Archive for the ‘Politik pur’ Category

01.05.2009 von Dilek Zaptcioglu
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Ein historischer Tag auf dem Taksim-Platz in Istanbul

von Dilek Zaptcioglu

Ein historischer Tag, denn seit 31 Jahren zum ersten Mal betraten die Arbeitergewerkschaften an einem Ersten Mai den verbotenen Platz. Nicht in Peking, sondern einen Steinwurf von den europäischen Metropolen entfernt. Im Schatten der ewigen “Beitrittsverhandlungen”. Fast drei Jahrzehnte nach dem Militärputsch vom 12. September 1980, der die Linke in der Türkei fast vernichtete und den Grund und Boden bereitete für den religiös-rechten politischen Diskurs.

Im letzten Jahr noch hatte die Regierung einen regelrechten Platz des Krieges daraus gemacht.  “Unverhältnismäßige Gewalt” war angewendet worden, mit Tränengas, Wasserwerfern, Knüppeln und Schußwaffen war die Polizei auf die Demonstranten losgegangen, die es nicht lassen konnten, auf den Taksim-Platz zu gehen. Die Polizei umziegelte die Zentrale des linken Gewerkschaftsbundes DISK. Die Funktionäre, Journalisten, Akademiker blieben stundenlang darin eingesperrt.

Warum der Platz gesperrt blieb? Weil dort am 1. Mai 1977 die größte linke Maidemonstration der Türkei stattgefunden hatte. Weil 1,5 Millionen Menschen dort waren. Weil plötzlich… weiter lesen

07.04.2009 von Dilek Zaptcioglu
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istanbulblog grüßt Barack Obama

von Dilek Zaptcioglu

Istanbul hat just an dem Tag, an dem Obama es erstmals besuchte, mit gutem Wetter gegeizt. Bewölkt sind wir, obwohl der Frühling schon längst eingezogen ist und alle Blumen und Obstbäume blühen läßt.

Natürlich Verkehrschaos: Die ganze Innenstadt seit gestern abend schon gesperrt, weil er im Conrad-Hotel in Besiktas residierte. An dem Abendessen des “Zivilisationstreffens”, das inzwischen eine UN-Einrichtung ist, nahm er nicht teil. Da saß also der olle Rasmussen mit seinem angebundenem Arm: Er war früh morgens in seinem Luxuszimmer des Ciragan Kempinski gestürzt! Oder: Belki de carpilmisti! Ein böser Blick für die Unterstützung der dummen Muhammed-Karikaturen?!

Die gute Nachricht: Ich glaube, Obama hält nichts mehr davon, weiter auf der Religionsschiene zu fahren. Ganz im Gegenteil, auch wenn er heute morgen die religiösen Gemeindevertreter und den griechisch-orthodoxen Patriarchen sogar in einem Vieraugengespräch traf - die Zeiten, in denen der Religionsdiskurs den öffentlichen beherrschte, in denen wir viel mehr als nötig… weiter lesen

14.03.2009 von Dilek Zaptcioglu
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Die Gedanken sind frei

von Dilek Zaptcioglu

Die Zeitschrift der Türkischen Wissenschaftsinstitution, einer staatlichen Vereinigung mit dem Kürzel Tübitak, hat eine Chefredakteurin. Sie heisst Dr. Çigdem Atakuman. Diese entscheidet, zum Darwin-Jahr eine Titelgeschichte zu produzieren. 15 Seiten im März-Heft und der bärtige, gar nicht so unumstrittene Mann auf dem Cover. Der letzte Stand der Evolutionstheorie, verständlich nacherzählt.

Der Tübitak ist dem Ministerpräsidenten unterstellt und hat einen stellvertretenden Chef, der von der regierenden konservativ-islamischen Partei AKP ernannt wurde. Er sieht das gedruckte Heft und – läßt es nicht zu, daß der Darwin vom Cover monalisamäßig lächelt. Prompt wird die Ausgabe zurückgerufen, das Coverthema geändert – nunmehr die globale Erderwärmung – und die 15 Seiten Darwin im Heft fliegen ebenfalls heraus. Die Chefredakteurin wird entlassen bzw. versetzt.

Nachdem das vor zwei Tagen publik wird, kommt von Seiten der Leitung sofort ein Dementi: Nein, Darwin wurde nicht zensiert. Die Chefredakteurin hat nur ihre Befugnisse überschritten und obwohl vorher schon das Klimawandel-Thema festgelegt… weiter lesen

08.08.2008 von Dilek Zaptcioglu
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Sommerpause vorbei: Glas halb voll

von Dilek Zaptcioglu

Bozcaada oder Tenedos, wie sie früher hiess: Wunderschön! Ich möchte dort leben!  

