gezeigt wurde (von außen) und immer wieder zwei Hände, die sich durch ein kleines Türfenster zum V-Zeichen drängten. Damit wurde impliziert, dass Marco in so einem Gefängnis einsitze. Marco ist aber in einem Untersuchungsgefängnis für Jugendliche. Außerdem wurde nicht gesagt, von wann diese Aufnahmen gemacht wurden. Sicherlich vor der Gefängnisreform. Und das Interview mit einem Deutschen, der vor zehn oder fünfzehn Jahren in einem türkischen Gefängnis gesessen hat, suggeriert ebenfalls, dass Marco fünfzehn Jahre später in genau derselben Situation sei.
Wir sind also Zeuge geworden, wie die Medien erstens das Mädchen und dessen Mutter und zweitens die türkische Justiz vor dem Hintergrund einer INterpretationsfolie einer zutiefst rückständigen Türkei zugunsten des Beschuldigten verunglimpft haben, wobei nie so richtig die Frage gestellt wurde, warum die Mutter Anzeige erstattet hat. Das nahm in den meisten Berichten nur einen Satz in Anspruch, während der Rest des Artikels sich mit den angeblich katastrophalen Verhältnissen in türkischen Gefängnissen beschäftigt hat.
Dass die Lüneburger Staatsanwaltschaft nun Anklage wegen Missbrauchs erhebt, zeigt, dass Marco zu recht festgenommen wurde, denn der Vorwurf wog schwer und es bestand Fluchtgefahr. Wenn als Herr Beck von den Grünen sagen konnte, in Deutschland würde so ein Verfahren eingestellt, dann besagt das nur, dass hier versuchte Vergewaltigung anscheinend ein Kavaliersdelikt geblieben ist. Langsam wird mir klar, wie sehr auch wir in Deutschland der Perspektive der Medien ausgesetzt sind.
Ist Deutschland verrückt oder bin ich es? Ganz klar: Deutschland.
wer zu früh kommt,wird auch von der geschichte(seiner)bestraft?was steht denn in der englischen rege boge presse?
Logisch, dass der Fall Futter für die Medien ist. Der beleidigte Mann vom Bosporus sollte seine Gefängnisse besser organisieren. Zweieinhalb Monate Haft ist eine Tortur. Erst recht für einen 17-Jährigen. Charlotte tut mir aber noch mehr leid…
Und überhaupt: Schön, dass Sie wieder aufgetaucht sind, Frau Zaptcioglu!
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http://www.minaretta.twoday.net
Ich freue mich auch sehr Euch “wiederzusehen”
Hier ist ein interessanter neuer Kommentar:
WAZ: Die Empörung im Fall Marco: Politik und Justiz, zwei Ebenen –
Leitartikel von Stefan Wette
Essen (ots) – Allmählich kommt Licht in den Fall Marco. Und es
scheint, dass es sich um einen fast normalen Kriminalfall handelt.
Denn dass es nur ein harmloser Urlaubsflirt zweier Jugendlicher mit
Händchenhalten und Knutscherei war, wie es anfangs wohl allein von
Marcos Eltern in die Öffentlichkeit gebracht wurde, das hat sich
nicht bestätigt. Die Einleitung eines Verfahrens durch deutsche
Staatsanwälte zeigt, wie ernst das Strafrecht den Schutz der
Sexualität Minderjähriger nimmt. Unaufgeregt muss geprüft werden, vor
allem natürlich in der Türkei, was dem 17-jährigen Schüler aus Uelzen
vorzuwerfen ist.
Einige Politiker, zum Teil auch wir Journalisten, neigen dazu,
sich vorschnell festzulegen. In Parteien, Ministerien und Redaktionen
ist nur selten Verständnis anzutreffen für die nach außen bedächtig
wirkende, auch eigene Fehler selbst korrigierende Arbeit der
Strafjustiz. Politik und Justiz – das sind zwei Ebenen. Dass
Bundesaußenminister Steinmeier sich jetzt für die Freilassung eines
im Ausland inhaftierten Deutschen einsetzt, ist ja noch in Ordnung.
Aber er hätte ahnen können, dass es auch in der Türkei förmliche
Ermittlungen gibt und Gründe, einen jungen Mann zehn Wochen in Haft
zu halten.
Aber sogar der luxemburgische Regierungschef Jean-Claude Juncker
sieht sich noch am Mittwoch veranlasst, die Türkei zu warnen. Und der
SPD-Europaabgeordnete Vural Öger prophezeit am selben Tag einen
Freispruch für den Schüler, weil angeblich das Image der Türkei auf
dem Spiel steht. Hat einer von denen, die sich so lautstark empören,
eigentlich je in einem gewöhnlichen Strafprozess gesessen? Es macht
sich auch niemand Gedanken darüber, was England sagen würde, wenn auf
Grund deutschen Einflusses einem britischen Kind und dessen Eltern
die Strafverfolgung des möglichen Täters in der Türkei verwehrt
bliebe.
Diskutieren lässt sich über harte, manche sagen unmenschliche
Haftbedingungen in der Türkei. Interessanterweise hat Marco selbst
sich an dieser Kritik nicht beteiligt, als er von einem türkischen
Journalisten interviewt wurde. Dass Knäste im Ausland nicht angenehm
sind, ahnt allerdings jeder. Und seit Siegburg wissen auch wir, dass
ein Jugendgefängnis in Deutschland ebenfalls kein Luxushotel ist.
Dem Fall wird es gut tun, wenn die öffentliche Empörung sich legt
und er schnell verhandelt wird. Dann auch mit der Zurückhaltung, die
ein minderjähriges Opfer und ein jugendlicher Täter verdient haben.
Wenn sie es denn sind.
