Archive for the ‘Kunst & Kultur’ Category
Sie heißt Ayse Tütüncü (gelesen als Aische Tütündschü).
Ich kenne sie flüchtig von der Bosporus-Universität. Sie gehört zu den Menschen, die etwas gerne, gut und mit Ausdauer machen. Ayse ist eine hervorragende Jazzpianistin und gibt seit Jahren Konzerte, unter anderem auch während der alljährlichen Istanbuler Jazztage.
Ayse Tütüncü
Jetzt ist ihr und ihrem Trio etwas besonderes gelungen: EMIs “Blue Note” hat ihre CD herausgegeben: Carnivalesque. Damit ist Ayse der allererste türkische Jazzmusiker(in) bei Blue Note. Ihr Sound ist unverkennbar aus Istanbul, aber nicht “worldmusicmäßig”, sondern erstklassig jazzig. Inspiriert sind manche Songs aus Kreta (istanbulblog grüßt wieder Alexis Zorbas und seine Bubulina).
Oguz Büyükberber (Bass & Klarinette) und Yahya Dai (Saxophon) sind die anderen beiden Mitglieder des Trios.
Ayse Tütüncü Trio hatte jetzt am 15. und 16. November zwei Auftritte auf dem Londoner Jazzfestival. Ich glaube, es folgt Amsterdam.
Hier ist Ayses Biografie von ihrer Webseite (mit vielen Samples und einem Videoclip):
Aged just… weiter lesen

Nazim mit Piraye
Memet Fuat, der Sohn von Piraye, die Nazim 1935 heiratete, hat die beste Webseite über den Dichter ins Internet gestellt. Sie ist leider nur in Türkisch und Englisch. Trotzdem lohnt sich ein Blick darauf sehr.

Wer die Biografie Nazims in Deutsch lesen möchte, kann aber im Net mehr als fündig werden. (Ich widmete ihm auch… weiter lesen
Die Zeiten, wo die Zukunft, die Zivilisation, die Bestätigung, “dazu zu gehören” von Europa abhing, sind vorbei. Es gibt ein Leben jenseits von Europa – und das ist gut so. Nur in Europa selbst scheint das noch niemand gemerkt zu haben.
Oder doch?
Ich besuchte heute abend zwei Vernissagen in Istanbul. Die erste Kunstgalerie, im Nobelviertel Nisantasi, stellt die Bilder meiner Freundin Alev Mavitan aus. Alev malt zur Zeit abstrakte Figuren in kräftigen Farben mit ausgeprägten Konturen. Die Frauen, es sind nämlich hauptsächlich Frauen, scheinen wie in einem venezianischen Maskenball. Alle Figuren sind “verkleidet”, dennoch sind sie auch ein Stück weit sich selbst. Sie sind, wie die meisten von uns, zu den Figuren geworden, deren Rollen sie seit Jahren spielen. Es gibt kein authentisches, ursprüngliches “Ich” mehr – “ich bin das, was die Welt aus mir macht”. Oder: “Ich versuche der Rolle gerecht zu werden, die ich spiele”. Ein maskeli balo.
Die zweite Ausstellung, im obersten Stockwerk eines… weiter lesen
Das Efes Pilsen Blues Festival zieht bald durch das Land, und geht auch: nach Rostow am Don. Und von St Petersburg bis Belgrad, von den Russen über die Serben bis hin zu den Kurden und Kasachen. So wird Istanbul zum Zentrum der Blues-Kultur in Eurasien!
Ich habe ein bißchen geguckt und festgestellt, daß das eine sehr interessante kaukasische Stadt ist. Sie hat über eine Million Einwohner, ist die Partnerstadt von Dortmund und Antalya, und, sieh mal an, “vergleicht sich gern mit Istanbul”. Also kopieren wir unten die Infos über unser echt cooles Blues-Festival hinein, und schicken danach ein bluesiges Selam an den Don!
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Efes Pilsen begrüsst im Rahmen des Bluesfestivals die… weiter lesen
Der absolut schöne Lückenfüller zum Ramadanfest:
Eine Fotografie des armenischen Fotojournalisten Ara Güler, dem Istanbul-Fotografen schlechthin.
Wenn ich mich nicht irre, hat er das Foto in der Selimiye-Moschee in Edirne aufgenommen. Edirne ist die langjährige “Grenzstadt” der Osmanen gewesen, eine “serhat sehri”. Der Architekt der Selimiye ist Mimar Sinan.
Montag bis Mittwoch ist das Ramadan- oder Zuckerfest. Also küssen wir den Kleinen die Augen, den Älteren die Hände, und wünschen allen ein gutes Fest. Der liebe Gott hat jedenfalls sowohl in Istanbul als auch in Berlin das schöne Wetter bereitgestellt. Was die Autorin dazu nutzte, im Café zu sitzen, nachdem sie im Jüdischen Museum die momentane Wechselausstellung “Heimat und Exil” besichtigte – jedem Berliner und Berlinbesucher heiß zu empfehlen!