Endlich geht es ein wenig optimistischer weiter mit dem Leben: Trotz der heutigen Meldungen vom “Krieg im Kaukasus” herrscht Ruhe in der Türkei. Oder hängt das beides irgendwie miteinander zusammen? Bekanntlich schützt Paranoia nicht vor Verfolgung. “Kaukasus” und “Weltpolitik” hängen historisch und 

öl- und grossmachtbedingt miteinander zusammen. Und paradoxerweise sind die Menschen des Kaukasus unter den Ärmsten der Welt.

Ich denke ja auf solche Meldungen sofort: Hängt das etwa mit dem drohenden Iran-Angriff der USA zusammen? Ob das überraschende Nichtverbotsurteil des türkischen Verfassungsgerichts auch auf irgendeine nicht geahnte Weise mit dem wenn-sie-ihn-lassen-möglichen Sieg Barack Obamas im November, und dem letzten geplanten evangelistischen Coup des George Bush gegen Iran (Hand in Hand mit Tel Aviv) zusammenhängen könnte? Das Öl fliesst in meinem Gehirn prompt zusammen.

Und da hocken sie gleichzeitig alle in Peking und schauen der Eröffnung der Olympiade zu. Wer das besser durchblickt, soll uns aufklären. Aber bitte ein… weiter lesen

10.12.2007 von Dilek Zaptcioglu
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53 tote Flüchtlinge in der Ägäis – vorerst!

von Dilek Zaptcioglu

Die schöne Ägäis.

Unsere schöne Zivilisation. Unsere Einkaufszentren, Flachbildschirme, Hifi-Anlagen, Parks, schönen Klassenzimmer, Seminarräume. Unsere sauberen Bürgersteige. Unsere schönen Strände. Unsere Philosophie, Wirtschaft, unser Recht, unser Wohlstand. Reicht eben nicht für alle! 

Das ist die wichtigse Wahrheit der Welt, die unsere Zukunft, unser Denken und Handeln am stärksten prägen wird und die aus dem schönen geistigen, demokratischen Erbe einen Trümmerhaufen schafft, und die alle “Geborgenheit” zur Farce werden läßt. Die Wahrheit sind die unendlichen Leichen, gestrandet an der Küste unserer Zivilisation.   

Ein Flüchtlingsboot ging gestern nacht in der Ägäis, vor dem Ort Seferihisar südlich von Izmir unter. Bis jetzt hat man 53 Leichen geborgen.

DREIUNDFÜNFZIG MENSCHEN, VORERST. 

DUTZENDE VERMISSTE.

sontur24.jpg

Sie kamen aus Palästina, dem Irak und Somalia. Fast alle sind männlich. Ihre Leichen wurden an einem vier Kilometer langen Küstenstreifen an verschiedenen Stellen aufgefunden. Davor hatten sie sich in Izmir, am Golf getroffen, um in drei Bussen zu dem Boot zu… weiter lesen

27.03.2007 von Dilek Zaptcioglu
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“…weil die Anderen die Bösen sind, sind wir die Guten”

von Dilek Zaptcioglu

Eine Leserin faßt zusammen, was die Autorin anläßlich der Spiegel-Titelgeschichte sagen wollte. Danke Nalan.

Nalan schreibt:

stück für stück geben wir unsre empfindsamkeit hin, unsere uns allen gemeinsame menschlichkeit, unsere nächstenLIEBE…um dafür ein freies, modernes leben zu empfangen.

tagtäglich werden wir mit informationen gefüttert, die uns weismachen sollen, wie schlecht doch die ANDEREN sind(obwohl wir alle gemeinsam die erde kaputt machen, auch darüber redet ja kaum jemand).. in wahrheit geht es doch nur darum, kein mitgefühl mehr zu haben, zu glauben, dass veränderungen unmöglich sind und die lage sowieso hoffnungslos ist..     irak.jpg

eine hand voll wirtschaftsbosse bestimmt die spielregeln, und so “leben” wir eben ahnungslos nach ihren regeln. wer nicht mitspielt, wird weg/ausgeschlossen woanders mal eben weggebombt oder zur achse des bösen erklärt, geistig oder physisch unterdrückt und unterworfen..
 
die unternehmen reden von profitmaximierung, entlassen tausende von menschen und berauben sie so ihrer lebens-und existenzgrundlage.. wir tun
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24.02.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Anzeige gegen den Koran in Dänemark.

von Dilek Zaptcioglu

Der Verein heißt “Stop Islamisering af Danmark“, Vorsitzender: Anders Gravers. Dieser Herr sagt:

“Der Koran enthält Suren, die zu Gewalt aufrufen”, deshalb sei er “teilweise” zu verbieten. Und die Moscheen in Dänemark müßten geschlossen werden, weil sie (als eine”natürliche” Folge des zu Gewalt aufrufenden Korans) ebenfalls zu Gewalt aufriefen, und Vereine, die zu Gewalt aufrufen, gehören in unserem nichtgewalttätigen, guten, zivilisierten und friedlichen Dänemark verboten.