Originaltext: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Digitale Pressemappe: http://presseportal.de/story.htx?firmaid=55903
Interessant ist nebenbei auch der Kommentar in der heutigen taz von Jürgen Gottschlich, dass Marco W. selbst darum gebeten habe, in der Gruppenzelle zu bleiben..
ich verstehe nicht den Bericht von der Türkin in der Taz “war er drin oder nicht?”
Ich finde es sehr peinlich, dass sie so sehr eingedeutscht ist, dass sie Türkei angreift, und dabei vergisst, dass sie keine deutsche ist, aber sie muss bei den tatsachen bleiben. Der Schlusssatz ist heftig.
also,
nachdem wir alle nach prüfung der sachlage festgestellt haben, dass sich an diesem fall anscheinend vor allem negative stimmungsmache vom westen gegenüber dem (türkischen )osten äußert, dürfte es aber auch mal gut sein.
letzten endes versteckt sich auch ein medienorganisierter voyeurismus dahinter. dass die sommerflaute schon so groß ist… da lobe ich mir doch die bravo mit den doktor sommer-seiten, die wir als kichernde, aber ehrlich interessierte teenager verschlungen habe. fortbildung in wesentlichen dingen des lebens mußte sein !
für mich ist dieser momentane trubel aber nix anderes als doktor sommer für alle !!!
aber wen, bitte schön, interessiert das liebesleben vom 17jährigen marco- oder besser die mißglückten versuche dazu ? mich nicht. da gibt es zum glück mittlerweile spannenderes.
berna
“wen interessiert das liebesleben vom 17 jährigen Marco..”
natürlich niemanden! aber folgendes ist interessanter:
wie die ratten von politicallyincorrect auf den köder losgegangen sind. generell alle islamphobisten die chance gesehen haben, der türkei ans bein zu pieseln.
hier geht es nicht um marco…hier geht es um die angst vor den moslems, denn leider ist politicallyincorrect keine nische.
mitlerweile gilt es als chic eine islamphobie zu haben. keine gelegenheit wird ausgelassen auf die moslems einzuhauen,auch wenn es auf die kosten anderer (marco/chantal) geschieht.
bevor ich jetzt von phobisten den erwarteten gegenwind abbekomme, wiederhole ich, dass ich kein gläubiger moslem bin
was kann die türkei dafür, dass eine engländerin gegen einen deutschen in der türkei strafanzeige stellt? diesmal wird das türk. rechtssystem zu unrecht kritisiert. die hetz-kampagne der dt. medien gegen die türkei ist unmöglich geworden. von “türken knast” ist die rede (bild.de und auch rtl punkt 12). klar, ist es für einen 17-jährigen nicht leicht wochenlang in einem ausländischen gefägnis zu sitzen. in dt. gefängnissen sicherlich auch, nirgendswo bestimmt – es sei denn, man heißt paris hilton!!
ich frage mich, wenn der “tatort” in meinem anderen “westlichen land” gewesen wäre, wie dann die die dt. medien reagiert hätten. oder, was wäre, wenn die beteiligte eine türkin, muslimin gewesen wäre? kaum auszudenken, was bild und co. für eine kampagne gestartet hätten. glücklicherweise steuern auch einige dt. journalisten in die objektivere richtung, wie der leitartikel in WAZ beweist.
Pingback: Türken beschuldigen Marco Weiss der Kinderschänderei! « Der größte Journalist der Welt
Sahin Ed Karanliks Urlaubsflirt
Die Urlaubssaison in der Türkei beginnt und es ist wieder Zeit Lügen zu verbreiten. Den Textspeicher kurz durchgeforstet, die alten Sprüche und Schlagwörter erneuert und es kann losgehen mit dem investigativem Journalismus, der sich seit langem nur auf Abschreiben von Unwahrheiten beschränkt.
Warum auch selbst recherchieren und Gehirn einschalten, wenn kopieren und in dem Fahrwasser von Lügenkampagnen zu tummeln viel billiger ist.
Geiz ist geil, aber ein deutscher Jugendlicher, der in der Türkei verhaftet wurde, nicht.
Manch einer fragt sich, ob Flirten und sich Verlieben in der Türkei längst unter Strafe steht, wenn man die Kampagne über die Verhaftung des 17 jährigen Deutschen verfolgt, ich dagegen frage mich, warum das 13 jährige Mädchen beim Flirten um Hilfe schreit, ihre Freunde sie aus der Situation befreien müssen und die Mutter hinzu rufen, die dann eine Anzeige wegen versuchter Vergewaltigung erstattet.
Außerdem frage ich mich, warum nach dem Verlieben, die daraufhin untersuchenden türkischen Ärzte einen Vergewaltigungsversuch attestieren, weil sie Sperma im Vaginalbereich des Mädchens finden.
Letztendlich frage ich mich, warum der Fall kurz vor der Urlaubssaison losgetreten wird, obwohl die Tat sich vor über zwei Monaten ereignet hat und alle Fakten bekannt sind.
Es hätte alles vermieden werden können und einige Personen würden jetzt nicht ganz so dumm dastehen, wenn sie nicht zwanghaft versucht hätten, diesen Fall mit der EU-Aufnahme der Türkei infrage zu stellen, ihnen Terror von falschen Moralvorstellungen vorzuwerfen und den alljährlichen Drang zu widerstehen, die Türkei mit ihren Mitteln als Urlaubsziel zu zerstören.
Manche versuchen es mit Bomben, andere mit Lügen.
Geholfen hat es aber bisher nicht. Die Türkei kann wieder auf eine überragende Urlaubssaison hoffen.
Die Millionen von Touristen, die die Türkei lieben und lieben gelernt haben, davon abzuhalten das Land zu besuchen, werden dabei auch nicht die rassistischen Erwähnungen zugute kommen, dass der mutmaßliche deutsche Sexualstraftäter mit größtenteils osteuropäischen Kriminellen in einer Zelle sitzt.
