In eigener Sache: Wie findet Ihr die Umstellung?

von Dilek Zaptcioglu

Istanbulblog schliesst hiermit sein zweites Jahr ab und schreitet in ein drittes. Dabei findet eine richtig radikale Umwälzung auf www.taz.de statt. Sogar ich habe Probleme, meinen Blog wiederzufinden.

Deshalb bin ich gespannt: Habt Ihr Probleme, zum Istanbublog zu gelangen? (komische Frage: wenn Ihr das liest, dann seid Ihr ja da, aber vielleicht doch über sieben Brücken gehend?)

Neues Lesezeichen: http://blogs.taz.de/istanbulblog/

Wie findet Ihr es, daß die Kommentare nicht automatisch unten angehängt sind?

Zu den Kommentaren gelangt Ihr, indem Ihr auf der obigen Seite blogs.taz.de/istanbulblog die Überschrift meines jeweiligen Blogartikels anklickt und dieser sich auf einer neuen Seite öffnet: Darunter ist die Kommentarschlange. Mit türkischen Buchstaben hat das System offenbar Probleme…  

Dann geht es bald weiter mit dem neuen Eintrag, natürlich über den heißen summer on the floating island Büyükada, dieses Jahr mit einem wunderschönen kleinen Boot, über die Möwen und die Wellen, darüber, warum Männer kommen müssen, wenn eine Frau sie zu sich ruft, und sie es dennoch nicht tun, und das übliche rege Politgeschehen in der türkischen Hauptstadt Istanbul. Alles never ending stories… 

 

 


11 Kommentare zu "In eigener Sache: Wie findet Ihr die Umstellung?"

  1. - Habt Ihr Probleme, zum Istanbublog zu gelangen?
    Nö. Musste einmal Lesezeichen ändern, das war es dann.

    - Wie findet Ihr es, daß die Kommentare nicht automatisch unten angehängt sind?
    Ärgerlich. Wo sind sie denn jetzt?

    Aber viel wichtiger: Schön, dass du aus deinem Nichtschreib-Loch wieder heraus bist! :welle: :-)
    Ist ja nicht so, als hätte es nicht einige spannende Geschichten in der letzten Zeit gegeben.
    Ich sage nur Fussball WM, Halbfinale:
    - Grandios kämpfende Türken, die drei Spiele in der letzten Minute gedreht haben und erstmals ins EM-Halbfinale einzogen!
    - Ein Halbfinale, bei dem die Türkei die aktivere und optisch bessere Mannschaft war, aber in der letzten Minute ihre eigene bittere Medizin kosten musste!
    - Ein Spiel, vor dessen nachfolgenden Ausschreitungen zuvor viel Angst bestand und nach dem Deutsche und Türken gemeinsam feiern konnten – sind die Gräben doch nicht so tief wie gefürchtet, hat sich in den letzten Jahren etwas geändert?
    - Nicht zuletzt und ganz aktuell: Deutschland ist Vize-Europameister, während es in den beiden letzten EM’s 2000 und 2004 nicht ein einziges Spiel gewann!

    Oder Politik: Wie siehst du die Verbotsverfahren gegen die AKP und die kurdische Partei? Laut einer deutschen Zeitung sollen die beiden zusammen über 2/3 aller gewählten Abgeordneten stellen. Wer bestimmt eigentlich über die Türkei? Die Wähler, die Armee, die Gerichte?

    - Sommer in Istanbul: Wie sieht es jetzt aus? Wo ist es gerade schön, wo nicht?

    Nachdem ich wieder mal mit viel Bedauern meine Fahrt streichen musste, würde ich mich um so mehr über Bilder und Eindrücke freuen!

    Ciao, Alex

  2. Eine optische Verbesserung, eine navigatorische Verschlechterung, finde ich.

  3. Es herrscht die neue Unübersichtlichkeit.
    Was ich besonders vermisse, ist die kleine Liste mit den neuen Blog-Einträgen, die bisher auf der Portalseite von taz.de ganz unten rechts zu finden war.
    Die will ich wieder haben!