von James A Fox (Vorwort), Maga Ilker (Herausgeber), … weiter lesen
Im türkischen Sender NTV will der Paris-Korrespondent gerade die offizielle Stellungnahme der Regierung vorlesen, da unterbricht ihn die Moderatorin: “Eine ungeheuer wichtige Meldung!” sagt sie, und wird rot. “Orhan Pamuk bekommt den Nobelpreis!” Danach ist in der Türkei nichts mehr, wie es vorher war: Das Land spaltet sich in zwei Lager…
DER VERLORENE SOHN
Von Dilek Zaptcioglu, Istanbul
In seiner Heimat gilt der neue Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk vielen als mäßig talentierter Schriftsteller und Opportunist. Mit seinen Aussagen zum Armenien-Konflikt profiliere es sich auf Kosten der Türkei, so die landläufige Meinung. Beifall kommt von einer kleinen Minderheit.
“Armenischer Schatten über dem Nobelpreis” titelt die Online-Ausgabe des Massenblattes Hürriyet, und wird damit zum Sprachrohr für Millionen von Türken. Ihr vernichtendes Urteil: Pamuk ist im Weltmaßstab nur ein durchschnittlicher Romancier. Ohne seine politischen Aussagen zum “Völkermord an den Armeniern” hätte er den höchsten Preis in der Literaturwelt nicht bekommen. Sogar der Krämer an… weiter lesen
Frau Alanyali, ist dies Realsatire oder Satire?! Mein erster Chefredakteur hat mir einmal gesagt: Werde lieber nie ironisch in deinen Stücken – der Zeitungleser kann schwerlich zwischen Ironie und Ernst unterscheiden.
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Deutsche Sehnsucht nach dem Blonden und Blauäugigen
Bei Ankunft: Ausländerfreundlichkeit – Von Iris Alanyali
Ich bin erst vor ein paar Tagen aus New York zurückgekommen. Während mein amerikanischer Ehemann auf dem Weg zum Flughafen meine zwei schweren Koffer zum Auto schleppte, machte er sich Sorgen um meine Heimfahrt in Berlin. Er hat lange genug dort gelebt, um fest davon überzeugt zu sein, daß ich niemals einen Taxifahrer finden würde, der mir diese Koffer in den dritten Stock hoch trägt. Ich konnte ihn beruhigen, schließlich sind die Berliner Taxifahrer meist Ausländer. Und tatsächlich stellte ich in Tegel entzückt fest, daß ganz vorne in der Reihe ein freundlicher kleiner Mann schwarzer Hautfarbe stand, der über mein Gepäckproblem nur grinste: “kein… weiter lesen
Jakob Arjouni hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt “Chez Max” und ist eine konsequente Fortführung seiner Gedanken, die er zuerst in den “Kayankaya”-Romanen zu formulieren begann. Das Buch zeugt von seiner bleibenden Systemkritik, von seiner intelligenten Ironie, die manchmal herrlich naiv erscheint und manchmal tiefschwarz daher kommt, und von seinem guten Stil. “Chez Nous” ist eine Novelle über ”uns” und unsere Unfähigkeit, eine wirklich lebenswerte Welt zu schaffen, was das auch sein mag. Es ist aber auch ein Buch speziell über Europa und seine tragenden Mittelschichten, ihre, wie man früher gesagt hätte, “kleinbürgerliche Moral”, über die Enge ihrer Welt und darüber, zu welchen Taten “unbescholtene Bürger” fähig sind.
“Chez Max” ist eigentlich chez nous – ein gutes, intelligentes, unterhaltsames Buch.
Die “großen Zusammenhänge” sind: Wir schreiben zwar das Jahr 2064 aber die Zustände sind nur eine Verlängerung unserer heutigen Zeit. Die USA haben sich in sinnlosen Kriegen verausgabt und wurden zum Schluß von der… weiter lesen
Das wichtigste Open Air Rock-Festival Istanbuls wird an diesem Wochenende, zum vierten Mal, stattfinden: Barisarock – Rock für den Frieden. Ort: Sariyer fast am Schwarzen Meer. Datum 26/27. August 2007. Das Wetter ist super, Zelten nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht, die Welt ist für zwei Tage wirklich heil :

Das Festival wurde als Alternativ-Veranstaltung zu Rock´n´Coke geboren, was die türkischen Rocker als zu kommerziell kritisieren. Rock´n´Coke ist in der Tat das von Coca Cola gesponserte Mega-Festival Istanbuls und findet exakt eine Woche später statt. Da die Veranstalter von Rock´n´Coke einfach mehr Geld haben, holen sie auch bekannte Gruppen aus dem Ausland “an den Bosporus” und das zieht ein Mehrfaches an Zuschauern “unter den Halbmond”, die sich natürlich alle u.a. mit Coke erfrischen….

Bei Rock für den Frieden wird nicht nur Musik gemacht, sondern auch gezeltet, geschwommen, Schach gespielt, und neben Heteros sindauch… weiter lesen