Und auch der ständige Hinweis auf den amerikanischen Spielfilm „Midnight Express“ wird nichts daran ändern, der ebenfalls in den Medien bis heute als Wahrheit verkauft wird, obwohl Billy Hayes, nach dessen Buch der Film gedreht wurde, den Streifen als zu einseitig scharf kritisiert und der Autor Oliver Stone beteuert, absichtlich die Vorfälle in seinem Drehbuch stark überdramatisiert zu haben.
Warum sollte die Presse auch darauf eingehen? Ihre Lügen können sie schließlich nur mit anderen Lügen aufrechterhalten. Am Ende bleibt dann nur noch eine Wurst von unter Tarif bezahlten Schreiberlingen übrig, die sich längst vom klassischen ehrlichen Journalismus verabschiedet haben und stattdessen zu Marktschreiern von Kampagnen mutiert sind.
Die Texte gespeichert und die wertvollen Schlagwörter gut behütet in der Schublade.
Sie werden wieder gebraucht.
Nächstes Jahr.
Zur selben Zeit.
Im selben Theater.
„The same procedure as last year, Miss Sophie?“
„The same procedure as every year, James“
Sahin Ed Karanlik
Veröffentlicht am: 24. June 2007 17:25
© Türkische Internet Community – http://www.turkcom.org
ob marco schuldig ist oder nicht sei mal dahingestellt. das wird das gericht schon entscheiden.
aber das er keine lümmeltüte benutzt hat, rechtfertigt meines erachtens schon die u-haft. der junge ist 17 !!! wurde der denn nicht aufgeklärt???? wo war er als in der schule sexualkunde unterrichtet wurde ??? weis er denn wie babys entstehen, oder glaub er noch an den klapperstorch.
wenn ich der richter wäre, würde ich dem jungen nur wegen der kapuzennummer 4 jahre lang den sex verbieten.
ach was sag ich denn?!?! die ” mr. ed jumps the gun” geschichte wird marco noch eine ganze weile verfolgen. bei der frauenwelt macht ihn das wahrscheinlich nicht unbedingt attraktiver
Zu Dilek G., die den Taz-Artikel “Ehre der türkischen Justiz” deshalb angreift, weil eine türkischstämmige Journalistin die Ehrauffassung in der Türkei kritisiert:
Also, liebe Dilek, ich hab es langsam satt, dass manche Leute der Auffassung sind, dass man das, was man liebt, nicht kritisieren darf. Ich finde den Artikel unmöglich, weil er eine falsche Verbindung aufstellt und einen Subtext hat, der nicht in den Kontext gehört.
Der Subtext selber allerdings ist akut: In der Türkei wie in anderen Ländern, und zwar nicht nur muslimischen, gibt es einen Ehrkomplex, oder Jungfrau-Feschismus. Das darf, kann und muss man kritisieren dürfen. Wenn du der Journalistin mangelnde Türkisch-Bewusstsein vorwirfst, plädierst du dafür, dass man ja keine Kritik äußern soll, wenn man Türke ist. Übertragen auf Deutschland müsste das wohl bedeuten: Nur nie über Neonazis schreiben und Kritik üben, wenn man patriotischer Deutscher ist. Das ist doch Blödsinn. Was man liebt, muss man kritisieren. Wenn man die Ehr-Scheiße in der Türkei bescheuert findet, muss man nicht verdeutscht sein. Dafür reicht gesunder Menschenverstand und Menschenfreundlichkeit.
Nichts ist so groß wie die menschliche Dummheit.
Hic bir sey, Insanin aptalligina denk gelmez. (kann man das so übersetzen?)
Hicbir sey insanin ahmakligi kadar devasa (büyük) olamaz. / hört sich für mich besser an // denk gelmek = 1. genauso groß im Sinne von “passen”: Ayakkabi ayagima tam denk geldi = der Schuh paßt meinem Fuß wie angegossen, 2. treffen auf: Dogumgünüm bu yil pazar gününe denk geldi = mein Geburtstag trifft (fällt) dieses Jahr auf einen Sonntag, oder Kapidan ciktim, Ali´ye denk geldim = Aus der Tür heraus, traf ich (auf) Ali ;)
Zu Adnan: ich sehe das ähnlich. die reaktionen in deutschland lassen sich nur erklären, wenn man in rechnung stellt, dass viele deutsche den türken eine islamische moral unterstellen. und die interessante frage ist ja: kümmern sich die türken um die islamische moral eigentlich
ich meine sogar, dass die basis der jetzigen reaktionen gar nicht so falsch ist: denn in der tat ist es wohl für die meisten türken undenkbar, dass ihre töchter ein relativ freizügiges sexualleben haben. deshalb ist wohl folgendes passiert: ein vorurteil, das ja nicht unbedingt ein fehlurteil ist (viele türken haben traditionelle sexualmoral, zumindest tun sie so), verbindet sich mit der version der eltern des jungen, dass nur ein flirt stattgefunden hat, dazu kommt die verhaftung, die scheinbar nur wegen eines kusses vorgenommen wurde, und schon haben wir den unschuldigen deutschen jungen, der von den islamischen sittenwächtern wegen eines kusses mit 30 räubern, mördern und vergewaltigern in eine zelle gesperrt wird. und voila: empörung.
