Archive for the ‘Politik pur’ Category

20.01.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Keine Fortschritte bei den Ermittlungen

von Dilek Zaptcioglu

Zuerst die Information: Hrant Dink wird am Dienstag nachmittag in Istanbul beerdigt. Die Bestattungsfeier findet in der armenischen Kirche Meryem Ana (Heilige Maria) in Kumkapi statt. Hant wird anschließend auf dem armenischen Friedhof Balikli Istanbul bestattet.    

Seine Bestattungsfeier wird zu einer Massendemonstration für das friedliche Zusammenleben der Türken und Armenier.

In Istanbul gibt es nach dem Attentat an dem armenischen Minderheitenvertreter Hrant Dink keine Fortschritte in den Ermittlungen. Acht Festgenommene wurden wieder freigelassen. Das ist jetzt das Wichtigste: Die Aufklärung dieses hinterhältigen politischen Mordes. Die Festnahme aller Hintermänner. Die Aufklärung der Umstände.

Von dem Attentäter existieren Aufnahmen. Was im Fernsehen gesendet wurde: Wie er mit der Waffe in der rechten Hand wegläuft. Er ist schlank, athletisch, trägt eine Jeansjacke, ca 30 Jahre alt. Die Polizei erklärte, daß es auch Aufnahmen von ihm an einem Geldautomaten gibt. Frontal. Er sei darauf gut zu erkennen. Sein Name wird mit M.B. abgekürzt – aber ob das… weiter lesen

20.01.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Armenier und Türken

von Dilek Zaptcioglu

In seiner Eigenschaft als Chefredakteur der armenischen Wochenzeitung “Agos” lernte Hrant seine eigenen Leute besser kennen. Viele, die bisher als muslimische Türken lebten, kamen und outeten sich als Armenier. Hrant schätzte zuletzt die Zahl der konvertierten Armenier in der Türkei auf 500 000 Menschen. Es gab auch viele, die unbemerkt kamen, um ihre Heimat zu besuchen.

Eines Tages bekam er einen Anruf aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Sivas in Ostanatolien. Der Dorfvorsteher rief die Armenierzeitung in Istanbul an, um mitzuteilen, daß eine armenische Touristin in ihr Dorf gekommen und dort plötzlich gestorben sei. Niemand kannte sie und man wußte auch nicht, wie man ihre Verwandten erreichen konnte.

Nach wenigen Telefonaten, sagte Hrant, fand er die Identität der Frau heraus. Eine Tochter wurde gefunden. Von ihr erfuhr man, daß die 70jährige eigentlich in Frankreich lebte.  

Es stellte sich heraus, daß die Frau als Kind von ihrem Heimatdorf vertrieben worden war. Obwohl sie in Frankreich groß… weiter lesen

19.01.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Ein politisches Attentat: Hrant Dink ist tot

von Dilek Zaptcioglu

Unbekannte haben heute nachmittag den armenischen Publizisten und Minderheitenvertreter Hrant Dink in Istanbul, vor seiner Wochenzeitung “Agos” ermordet.

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Hrant Dink 1954-2007

Das politische Attentat gilt in erster Linie dem Mann, dessen Leben es gefordert hat. Ein streitbarer Mann, ein armenischer Anatolier, ein emotionaler Streiter für armenische Belange in der Türkei, mit dem man nicht hundertprozentig übereinstimmen mußte um ihn zu mögen. Er selbst liebte seine Heimat über alles und wußte, daß er nicht woanders leben wollte. Auf die Vorwürfe, daß “die Armenier mit Völkermord-Vorwürfen türkisches Territorium einfordern”, sagte er: “Ja, die Armenier wollen türkisches Land, nicht um darauf zu leben, sondern um darin begraben werden zu können.” Hrant wurde während der “Armenierkonferenz” in Istanbul vor zwei Jahren zur Zielscheibe der extrem nationalistischen Presse. Warum er jetzt, wo es um ihn relativ still geworden war, ermordet wird, ist eines der Rätsel. 

Hrant Dink war neben dem Patriarchen das heimliche Obrhaupt der Armenier. Die Mörder wollen alle Diskussionen über die Vertreibung und Massaker… weiter lesen

07.01.2007 von Dilek Zaptcioglu
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Independent: Das irakische Öl & der Westen

von Dilek Zaptcioglu

What a surprise: Im irakischen Parlament soll ein Ölgesetz verabschiedet werden, was das irakische Öl den westlichen Konzernen öffnet. Nutznießer werden US-amerikanische und britische Firmen sein.