  4. Ich verstehe diese Umstellung auch nicht, ich finde daran alles schlecht, nichts gut. Abrufen kann ich den Blog aber ohne Probleme.
    Ich wunderte mich auch, warum mein letzter Kommentar schon seit Wochen der Moderation bedarf – vielleicht liegt es ja an dieser Umstellung?!

  5. Jede/r hat angesichts der Weltlage einen Hang zum Eskapismus, aber bitte: für ne Weile keine Beschaulichkeiten mehr! Was ich meine: wir gehen einer sehr ernsten Krise entgegen oder sind schon mittendrin: die heutigen Verhaftungen, über die ich noch nicht viel weiss, die aber auch Ablenkungsmanöver Tayyips sein könnten: denn die derzeit am Ruder befindlichen saugen das Land aus, und der Türkische Waehler ist sehr launisch, er wird alles verzeihen aber nicht den ökonomischen Niedergang (der ihm so geschickt verheimlicht wird, aber wie lange noch? Eben steigen die Strompreise um 40%). Fetullah Gülen ist im Begriff, aus den US zurückzukehren. Die AKP ist von Schliessung bedroht: was werden die vielen neuen Multimillionaere in der Regierung dagegen aushecken? Die USA (siehe taz von heute) bereiten undercover den Angriff auf İran vor. Religiöser Nationalismus ist auf dem Vormarsch. Ja! Das türkische Fussballteam hat sehr gut gespielt, aber ist bekannt, dass sowohl der Trainer Fatih Terim als auch eine Reihe der Spieler (Nihat? Arda? Semih?) Fetullahs Maenner sind?? Und was weiss ich noch…
    Liebe Dilek, nun heisst es Stellung zu beziehen. Wir sind Deine Auslandskorrespondenzen. Aber Du hast eine Verantwortung:-)

  6. Wer ist eigentlich dieser Fetullah Gülen?
    Und was ist die Geschichte, die hinter dieser Rankliste http://www.foreignpolicy.com/story/cms.php?story_id=4349 steht?

    Hier in Deutschland klingt es so, als hätte eine (oder mehrere) türkische Zeitung Werbung für diese Umfrage gemacht, so dass lauter in der westlichen Welt recht unbekannte Leute unter die “TOP 20 Intellectuals” der Zeitung “Foreign policy” gewählt wurden.
    Wer sind diese Leute eigentlich? Lohnt es, sich näher mit ihnen zu beschäftigen oder ist es eher ein netter Rand-Aha-Effekt der Globalisierung?
    Ich würde mich freuen, von kundiger türkischer Seite mehr zu diesem Ühänomen zu erfahren!

  7. Ich musste mich schon immer jedes Mal auf die Suche nach dem “ISTANBUL-Blog” begeben, aber hab ihn auch immer wiedergefunden! Jetzt werde ich mir allerdings wohl auch ein Lesezeichen einrichten… Vielen Dank für den Tip!

  8. 1. Insgesamt halte ich die Veränderungen bei TAZ.de (auch den Blogs) für eine Verbesserung. Die Menüführung entspricht einem “allgemeinen Standard” und ist in diesem Sinne relativ intuitiv.

    2. @Dilek Abla: Warum schweigst Du, bzw. Dein Blog in letzter Zeit so laut. Gibt es keine Ereignisse in der TR, welche berichtenswert wären?!

    3. @Alex: Grobe biografische Informationen zum lachenden Fetullah solltest Du ohne größere Probleme im Netz finden können. Zur Frage der Wichtigkeit dieser Person und seines – ja, was nun eigentliches – Netzwerks/Organisation/Glaubensauslegung/… muss ich unter schwersten Schmerzen (Oh, du mein Magengeschwür) attestieren, dass deren Wichtigkeit und Einfluss nicht unterschätzt werden kann. Es gibt nicht wenige, die davon ausgehen, dass es diesem Phänomen bereits gelungen ist, den Polizei- und Geheimdienstapparat erfolgreich unterwandert zu haben. Selbst die Armee ist nicht mehr vor ihnen sicher.