Ich will mal provokant sein: wenn man bedenkt, dass vor einigen jahren die mhp einen jungfrauentest für krankenschwester verlangt hat, dass in der türkei frauen, die vor der heirat freiwillig sex haben, als verschmutzt oder was auch immer angesehen werden, dann zeigt sich doch, dass die ganze hetzkampagne zwar völlig an dem eigentlichen fall vorbeigehen mag, aber zugleich auf umstände referiert, die so absurd eigentlich nicht sind. es kann aber auch sein, dass fälle, in denen deutsche männer im iran sex mit muslimminnen gehabt haben sollen und dafür vor gericht gestellt wurden, auf diesen fall übertragen worden sind, obwohl das mädchen keine muslima ist. nun ja, das sind überlegungen, die natürlich meine ansichten aus den oberen beiträgen unberührt lassen.
Deutscher in türkischem Gefängnis
Kein Herz für Mehmet
In der Türkei leidet ein weiterer Deutscher im Gefängnis – doch weder Medien noch Politik engagieren sich für ihn. Ob es am Vornamen liegt?
Von Kai Strittmatter, Istanbul
Ein türkisches Gefängnis
Foto:
Aus einem türkischen Gefängnis kommt ein Hilferuf. Von einem Deutschen, der dort in einer Zelle sitzt. Verhaftet auf einer Urlaubsreise. Unschuldig, wie er sagt. Zu Unrecht, wie auch Amnesty International (AI) meint.
Nein, sein Name ist nicht Marco W. Sein Bild erscheint nicht in den Fernsehnachrichten, vor seinem Gefängnis stehen auch keine Ü-Wagen deutscher Sender. Er heißt Mehmet Desde, ist aus Landshut, Sohn einer Gastarbeiter-Familie. Ein deutscher Staatsbürger kurdischer Abstammung. Sein Name ist kaum einem Deutschen ein Begriff.
Dabei begann sein Leidensweg schon vor fünf Jahren. “Warum setzt sich für ihn keiner so ein?”, fragt Helmut Oberdiek vom Demokratischen Türkeiforum. “Desde hätte mindestens so viel Aufsehen verdient wie Marco W. Gegen ihn liegt nichts vor, was internationalen Normen standhalten würde.
Die Geschichte des Mehmet Desde ist eine von Willkür und Folter. AI hat sich seiner angenommen als gewaltfreiem politischen Gefangenen und sieht in dem Fall einen Beweis “für ein anhaltendes Muster unfairer Prozesse” in der Türkei.
Desde war im Juli 2002 in das Land gefahren, um dort seinen in Deutschland verstorbenen Vater zu beerdigen. Anschließend machte er Urlaub an der Ägäisküste, wo er den in Berlin lebenden Journalisten Mehmet Bakir traf. Zum Verhängnis wurde den beiden, dass zu der Zeit in Izmir Flugblätter einer obskuren “Bolschewistischen Partei Nordkudistan/Türkei” verteilt wurden.
Die Polizei suchte die Hintermänner der Aktion – und stolperte dabei über Desde und Bakir. Am 9. Juli 2002 wurden sie verhaftet. Als Anfangsverdacht genügte offenbar, dass die beiden Kurden waren und ihre Familien aus der linken Hochburg Tunceli stammen.
Dass sie beteuerten, weder Terroristen zu sein noch jemals von der Bolschewistischen Partei gehört zu haben, dass Desde sich weigerte, ein vorformuliertes Geständnis zu unterschreiben, stachelte den Ehrgeiz der Beamten nur noch an: Ein Attest von Ärzten der “Stiftung für Menschenrechte” in Izmir stellte hernach Spuren körperlicher und psychischer Folter fest.
Desde selber berichtete, die Beamten hätten ihn geprügelt und die Hoden gequetscht. Einmal hätten sie gedroht, ihn in ein Fass mit Beton zu stecken und ins Meer zu werfen. Das Ergebnis dieser “Ermittlungen”: eine Verurteilung zu 50 Monaten Haft wegen “Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation”.
Das Urteil wurde am 26. Dezember 2006 vom Obersten Gericht in Ankara bestätigt, obwohl währenddessen noch ein zweiter Prozess auf sein Ende wartete. Angeklagt dort: die Verhörer von Desde, wegen Folter.
Dieses zweite Verfahren war mit der Unterstützung des deutschen Generalskonsulats in Izmir eröffnet worden. Bis zu ihrer letztinstanzlichen Verurteilung 2006 waren Desde und Bakir meist auf freiem Fuß, durften die Türkei jedoch nicht verlassen.
Der heute 48jährige Desde hat seine Wohnung und seine Arbeit in Deutschland verloren, Bakir ist seit fünf Jahren getrennt von seiner in Berlin lebenden, ebenfalls kurdischstämmigen Frau. Am 8. Juni trat Desde als erster der beiden in Manisa die Haftstrafe an.
Diese Woche erreichte Oberdiek vom Türkeiforum ein erster Brief aus der Zelle: Desde darf weder Sport treiben noch die Bibliothek benutzen, eine Matratze gebe es nicht, dafür zwei schmutzige Decken.
Oberdiek fragt sich, warum um Desde nicht ebensolcher Rummel gemacht werde wie um Marco W.: “Liegt es vielleicht daran, dass er Mehmet mit Vornamen heißt?”
Und ich frage mich immer noch woher Sie alle die Informationen haben, dass an dem Mädchen Missbrauchsspuren festgestellt wurden. Was habe ich nicht mitbekommen? Und bedeuten tote Spermien und ein strapaziertes Jungerfernhäutchen, dass jemand der behauptete 15 zu sein, sexuell missbraucht wurde? Ich glaube eher nicht. Nein, ganz im Gegenteil – ich bin absolut gegen Vergewaltigung, aber man muss auch mal die Seite der Männer/Jungen sehen. Einerseits sollen sie die treibende Kraft sein, andererseits kann man ihnen jederzeit unterstellen sie hätten einen sexuell missbrauchen wollen – dagegen bin ich ebensosehr, aber das lässt sich nunmal nicht ausschliessen – das ist nunmal eine Zwickmühle – und wahrscheinlich hat der Medien und Staatsrummel dem Ganzen nicht wirklich gut getan.