Die englische “Independent” kritisiert in ihrem Leitartikel dieses Gesetz und sagt: Man braucht nicht Verschwörungstheoretiker zu sein, um die Verbindung zu der Besetzung des Landes herzustellen.

Deswegen sei es “legitim” zu fragen, “ob man Al-Maliki unter Druck gesetzt hätte”, damit dieses für die westlichen Oilcompanies so profitable und die Bewohner dieser Hemisphere so notwendige Gesetz durchkommt.

Pardon me. Ist der Irak nicht just durch Truppen dieser Staaten besetzt? Besteht da etwa ein Zusammenhang? Wer glaubt, daß im Irak wirklich eine freie Regierung herrscht!? Unter schwerer Besatzung?! Im Bürgerkrieg? Manche Dinge sind einfacher als man denkt.

Apropos Bürgerkrieg. Ilhan Selcuk von der Cumhuriyet hat neulich eine interessante Frage gestellt:

Wieso ist ständig nur (noch) von “Sunniten” und “Schiiten” im Irak die Rede? Sind das nicht Araber gewesen? Der panarabische… weiter lesen

15.12.2006 von Dilek Zaptcioglu
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Notebooks made in Turkey für Warschau

von Dilek Zaptcioglu
Das türkische Elektronik-Unternehmen Vestel hat mit der Produktion der ersten Notebooks in der Türkei begonnen, und zwar in Manisa hinter Izmir. Vestel City heißt die türkische Silicon Valley, wo die erste Notebook-Fabrik des Landes die Produktion aufnahm. Der Vorstandsvorsitzende der Firma sagt, das sei nicht nur die erste komplette Laptop-Fabrik der Türkei, sondern ganz Europas. Außer dem Prozessor und einiger kleiner Teile würde alles hier hergestellt (statt in Taiwan oder China). Nach Polen hat Vestel bereits über 8000 Geräte exportiert. Die Preise sind nicht wesentlich niedriger, aber man will sich mit längeren Garantiezeiten und schnellem Service Wettbewerbsvorteile verschaffen. Intel hilft der türkischen Firma. In der Türkei haben nur 11 Prozent der Bevölkerung einen Computer. Intel wird in 5 Jahren 500 000 türkischen Lehrern die Computernutzung beibringen, und 8 000 Schulen kostenlos mit PCs ausstatten. Fast 200 000 Schüler sollen innerhalb der nächsten Jahre mit dem Computer umzugehen lernen. Wer weiß:

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13.12.2006 von Dilek Zaptcioglu
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Die Heimkehr…

von Dilek Zaptcioglu

…des Orhan Pamuk gestaltet sich als schwierig. Während der immer etwas schräge Nachrichtenkanal Habertürk die Zuschauer mit einem Orhan-Logo links unten am Bildschirm den ganzen Tag über zum Empfang am Flughafen aufruft, weiß niemand, wann der “verlorene Sohn” heimkommt. Es heißt, er hielte seinen Rückflug geheim, weil er “Provokationen vermeiden” will.

Es gebe viel zu dem Thema zu sagen, aber diese Karikatur (von Tan Oral) spricht Bände:

 

“Ich habe gehört, du hast den Nobelpreis gekriegt. Das soll bloss nicht noch mal vorkommen!”

Was sich Istanbuler in diesen Tagen noch sagen: Der Nobelpreis ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Wenn sie den schon einem Türken verleihen…

Lachen? Ja. Über sich lachen? Am allerbesten.

Istanbul ist stolz, auch wenn sie es sich nicht anmerken läßt.

 

20.11.2006 von Dilek Zaptcioglu
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Oben, unten, links, rechts…

von Dilek Zaptcioglu

Haben Sie sich mal überlegt, wie es um Istanbul herum gerade aussieht?

Im Norden:

WIE IM KALTEN KRIEG

Giftanschlag auf ehemaligen KGB-Agenten

In London kämpft ein russischer Ex-Agent mit dem Tod, nachdem ihn Unbekannte vergifteten. Die Täter sollen dem russischen FSB angehören – der Nachfolgeorganisation des KGB. Das angebliche Motiv: Das Opfer recherchierte über den Tod der Journalistin Anna Politkowskaja.

Im Osten:

Im Süden:

40 Iraker nach Bus-Entführung getötet

Bei der Verschleppung von sechs Kleinbussen in West-Bagdad sind 40 Menschen getötet worden. Es war bereits die zweite Massenentführung innerhalb weniger Tage in der irakischen Hauptstadt.