    Zur Ideologie: Es handelt sich um einen in Worte des Friedens, der Harmonie und der Toleranz gepackte hanebüchenen (national-)religiösen Eklektizismus. Ich nenne hier mal nur ein Paar Namen, Ideologien, etc., welche irgendwie in seinen Schriften und Verlautbarungen zu finden sind. Du kannst ja dann bzgl. dieser Begriffe rumgooglen, um Dir ein Bild von Gülen’s Ideologie zu machen – oder aber zumindest von dem, wie ich ihn interpretiere. Willst Du’s genauer wissen, musst Du schon türkische Quellen im Original studieren: Necip Fazil Kisakürek, Büyük Dogu, Islam-Türk-Sentezi, Mevlana Rumi, Saidi Nursi, Ayatola Khomeni, Calvinismus, Henri Bergson,… Falls Du türkisch kannst, kann ich Dir unter Anderem das Buch “Modern Türkiye’de Siyasî Düsünce. Cilt 4. Milliyetcilik” (Istanbul, 2002) empfehlen, hier kannst Du erste Informationen zu den verschiedenen türkischen Nationalismen finden. Gülen kommt hier zwar kaum vor, aber ein Teil seiner ideologischen Basis wird hier aufbereitet.

    Er hat hunderte Schulen in zig Ländern eröffnet/eröffnen lassen, ein beeindruckendes Medien- und Unternehmensnetzwerk (ebenfalls in diversen Ländern und Sprachen) ist ihm hörig.

    Eine “gewisse” Protegierung durch die USA sehe ich als erwiesen an. Als Indizien möchte ich hier nur seinen Wohnsitz, die Gülen-Propaganda via Radio-Free-Europe/-Asia (ich kann hier allerdings nur die turksprachigen Programme beurteilen; RFE/A wird vom US-Kongress finanziert) und die provokativ offene Unterstützung von Gülen-nahen Organisationen und Instutionen durch “US-NGO’s” anführen (aktuell zum Beispiel im Falle der Gülenschule in St. Petersburg, welche – wie alle Gülen-Schulen in Russland – geschlossen werden sollte).

    Seine Leute bezeichnet man im Türkischen häufig als Fetullahcilar oder Nurcular. Im turanistischen Kontext findet seit einigen Jahren (für mich erkennbar seit ca. 2-3 Jahren) ein Machtkampf zwischen Gülen-isten und – weil mir kein besserer Name einfällt – den “Tatar-Wölfen” statt. Andere turanistische Ideologien (Atsiz, o.Ä.) spielen kaum noch eine relevante Rolle.

    Aktuell gehe ich davon aus, dass der Lachende und seine Lakaien den Kampf um die TR gewonnen haben; im turanistischen Kontext sieht’s allerdings derzeit eher schlecht für ihn aus und die Tatar-Wölfe scheinen mir doch noch einflussreicher zu sein (evtl. ist Aserbaijan hier eine Ausnahme, obwohl die Bevölkerung dort mehrheitlich schiitisch ist).

    Vermutlich wird Seniore Gülen demnächst in die TR zurückkehren, mal sehen, was dann passiert…

    …und jetzt wird mir wieder schlecht und ich geh’ kotzen!

  9. Ich find die Umstellung erträglich, auch wenn ich es lieber hätte, wenn die Kommentare wie früher sofort zu sehen wären. Nun ja, man kann nicht alles haben und sicherlich steckt hinter dieser Blog-Reform der ewige Drang nach Veränderung; nun gut, man hat etwas getan… .

    Der Umstand, dass im Rahmen der Ergenenkon-Ermittlung Regierungskritiker seit einem Jahr ohne Anklage in Haft sitzen, erinnert mich an Putin. Es wäre schön, wenn die EU sich bei der Bewertung der AKP auch von solchen Umständen leiten ließe, als immer auf die angeblich beton-kemalistische Elite draufzuhauen. Wer soll das eigentlich sein? Die meisten Kemalisten, die ich kennen gelernt habe, sind Kinder von so genannten kleinen Leuten. Und diese Kemalisten sind keineswegs in Machtpositionen.