Und wo kann ich lesen, dass sie um Hilfe gerufen hat?
Hier gibt es eine Online-Petition, die die sofortige Freilassung von Marco Weiss fordert:
http://www.petitionfans.com/showPetition.php?id=16
Ich “ermittle” schon längere Zeit im Fall Marco und bin sehr dankbar über die Erläuterungen hinsichtlich der Verflechtungen zwischen BILD und Hürriyet. Es ergänzt das Bild vom politisch-juristischen Schmierentheater, das keine Rücksicht auf humanitäre Erwägungen kennt, sondern profitgeil von der Skandalpresse gelenkt wird.
Wieso müssen die Deutschen von der Türkei immer als Rassisten beschimpft werden, wenn wir aus unserer Sicht inhumane, brutale Verrhaltensweisen anprangern? Die Amis oder Russen tun das doch auch nicht, von den Chinesen ganz zu schweigen. Die Kritik wird zurückgewiesen, o.K., aber muss es immer gleich “Rassismus” sein. Schaut mal,
wenn ihr einen deutschen Familienvater einen Monat in eurer Ausländerzelle festhaltet, weil er angeblich eine “Antiquität” illegal ausführen wollte, und der sich mit 30 Kriminellen um ein Plumpsklo und eine Dusche streiten muss, dann finden wir das ärgerlich. Wenn ihr das gleiche monatelang mit einem 17jährigen Neurodermitiker macht, ihm medizinische Salben verweigert, sein leukämiekranker Vater und seine Mutter ihn 10 Minuten pro Woche sehen dürfen und auf Spendengelder ANGEWIESEN sind, weil sie die monatelange seelische Folter auch bezahlen müssen, dann kriegen wir einen ganz dicken Hals, der schon mal in Formulierungen mündet, die diplomatisch gesehen etwas unangebracht sind. Natürlich macht es politisch keinen Sinn, die Freilassung von Marco zu fordern. Natürlich könnte Marco auch in Deutschland vor Gericht gestellt werden, das hätte dann z.B. zur Konsequenz, dass die deutschen Behörden begründete Zweifel an der Belästigungs- bzw. Vergewaltigungstheorie anmelden würden und ihn in dubio pro reo nicht bestrafen würden. Die ganze Anklage stützt sich auf behördlich zusammengefasste Aussagen einer 13jährigen, die ihrer Mutter und der Poizei gegenüber erklären musste, warum ihr Jungfernhäutchen gereizt ist und wo das Sperma herkommmt! Da 13jährige Mädchen in solchen Fällen natürlich immer die Wahrheit sagen, kann die U-Haft für Marco mit all ihren Bedingungen natürlich nur gerechtfertigt sein! Eine Überstellung nach Deutschland wäre wohl zu viel der Gnade.
Darf man eigentlich 13jährige Mädchen zwingen, sich gynäkologisch untersuchen zu lassen, wenn sie selbst behaupten, es wäre nichts vorgefallen – muss man autorität mittels “Beweisen” wie gereiztem Hymen oder Spermaspuren sie nötigen, sich auf eine Aussage festzulegen, mit der sie ihr eigenes Schicksal und das ihrer Umgebung bestimmen? Wer will hier Notlügen anprangern und wer will hier umfassende Wahrheit fordern, die lebenslange Schande bedeuten kann oder lebenslange Vorwürfe?
Wäre Charlotte meine Tochter und ich hätte sie emotional aufgewühlt vorgefunden, nachdem sie mit älteren Jungs in der Disco war, hätte ich auch wissen wollen, was gewesen ist. Bei Verdacht auf eine sexuelle Straftat hätte ich wohl auch die Polizei gerufen und nicht ihren Worten vertraut. Natürlich leugnen Vergewaltigungsopfer auch aus Scham. Wenn ich dann den ärztlichen Beweis für Geschlechtsverkehr OHNE KONDOM erhalten hätte, wäre meine Tochter unter Zugzwang gewesen: für Vergewaltigung gab es keine Anzeichen, darf sie in der Situation einvernehmlichen Sex zugeben? Welches 13jährige Mädchen würde denn – mal angenommen dies wäre die Wahrheit – vor den aufgebrachten Eltern und der Polizei zugeben, dass sie sich einvernehmlich von dem süßen, netten german boy entjungfern lassen wollte, dies aber nicht geklappt hat, weil er so vorsichtíg war und schon gekommen ist, als sie seinen Penis an ihrem Häutchen rieb. Jedes dritte MÄdchen in Deutschland hat Sex mit einem älteren Jungen vor ihrem 14. Geburtstag. Bitte melden, wer sich gegenüber den Eltern und der Polizei so outen würde!!!
Benedikt
Benedikt, vielen Dank für Deinen Beitrag! Nach all den Beiträgen, die ich zu dem “Fall” in den diversen Foren gelesen habe ist das endlich mal einer, der es auf den Punkt bringt.
“Darf man eigentlich 13jährige Mädchen zwingen, sich gynäkologisch untersuchen zu lassen, wenn sie selbst behaupten, es wäre nichts vorgefallen – muss man autorität mittels “Beweisen” wie gereiztem Hymen oder Spermaspuren sie nötigen, sich auf eine Aussage festzulegen, mit der sie ihr eigenes Schicksal und das ihrer Umgebung bestimmen?”
DANKE!
Lieber Benedikt, warum wir manche von euch als Rassisten beschimpfen ist doch klar, erstens: weil wir, nach fast 50 Jahren, immer noch als Kanaken beschimpft werden. Zweitens: die Deutschen sind eben die “Weltmeister“ in der Geschichte mit den meisten rassistischen Todesopfern. Auch eine Weltmacht USA kann mit ihrem Ku-Klux-Klan da nicht mithalten.