Im Westen:

ANSCHLAGSGEFAHR

Generalbundesanwältin warnt vor möglichen Terroranschlägen

Die Terrorwarnungen werden lauter: Nach den Berichten des britischen Geheimdienstes hat nun Generalbundesanwältin Harms zu “größerer Wachsamkeit” aufgerufen. Einem Fernsehbericht zufolge plant das Terrornetzwerk al-Qaida mehrere Anschläge auf Ziele in Europa.

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© Dilek Zaptcioglu 2006

13.10.2006 von Dilek Zaptcioglu
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Herzlichen Glückwunsch Orhan Pamuk!

von Dilek Zaptcioglu

Im türkischen Sender NTV will der Paris-Korrespondent gerade die offizielle Stellungnahme der Regierung vorlesen, da unterbricht ihn die Moderatorin: “Eine ungeheuer wichtige Meldung!” sagt sie, und wird rot. “Orhan Pamuk bekommt den Nobelpreis!” Danach ist in der Türkei nichts mehr, wie es vorher war: Das Land spaltet sich in zwei Lager…

DER VERLORENE SOHN

Von Dilek Zaptcioglu, Istanbul

In seiner Heimat gilt der neue Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk vielen als mäßig talentierter Schriftsteller und Opportunist. Mit seinen Aussagen zum Armenien-Konflikt profiliere es sich auf Kosten der Türkei, so die landläufige Meinung. Beifall kommt von einer kleinen Minderheit.

“Armenischer Schatten über dem Nobelpreis” titelt die Online-Ausgabe des Massenblattes Hürriyet, und wird damit zum Sprachrohr für Millionen von Türken. Ihr vernichtendes Urteil: Pamuk ist im Weltmaßstab nur ein durchschnittlicher Romancier. Ohne seine politischen Aussagen zum “Völkermord an den Armeniern” hätte er den höchsten Preis in der Literaturwelt nicht bekommen. Sogar der Krämer an… weiter lesen

27.09.2006 von Dilek Zaptcioglu
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Sechs Leichen in der Ägäis

von Dilek Zaptcioglu

Mit Wut und Trauer, heißt es in den Nachrufen. Mit Wut, Trauer und einem tiefen Schamgefühl liest man manchmal die Agenturmeldungen. Man schämt sich Mensch zu sein, wie ein Leser mir heute schrieb. Dieser Artikel ist nicht “mit  Nebensächlichkeit” geschrieben. Wir werden alle sehen, ob diese Meldung morgen groß in den Zeitungen steht, und etwas verändern wird.   

Die Leichen von sechs jungen Männern wurden gestern morgen aus der azurblauen Ägäis gezogen. Notdürftig mit Zeitungspapier verdeckt lagen sie am ägäischen Strand vor Izmir. Sie waren schwarz. Nicht durch Sonne, sondern von Natur aus.

Sie gehörten Flüchtlingen, die nach Europa wollten. Das ist nichts Neues. Das gehört in die Kategorie: “Ja, ein Jammer, aber was kann man dagegen schon tun?” 

Es gibt eine Korrelation zwischen den sinkenden Asylbewerberzahlen in Deutschland und diesen sechs Leichen von heute morgen in der Ägäis. Und die griechische Küstenwache spielt dabei eine unrühmliche Rolle. Eine Rolle, für die sie sich eigentlich, nach… weiter lesen

10.09.2006 von Dilek Zaptcioglu
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9/11: Nichts anderes als Terror

von Dilek Zaptcioglu

9/11 verfolgten wir in Istanbul genauso wie alle Anderen außerhalb New Yorks: Im Fernsehen. Zwei Jahre später waren aber Explosionen live zu hören: Im November 2003 starben hier in Istanbul bei gewaltigen Anschlägen innerhalb einer Woche insgesamt 67 Menschen, es gab über 600 Verletzte.Am 15. November 2003 explodierten Autobomben vor den Synagogen Neve Schalom und Beth Israel. Es waren Selbstmordattentate, zu denen sich erst die türkische Islamistengruppe Ibda-C bekannte. Aber die Experten sagten, daß die Organisation nicht dazu fähig war. Nach fünf Tagen wurden wieder zwei mächtige Anschläge verübt: Am 20. November 2003 gingen die Bomben vor dem Britischen Konsulat in Beyoglu und vor der HSBC-Bank in Levent hoch. Der englische Konsul Roger Short war unter den Toten. Zu allen Anschlägen bekannte sich letztendlich die Gruppe der Abu Hafs Al Misri Brigaden.Als ich über den Terror berichten, zu den Tatorten, vor die Synagogen fahren musste, die Spuren der gewaltigen Explosionen sah,weiter lesen