29.05.2009 von Dilek Zaptcioglu
Wie ist dieser Sommer in Istanbul?
Ich finde, eher ruhig und besonnen. Das hängt auf jeden Fall mit der Krise zusammen. Die Umsätze sind stark zurückgegangen, die Läden sind ziemlich leer, und man versucht Kundschaft zu ködern – womit? Mit allerlei faulen Tricks wie:”50 Prozent Ermäßigung!” steht dick auf dem Schaufenster. Nur sind die Preise vorher kräftig angehoben worden. Ein Paar Schuhe, die in normalen Zeiten 150 Lira gekostet hätten, kosten jetzt 129 Lira, wobei auf der Etikette der Preis von 239 Lira durchgestrichen ist. Genauso faul der Trick, daß “das zweite Stück 50 Prozent billiger” sei. Auch hier sind die Preise vorher kräftig hockgekurbelt worden. Dennoch: Es lebe die Kreditkarte? Ich weiß nicht. Ich habe das Gefühl, die Leute haben wirklich kein Geld mehr. Nicht einmal für den Schuhputzer.

Aber ich glaube, sie haben immer noch die Hoffnung, daß sie Geld haben werden. Sie denken, daß das eine vorübergehende Erscheinung… weiter lesen
01.05.2009 von Dilek Zaptcioglu
Ein historischer Tag, denn seit 31 Jahren zum ersten Mal betraten die Arbeitergewerkschaften an einem Ersten Mai den verbotenen Platz. Nicht in Peking, sondern einen Steinwurf von den europäischen Metropolen entfernt. Im Schatten der ewigen “Beitrittsverhandlungen”. Fast drei Jahrzehnte nach dem Militärputsch vom 12. September 1980, der die Linke in der Türkei fast vernichtete und den Grund und Boden bereitete für den religiös-rechten politischen Diskurs.
Im letzten Jahr noch hatte die Regierung einen regelrechten Platz des Krieges daraus gemacht. “Unverhältnismäßige Gewalt” war angewendet worden, mit Tränengas, Wasserwerfern, Knüppeln und Schußwaffen war die Polizei auf die Demonstranten losgegangen, die es nicht lassen konnten, auf den Taksim-Platz zu gehen. Die Polizei umziegelte die Zentrale des linken Gewerkschaftsbundes DISK. Die Funktionäre, Journalisten, Akademiker blieben stundenlang darin eingesperrt.
Warum der Platz gesperrt blieb? Weil dort am 1. Mai 1977 die größte linke Maidemonstration der Türkei stattgefunden hatte. Weil 1,5 Millionen Menschen dort waren. Weil plötzlich… weiter lesen