Hier noch ein Beispiel aus dem Alltag:
Maxim (Atilla A.) war ein junger, dynamischer und sozial sehr engagierter Mensch. Er war in jeden Kiez zu Hause, jeder kannte ihn, schätze seine Arbeit und nicht zuletzt seine Persönlichkeit. Er gab Jugendlichen verschiedenster kultureller Herkunft eine Perspektive, förderte junge Talente in Musik und Tanz und leistete so einen enormen Betrag zur Integration. Am 13.06.2003 seinen Geburtstag wurde er in Berlin – Köpenick von einen “Rassisten“ niedergestochen. Sein Mörder wurde von der deutschen Justiz freigesprochen. MAXIM ist kein Einzelfall. Die Ignoranz des deutschen Staates gegenüber den Opfer rassistischer Übergriffe hat System. Jeden Tag werden in diesen Land Menschen wegen ihrer Herkunft oder Einstellung verletzt, ermordet oder eingesperrt.
Was war passiert?
MAXIM, wurde am 13.06.2003 von dem über 70 jährigen Rentner Werner P. mit einem Messerstich in`s Herz ermordet. Der Tat vorausgegangen, war ein Streit zwischen Werner P. und der Frau von MAXIM, wobei Werner P. MAXIM`s Frau „Diebstahl“ vorgeworfen hatte, weil diese beim Einkaufen keinen Einkaufswagen benutzt hatte. Beim Versuch den Streit zu schlichten, wurde MAXIM von Werner P. grundlos niedergestochen und verstarb kurze Zeit später an den Verletzungen. Werner P. wurde später von der deutschen Justiz freigesprochen, der Mord an MAXIM wurde so im nachhinein legitimiert.
Der Freispruch folgt dem rassistischen Vorurteil, dass junge Türken nun mal „gefährlich und gewaltbereit“ seien und das es bei Meinungsverschiedenheiten legitim ist sie abzustechen, anstatt normal mit ihnen zu reden.
Quelle: Prograffiti (www.prograffiti.tk)
Was dich an einem Verhafteten Familienvater (Antiquitätendieb) ärgert, der etwas aus dem Land schmuggeln wollte, verstehe ich ehrlich gesagt nicht oder sollte ich es doch verstehen, ah ja, stimmt ja, ihr seit auch
. Bei Marco denkst du aber anders, da heißt es plötzlich „IN DUBIO PRO DEUTSCHEN“, bei der deutschen Justiz Normalfall.
“Weltmeister“ im Kunstschätzeklau, noch immer weigern sich deutsche Museen, Ansprüche von NS-Opfern anzuerkennen.
Außerdem bezeichnest du alle, in der Türkei, in Untersuchungshaft befindlichen Personen als Kriminelle, “weil sie sich um einen Plumbsklo (Alaturka Tuvalet) streiten“
Last but not least frage ich alle Männer, habt ihr mit 17 Jahren mit einer 13jährigen geschlafen? Ich habe es nicht, ich wäre mir wie ein Kinderschänder vorgekommen, was hätte meine Clique dazu gesagt?
Weißt du mein Lieber Benedikt, als jugendlicher kannte ich niemanden, der mit 17 mit einer 13 Jährigen befreundet war, geschweige denn mit ihr Sex hatte, weil in diesem Alter ein paar Jahre einen “Gewaltigen Unterschied“ machen.
PanTau
PS: Wie kannst du in diesem Fall “ermitteln“, da du weder Akteneinsicht hast, noch Zeugen befragen kannst. Das solltest du lieber der türkischen Justiz überlassen.
Lieber PanTau,
viele türkische Frauen, Arbeitskolleginnen meiner Mutter geben der englischen Mutter die Hauptschuld an der Misere, weil sie ihre Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen hat. Die Mutter wusste, dass ihre Tochter 13 ist. Wieso lässt sie es zu, dass das Mädchen halbnackt am Strand rumläuft, Alkohol trinkt und einen älteren Jungen in ihr Bett einlädt (wie der TÜRKISCHE Arzt aussagte, und vor vier Monaten schon niederschrieb)?
Woher sollte Marco ahnen, dass das Mädchen erst 13 ist.
Der Arzt selber schätzte sie auf 16 oder 17.
Erwartest du von einem 17jährigen Jungen, dass er sich den Reisepass zeigen lässt, wenn er ein Mädchen in der Disco trifft, die Alkohol trinkt und eine Lizenz vom Hotel dazu erhalten hat? Wurde das Hotel verklagt wegen Abgabe von Alkohol an ein Kind?
Aus der Tatsache, dass Charlotte 13 ist, kann sich doch keine automatische Bestrafungspflicht ableiten, wenn der Junge selbst getäuscht wurde; hierbei darfst du auch nicht vergessen, dass in Deutschland Sex zwischen 17jährigen und 14jährigen vom Gesetz her o.K. ist, ja, so pervers sind wir wirklich! Wenn dann ein Mädchen noch nicht ganz 14 ist und schon bereit für Sex ist, muss man den getäuschten Jungen natürlich dafür öffentlich als Kinderschänder anprangern und mit Höchststrafen drohen, alles klar. “Von Vergewaltigung kann keine Rede sein” hatte Charlotte bei ihrer dritten Aussage vor der Polizei betont, zuvor hatte sie Marco in Schutz genommen, aber das wird ja gerne verdrängt von allen, die in ihm einen Schwerverbrecher sehen wollen, trotz “erdrückender” Beweise für den einvernehmlichen Entjungferungsversuch. Bei mir in Mönchengladbach bekam ein 19jähriger kürzlich 9 Haft, weil er seine Ex-Freundin mit 32 Messerstichen abgeschlachtet hat, nachdem er sie mit einer Bierflasche bewusstlos geschlagen hat. Bei guter Führung kann er nach 6 Jahren auf Bewährung raus. 6 Jahre. Was soll der Scheiß da mit 15 Jahren wegen Vergewaltigung bei einem Mädchen, dass davon nix mitbekommen haben will und keine Gewaltspuren erkennbar waren. Geht’s noch. Die Höchsstrafe bei Vergewaltigung eines Kindes ist berechtigt, wenn ein kleines Kind von einem 30jährigen Schwein vergewaltigt würde, und das Kind fast dabei draufgeht.