Der Verein will, daß alle Muslime überall in der Welt von diesem VorstoSS erfahren – wohl in der Hoffnung, daß sie dann aus Dänemark abhauen oder erst gar nicht kommen. Er hat eine Kopie seines Antrags an die TV-Anstalt Al Jazeera und die Botschaften muslimischer Staaten in Dänemark geschickt.

Aber nicht an istanbulblog. Deshalb mußten wir diese Neuigkeit heute den türkischen Webseiten entnehmen. Überall ist sie drin – von dem Massenblatt Hürriyet bis hin zur Zaman, Milliyet, dem NTV usw. Die können sich die Dänen,… weiter lesen

20.02.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Erste türkische Wahlprognosen 2007

von Dilek Zaptcioglu

Am 4. November 2007 wird in der Türkei ein neues Parlament gewählt. Die neuesten Umfragen des Sonar-Instituts ergeben:

AKP   31,58 % Die “moderat islamistische” Regierungspartei

CHP   14,76 % Die Sozialdemokraten

MHP   13,67 % Die Nationalisten

DYP   13,06 % Die Konservativen (Nachfolgerin der AP)

GP      6,9   %  Die Rechtspopulisten

DSP    6,7  %   Die anderen Sozialdemokraten (Ecevits Partei)

DTP    4,37 %  Die Kurden

ANAP  4,10 %  Die Liberalen

BBP    1,50 %  Die Ultranationalisten

Demnach wird die AKP Tayyip Erdogans mit ziemlicher Gewißheit wieder zur ersten Partei. Ihre Stimmen sind im Vergleich zu den letzten Wahlen nur um wenige Prozente gesunken – ich denke, daß der Unterschied etwas größer werden und die AKP unter die 30-Prozentmarke fallen wird.

Die GP (Genc Parti = Junge Partei) des rechtspopulistischen Geschäftsmannes Cem Uzan wird wohl etwas zulegen, denn sie macht eine äußerst erfolgreiche, präsente Wahlkampagne vor allem in Fußballstadien (zu der Musik von Braveheart) und spricht vor allem… weiter lesen

20.01.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Täter gefaßt – ein Jugendlicher

von Dilek Zaptcioglu

Der mutmaßliche Mörder von Hrant Dink, dem armenischen Minderheitenvertreter, ıst gefaßt, ın Samsun am Schwarzen Meer. Dıe Fernsehanstalten sendeten gerade dıe Bılder von der Festnahme.

Er heißt Ogün S. und ist 17 Jahre alt. Er stammt aus Trabzon am östlichen Schwarzen Meer. Hier wurde im vergangenen Jahr von einem schizophrenen Jugendlichen der örtliche italienische Priester ermordet.

Ogün S. sagte vor drei Tagen seinem Vater, daß er für einige Tage nach Istanbul fahren wird. Seine Eltern ließen sich scheiden. Ihr Zuhause wurde im letzten Jahr durch einen Erdrutsch zerstört, die Familie lebt in einer Notunterkunft.

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Türkische Polizei nimmt mutmaßlichen Mörder Dinks fest 
Vierte Zusammenfassung  

         Nach Veröffentlichung von Fahndungsfotos – Kritik an 
mangelndem Schutz für türkisch-armenischen Journalisten 
Von Benjamin Harvey
   Istanbul (AP) Die Polizei hat den mutmaßlichen Mörder des 
armenisch-türkischen Journalisten Hrant Dink festgenommen. Die 
Fahnder entdeckten den Verdächtigen nach einem Hinweis von dessen weiter lesen

20.01.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Foto des Attentäters für Hinweise

von Dilek Zaptcioglu

Hier die Fotos des Attentäters von Hrant Dink, dem armenischen Publizisten und Minderheitenvertreter.

2585951.jpg

Man hat die weiße Mütze des Täters gefunden, damit wohl auch DNA-Spuren.

Wenn man ihn bereits identifiziert hätte, wäre er wohl namentlich gesucht. Vielleicht

hält sich die Polizei auch bedeckt. Jedenfalls hat man ersmals ein Foto des Attentäters.

Die Istanbuler Polizei nimmt Hinweise entgegen, auch aus dem Ausland.

Die Telefonnummern sind:

(0090) 212 636 29 50 und 212 636 12 53.
155@iem.gov.tr

webmaster.tem@iem.gov.tr