Genial auf Istanbuler Art: You´re too good to be true
von Dilek ZaptciogluIch kann mir keinen Türken vorstellen, dessen Leben nicht durch Musik begleitet wird.
Mein ganzes Leben ist geprägt von Musik. Songs, die ich gerne hörte, deren Texte ich auswendig lernte, Platten, die ich sammelte, CDs, jetzt MP3-Downloads von Limewire – Musik, die die Stimmung begleitet, erzeugt, unterstreicht. Ein Leben ohne Musik, ohne Songs, ihre Lyrics, ihre Instrumente, ihren Rhythmus ist nicht vorstellbar.
Ein Leben nur mit türkischer “Kunstmusik” wäre merkwürdig einseitig, aber ein Leben ohne Zeki Müren oder Müzeyyen Senar ist noch unvorstellbarer. Das ist die Art von Musik, die man mit der Muttermilch aufgesaugt hat, sie entfaltet ihre Wirkung erst in späteren Lebensphasen, in denen es darauf ankommt. Da sagt Zeki Müren: “Sorma / Ne haldeyim / Sorma / Kederdeyim / Sorma yanginlardayim, zaman zaman” und wer nicht weiß, was “nöbetlerdeyim” heißt, verliert. Das Ganze ist nicht zu übersetzen (“Mein Leben wird mit der Liebe zu dir enden” -Ömrüm seni sevmekle nihayet bulacaktir), ohne daß es kitschig wird. Wie auch “Beni kör kuyularda merdivensiz biraktin” (wenn ich es übersetze, dreht sich Münir Nurettin im Grabe um).Â
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You´re too good to be true / Can´t take my eyes off you / You´d be like heaven to touch / Oh I want to hold you so much - das versteht man doch eher, oder?Â
Viel reden wir ja über Synthesen – Ost & West sind natürlich gemeint. Versöhnung statt Clash, Istanbul als Bridge, Crossing the Bridge als die Lösung unserer Probleme undsoweiter. Da gibt es eine echte Synthese, eine unglaubliche, und unglaublich gute, wie ich finde. You´re too good to be true mit Kanun und Klarinette! Da scheiden sich die Geister. Für manche ist die Dolapdere Big Gang unmöglich, ein Unding, ein seltener Unfug, aus westlicher Popmusik etwas völlig Orientalisches zu machen. Ich finde sie großartig.
                                             
Ein junger Istanbuler hat die Idee: Warum spielen wir nicht Beatles und Sting mit türkischen Instrumenten, fragt er sich, könnte cool klingen. Gute Musiker von der Straße, aus den Clubs und Tavernen kommen zusammen. Der Bandleader ist, glaube ich, am Klavier. Den Pepp und die Qualität bringt aber Emir Yesil ein, der 26jährige Sänger, der an der Bilgi Universität Istanbul Jazz studierte und eine hervorragende Stimme hat. Ein genialer Vokalist.
Das Ganze hört sich so an:
http://www.dolapderebiggang.com/tr/albumler/1/musicbox.html
Was ist im ersten Album namens “Local Stragers” so drauf?
“Englishman in New York” zum Beispiel, ”Smoke on the Water”, “Losing my Religion” oder eben “Can´t take my eyes off you”.
Es klingt absurd, aber Deep Purple mit Instrumenten wie “kanun” oder Geige nachzuspielen, und (für unsere Ohren) perfekt zu klingen, ist eine Hochleistung. Ein Spaß ohne Gleichen. Ein so herrliches Erlebnis, daß Dolapdere Big Gang eine große Nummer geworden ist und bisher Hunderte von Konzerts gegeben hat.
Heiß zu empfehlen!
Apropos Empfehlung:
Eine meiner Favorit-Sängerinnen ist derzeit Isin Karaca (Bild ganz oben). Sie hat eine großartige Stimme und Songs wie “Tutunamadim” – ein Superlied (“Senden sonra, ne tam mavi / Ne tam sari olmadi / Hafif bir söz gibi belki / Ama öyle, yerin dolmadi/ Ben sansimi zorladim / Ayakta kalmak icin / Tutunamadim, tutunamadim /  Siirlere, sarkilara / Izimi sürer sesin, ben nereye, sen oraya / Tutunamadim, tutnamadim / Dogdugum sehirlere / Önüme düser gölgen / Sen nereye, ben oraya…”).
Wer es etwas arabesker mag, sollte Funda Arars letzte CD nicht verpassen. Auch sie hat eine der besten aktuellen türkischen Stimmen und manch eindrucksvollen Song, wie Camdan Kalp. Übersetzt sagt sie “Seitdem du fort bist, blieb mir dein Geruch im Kissen, als Gast / und vor meinen Augen regnet es unentwegt…” Eigentlich: Haylaz yagmurlar yagdi! Wie übersetzt man dies? Nein, türkische Liebes- und Lebensgefühle sind leider nicht ins Deutsche übersetzbar. Â
Auch eine Istanbuler Band sollte man nicht vergessen: Duman. Mein Lieblingssong von ihr, und er gehört schon in eine lebenslange Topten-Liste, ist “Herseyi Yak”. Diesen Text werde ich gar nicht versuchen zu übersetzen. Fängt etwa an wie “Verbrenne mich…” Ich mache nur auf die Zeile aufmerksam: “Varligin da, yoklugun da yetmiyor.”
Das ist es.
Â
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danke für den Link! Sehr schöne Musik……
Der Film The Sound of Istanbul war auch sehr tiefgreifend. Diese Tiefgang fehlt mir in Deutschland gänzlich. Es ist schon alles besonders.
Leider ist mir die Gruppe Dolapdere, etwas zu verstimmt nach meinem Geschmack, das passt alles nicht so richtig zusammen. Diese Gitarrenklänge im hintergrund hat was naives, mochte ich noch nie. Alles andere ist ok.
meine derzeitigen Favoriten: Işın, ja klar, Fikret Kızılok: “Gönül”, Şükriye Tutkun, Sarı Gelin in allen Versionen, Ordu’nun dereleri…, aber immer auch Goran Bregovic.
)
Und die Musik vom Schwarzen Meer hat viel Verwandtschaft mit der vom Balkan…..
Yarım İstanbul’lu mesken mi tuttun, aman
Danke, Dilek – das ist die Musik, die in der nächsten Zeit in meinem Zelt spielen wird
)
Frau Zaptcioglu, erklären Sie mal besser, warum der Burhan Öcal so komische Zuhälterfotos gemacht hat.
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http://www.minaretta.twoday.net
“…hätte man keine so unbefangenen Herzen gefunden,
keine so ähnlichen Geschmäcker,
keine so einträchtigen Empfindungen.”
Hallo Dilek,
wir sind wohlbehalten wieder zuhause angekommen. Unsere Gedanken sind aber noch in Istanbul. Als musikalische Erinnerung habe ich mir eine CD des “Taksim Trios” mitgenommen, während meine Frau mehr auf Åžebnem Ferah steht (Istanbul Konseri). Geschmäcker sind halt verschieden…
Bilder schicke ich sobald sie aus dem Labor kommen (noch ganz konservativ auf Film aufgenommen).
Bis dann,
Almanya’dan çok selamlar!
ich konnte heute meinen augen kaum glauben:
und hakan, verrate nicht, wo ich zur zeit herumstreune
heute sah ich an der uni das erste gepiercte kopftuchmaedchen!ich musste zweimal hingucken, um das zu glauben. Dilek, erklaer mir das
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Hab’s bei mir drüber auch gepostet.
Die Musik verdient es, daß alle Blogger hier darüber berichten…