Gegen Marco diese zu fordern ist eine Frechheit.
Benedikt
Hab mir grad noch mal den Bericht von Jörg Koch durchgelesen über seine Erlebnisse in der Ausländerzelle, falls es keiner mehr weiß: das ist der Vater, der auf der Straße zwei Steine gefunden hat und in seinen Rucksack steckte = Antiquitätenschmuggel, 10 Jahre Höchststrafe, er hat 2 Jahre bekommen, lukrativ umgewandelt in eine Geldstrafe von € 9000; ich vermute mal, dass sich seitdem grundsätzlich nicht viel an den Rechtsstaatprinzipien in der Türkei geändert hat: a) Tatverdacht reicht für Schuldspruch, b) in dubio contra reo, c) Entlastungsmaterial kann nie einen Freispruch erzwingen sondern nur strafmildernd wirken.
Für Marco bedeutet dies (irgendwann): 2 Jahre Haft, die er in Deutschland wegen des Umrechnungsfaktors 3xTeenager-Hölle nicht absitzen muss. Bei einer Umwandlung in eine Geldstrafe kann die Türkei noch mal richtig bei dem krebskranken Vater abkassieren, der die unverhältnismäßige U-Haft sowieso nur durch Spendengelder bezahlen kann. Ich hab €50 überwiesen, und werde dies noch mal tun, wenn Richter und Staatsanwalt sich auf die Lösegeldzahlung verständigt haben.
Es ist ein politscher Witz was dort geschieht zum
Nachteil von Marco. Diese dubiose Charlotte gehört in den Knast, nicht andersherum. Wenn Marco zu Weihnachten nachhause darf wird er größeren Schaden erlitten haben als Charlotte.
Soweit ich weiss war im ersten Bericht der UNMITTELBAR nach der “Tat” von einem Krankenhausarzt verfasst wurde die Rede davon dass das Hymen UNVERSEHRT gewesen ist. Ganz nebenbei hat weder das Mädchen das direkt daneben gelegen hat, noch die Schwester auf dem Balkon IRGENDETWAS von der “Vergewaltigung” mitbekommen. Angeblich weil die eine so unheimlich fest geschlafen hat, und das Fenster zum Balkon so really, really dick war. Extrem glaubwürdig, really. Statt einer zügigen Verhandlung auf der Basis dieser UNTERSUCHUNG und der unmittelbar erfolgten ZEUGENAUSSAGEN aller Beteiligten die sich irgendwie komischerweise stark widersprechen (die der Mädchen untereinander) erleben wir einen Operettenprozess der nach ein paar Verhandlungsminuten immer nur vertagt wird, die Zeugenaussagen liegen angeblich nach einem halben Jahr immer noch nicht “dem Gericht vor”, geschweige denn findet eine Beweiswürdigung statt. Und der Richter möchte lieber zur Sicherheit noch ein paar Nach-, Neben- und Sondergutachten haben die per Ferndiagnose ein halbes Jahr nach der Aktion und trotz des Vorliegens eines unabhängigen Gutachtens durch einen türkischen Krankenhausarzt irgendwie dann doch noch ein paar schwere Verdachtsmomente konstruieren. Schliesslich hat die deutsche Politik (in ihrer liebenswerten unterbelichteten Pogromstimmungsmache aus der letzten Deppenreihe im Parlament damit die auch mal zu Wort kommen) ja den Richter erzürnt, weil beleidigt, und überhaupt.
Tatsächlich ist dieser Prozess eine Frechheit gegenüber all den Frauen die TATSÄCHLICH vergewaltigt werden und Mühe haben, mit tatsächlich schlagenden Beweisen, einschlägigen Verletzungen und dergleichen ihre Peiniger überhaupt vor Gericht zu bekommen. Da ich mit einigen solchen Fällen persönlich bekannt bin, finde ich das überhaupt nicht lustig. Und es sollte auch wesentlich drakonischer bestraft werden, damit Vergewaltiger und Gewalttäter nicht nach 2 Jahren lustig wieder draussen rumlaufen oder über Kindergärten einziehen. Nur, offensichtlich erfundene Vergewaltigungsvorwürfe sollten tatsächlich zu Strafe führen – für denjenigen der sie erhebt.
Zu der von Herrn Aycan beantragten Höchststrafe von 15 Jahren möchte ich nur eines feststellen: Charlotte lebt, sie ist nicht an ihren Verletzungen gestorben.
In ihrer nach Monaten eingetroffenen Videobotschaft soll sie ja jetzt behaupten, dass Marco sie hart geschlagen habe…aber ob das für versuchten Totschlag ausreicht?