    Ich lese zur Zeit “Demokrasi Sürecinde Türkiye 1945-1980″ von Feroz Ahmad (Übersetzung aus dem Englischen) . Dabei ist mir ein kleines, aber sicherlich nicht unwichtiges Detail aufgefallen: Die Neugründung der Demokrat Partisi von Menderes hieß AK (Adalet Partisi). Die AKP stellte sich also bei ihrer Gründung in diese Tradition. Man müsste sich also auch mit der AP in den sechziger Jahren beschäftigen, um mehr über das Selbstverständnis der AKP zu erfahren. Später mehr zu diesem Thema… .

  10. @Robert:

    In der TR gibt es, denke ich, ein speziefisches Problem: Individuen und auch Organisationen wechseln schier permanent in radikaler Form ihre politische Positionierung und die pejorative Sichtweise folgt diesem Prinzip in gleicher Weise.

    Die AP (oder auch ihr “Vorgänger”, die DP) kann man selbstverständlich als Vorläufer der -> Refah Partisi -> AKP sehen. Das Problem ist nur, das die DP/AP auch irgendwie Vorläufer der ANAP (z.B. Turgut und Korkut Özal) oder auch der DYP ist.

    Nun erinnere ich mich noch, wie die “Kemalisten” seinerzeit v.A. in der ANAP die Frontkämpfer der Reaktion sahen. Heute wird jedoch in weiten Teilen der Medien, sowohl in der TR, als auch im Ausland, die damalige ANAP-Regierung als ein Vertreter eines kemalistischen Regierungs-Kontinuums interpretiert, welches angeblich die TR heruntergewirtschaft hätte. In den 80ern hätte glaube ich fast jeder in der TR die Einordnung der ANAP als eine kemalistische Partei als etwas befremdlich empfunden.

    In wiefern die DP Vorläuferin welcher Partei war, oder auch, in welcher Form Refah die Vorgängerin der AKP war, in wiefern die AKP demokratisch, Fetullahci oder islamistisch ist, darüber lässt sich vorzüglich polemisieren.

    Ein Problem ist eben in der TR, dass die dortigen Politiker ihre Positionen (rechts-links-oben-unten) und Parteien wechseln, wie andere ihre Socken, und sich dort daher ein politisches Kontinuum kaum entwickeln konnte/kann. Die “wirklichen Kontinuen” sind häufig geheimbündlerisch organisiert (Fetullahcilar, Subaylar,…) und von außen kaum rekonstruierbar. Man kann sogar streiten, in wiefern z.B. die CHP Vorgängerin der CHP war (s. Nihat Genc).Diese Realität erklärt für mich daher auch den Hang zu Verschwörungstheorien in der TR.

    Die AKP kann daher – meiner Meinung nach – zurecht als islamistisch, demokratisch, avangardistisch, reaktionär, liberal, etc. bezeichnet werden (gilt für die anderen Parteien in ähnlicher Weise).

    Ich weiß nicht, ob ich meinen Punkt verständlich darlegen konnte, aber ich bezweifle, dass man die AKP in ihrer Gänze auf irgendeine Tradition, oder auf eine einzige Vorgängerin, etc. reduzieren kann. Ich bezweifle, dass Parteien als solche für das politische Geschehen in der TR sonderlich wichtig sind, wichtiger sind, so glaube ich, anders geartete Seilschaften, die aber quer durch alle politischen Parteien und Spektren verlaufen.

    Aber ich freue mich in jedem Fall auf deine Fortsetzung…

  11. Ach, es hat ja hier schon wieder eine Diskussion über den Einfluß des politischen Islams ergeben. Hier ist ein Post über Werbung für das Kopftuch in Ägypten. Auch die Kommentare sind sehr interessant:
    http://arabist.net/archives/2008/06/25/veil-your-lollipop/

    Als ich das Bild gesehen habe, dachte ich es sei eine Parodie, aber es ist wohl ernst gemeint.

    Man muß allerdings dazu sagen, daß es in Ägypten erheblich größere Probleme mit der Behandlung von Frauen gibt als in der Türkei. In Ägypten sind über 90% der Frauen beschnitten.

Kommentar Schreiben

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*