Deutsche Juristen und Kriminologen haben sich von Anfang an auf die Seite ihrer türkischen Kollegen gestellt und die Haft für Marco mit dem §176 StGB gerechtfertigt: 10 Jahre werden da pauschal allen angedroht, die sexuelle Handlungen an unter 14jährigen vollziehen. Differenzierter erscheint da §176a: Mindeststrafen von 2 Jahren für über 18jährige (!), wenn sie mit einem Kind den Beischlaf vollziehen, 1 Jahr im minderschweren Fall möglich, nach Erwachsenenstrafrecht wohlgemerkt. 2 Jahre für Erwachsene, die das Kind in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringen oder die körperliche oder seelische Entwicklung erheblich schädigen (deswegen jetzt das Gutachten wegen der psychischen Schäden). Wer das Kind bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder in die Gefahr des Todes bringt: 5 Jahre. Gewaltspuren wären hier beweiskräftig – diese gibt es im Fall Marco nicht. Wer den Tod des Kindes zumindest leichtfertig verursacht: 10 Jahre Mindeststrafe, für einen Erwachsenen, und wie gesagt: hier liegt, was Jugendliche betrifft, die Höchststrafe für vorsätzlichen Mord nach deutschem Recht. Man sollte dem neuen Richter im Fall Marco sagen, dass Charlotte nicht gestorben ist, das Mädchen noch Jungfrau ist und es keine Gewaltspuren gab, das Mädchen selbst hat gegenüber dem Arzt verneint, dass ihr Gewalt angetan wurde, vor der Polizei sprach sie: “von Vergewaltigung kann gar keine Rede sein”…ich habe Mitleid mit dem neuen Richter.
Korrektur: Abdullah Yildiz muss weiter richten bzw. verschieben, obwohl er selber gar nicht mehr will. Marcos Fanclub (www.freiheit-fuer-marco.de) hofft auf Gnade wegen Weihnachten. Warum sollte sich Herr Yildiz für Weihnachten interessieren? Oder Marcos Intimfeind Öman Aycan (www.antalyabarosu.org.tr)? Charlottes vor Monaten gemachte Aussagen könnten zwar Mitte Dezember dem Gericht vorliegen, aber was ist mit dem Gutachten, das die psychischen Schäden belegen soll? “Seite-Eins-Girl” in der “Sabah”, oben ohne, und das schon mit 13, ohne Verdeckung des Gesichts, von deutschen Reportern auf dem Schulweg belästigt und aus dem Haus vertrieben, öffentlich als Trinkerin dargestellt, die sich vom nächstbesten Jungen entjungfern lassen wollte, Sorgerechtsstreit der Eltern, Millionen erwarten von ihr, dass sie ihre Aussagen zurückzieht und sich vor der Öffentlichkeit als Lügnerin outet…da kommt was zusammen…und wem muss man das alles in die Schuhe schieben? Einem Teenager, der aufgrund seiner Naivität und der Skrupellosigkeit von Medien und Politik seit April in der U-Haft verschimmelt. Beide Teenager scheinen Wert darauf zu legen, bei ihren Aussagen zu bleiben. Man sollte sie damit leben lassen, wenn es beiden ein würdevolles Weiterleben sichert! Herr Yildiz muss irgendwann ein Urteil fällen, und zwar ohne begründete Zweifel an Marcos Schuld. Da Charlotte noch lebt, wird’s schwierig mit der Höchststrafe. Mein Vorschlag: Marco hat definitiv ein Kind sexuell missbraucht, wir werfen ihm Fahrlässigkeit vor, weil er keine Ausweiskontrolle durchgeführt hat und schieben ihm die psychischen Schäden bei Charlotte in die Schuhe, welche Eltern, Politiker und Medien zu verantworten haben…was kommt dabei raus? Völlig egal, da Marco sofort frei ist, wenn er deutschen Boden betritt.
In Deutschland darf ein 20jähriger deutscher Mann ein 14jähriges türkisches Mädchen verführen…selbst wenn das Mädchen überhaupt nicht aufgeklärt war – es liegt keine Straftat vor, nach deutschem Recht. Der Mann hat also strafrechtlich nichts zu befürchten…da erzählt das Mädchen ihrem Vater, dass sie gar nichts mitbekommen habe und plötzlich von einem stechenden Schmerz aus dem Schlaf gerissen wurde. Was sollte der Mann dann tun? Er könnte zum Beispiel die Aussage des Mädchens bestätigen und um Gnade winseln, oder er verkündet der Weltöffentlichkeit, dass das türkische Mädchen sauer war, weil er es nicht entjungfert habe. Wäre auch eine Möglichkeit, die aber dazu führen könnte, dass er bald darauf von einem stechenden Schmerz aus dem Schlaf gerissen wird…dies nur als ein Erklärungsmodell für den Hass, der sich offenbar gegen den Jungen richtet.
Öger-Tours hat Marco nach Hause gebracht, wer will ihn wieder hinbringen? Am 1. April. Hätte nicht gedacht, dass die türkische Justiz so viel Sinn für Humor hat. Frau Merkel wird was dagegen haben, dass der Junge in ein Land zurückgeschickt wird, das ihn mit 15 Jahren Freiheitsstrafe bedroht – ohne irgendeinen Beweis für ein Verbrechen aufbieten zu können. Der Prozess muss natürlich zu Ende gebracht werden, in Deutschland…zahlreiche Vertreter der Presse und führende Juristen werden natürlich darauf bestehen, dass der Junge zwangsweise an die Türkei ausgeliefert wird, ich denke aber doch, dass sich die Bundesregierung aufgrund ihrer Zusagen an die Eltern letztlich durchsetzen wird. Vor einem deutschen Gericht muss Marco in allen Punkten freigesprochen werden…was nicht heißen würde, dass Charlotte alles erlogen hat…es würde nur bedeuten, dass die Bundesrepublik Deutschland ein Rechtsstaat ist. Schwere Vorwürfe eines Teenagers, eine Anzeige, die nicht zurückgenommen wird, alles sehr belastend, Fluchtgefahr…schlimm, schlimm…was von Anfang an fehlte war beweisbarer dringender Tatverdacht bezüglich eines Verbrechens.