29.05.2008 von Dilek Zaptcioglu
Und endlich beginnen jetzt die Istanbuler Feste: Das große Internationale Musikfestival findet in diesem Jahr an außergewöhnlichen Plätzen mit ganz besonderen Musikern statt, das Jazz-Festival bringt u.a. Herbie Hancock und Al Jarreau nach Istanbul, das Theater-Festival läuft bereits (bis zum 4. Juni) und bietet sehr interessante Spiele.
Natürlich gehen wir hier in Istanbul nur zu wenigen Konzerten oder Spielen, aber daß es sie gibt – das ist Großstadt und ich freue mich, daß Istanbul jedes Jahr sein Programm noch ein bißchen mehr verbessert und echte Größen “an den Bosporus” holt – als eine bekennende Istanbulerin kann ich nur sagen: Der Sommer in Istanbul ist ein Fest auch ohne jedes Festival.

Die Bulgarische Kirche
Vom 6. bis zum 30. Juni ist das Musikfestival – hauptsächlich westliche Klassik: Eröffnet wird es mit der Wiener Kammerphilarmonie (Tchaikovski und Prokofiev) in der Hagia Irene. Das ist eine der… weiter lesen
11.05.2008 von Dilek Zaptcioglu
…birds are singing and the weather is high!
Genauso ist es heute in Istanbul: Vögel zwitschern vor meinem Fenster, es scheint eine helle aber unaufdringliche Sonne, die Straße ist ruhig, das andere Bosporusufer wegen der Windverhältnisse absolut nah. Wie zu Bayramtagen sieht man ab und zu Menschen in ihren Festtagskleidern mit Blumensträußen vorbeiziehen: Muttertag.
Ich habe einmal gelesen, daß Griechen ihre Mutter jeden Abend anrufen, und gedacht: Das sagt doch alles über die türkisch-griechischen Beziehungen. Ähnlicher kann mann nicht sein. Gut für die Mutter, schlecht für uns.
Der Muttertag sollte am Mittelmeer zum Mutter-Sohn-Tag umgetauft werden.

Apropos das andere Bosporusufer. Wer wie ich gegenüber dem Amusierviertel Ortaköy wohnt, merkt den Sommeranfang vor allem an dem allabendlichen Feuerwerk. Im Mai wird hier in Istanbul geheiratet, und es gibt viele, viele kharunmäßig Reiche, die ihre Hochzeit in einem der gegenüber liegenden Hotels oder Schlösser feiern. Das bedeutet Feuerwerk, Feuerwerk jeden Abend.
Bis vor einigen Jahren rannten… weiter lesen
08.05.2008 von Dilek Zaptcioglu
Ein Werk ist zumindest vollendet – mein MERIAN-Reiseführer “Istanbul” ist erschienen.

Natürlich ist das der beste und sachkundigste Reiseführer auf dem Markt!
Leider gelingt es mir im Moment nicht, weitere Bilder (Merian Istanbul mit Autorin in Istanbul) zu uploaden, denn mein Notebook ist kaputt. Der Mauszeiger bleibt stehen, nichts geht mehr.
Zumindest geht es mit dem Blog weiter – jetzt kommt ja auch der Sommer.
14.04.2008 von Dilek Zaptcioglu
Sie war 33 Jahre alt und kam aus Mailand. Eine junge italienische Künstlerin, die quer durch Südeuropa und den Nahen Osten nach Jerusalem trampte – als eine “Performance für den Frieden”, im weißen Brautkleid: “Brides on Tour”.
Sie ist hinter Istanbul gutgläubig in einen kleinen Lastwagen eingestiegen, dessen Fahrer Murat K. sie vergewaltigte, tötete und im Wald verscharrte. Als er ihr Handy benutzte, hatte die Polizei ihn. Nach kurzer Vernehmung gestand der Mann die Tat. “Ich habe sie ermordet, weil sie nicht mit mir sein wollte”, soll der Mörder, ein vorbestrafter zweifacher Familienvater, gesagt haben. “Mit mir sein wollte!” Was für ein höflicher Ausdruck…
Betroffenheit und Scham dominieren in der Türkei…angesichts der Erkenntnis, daß ein Frauenleben hier immer wertloser wird? “Es hätte überall passieren können”, sagen manche. Aber es ist in den fünf Ländern, durch die sie schon trampte, nicht passiert, sondern hier.

Giuseppina Pasqualino di Marineo, mit… weiter lesen
08.04.2008 von Dilek Zaptcioglu
Keine großen Worte mehr: In wenigen Stunden, 21.45 Uhr türkische Zeit, fängt das Rückspiel Fenerbahce gegen Chelsea in London an. Star TV überträgt das Spiel www.startv.com.tr ab 21.30 Uhr. Das Spiel kommentiert Ertem Sener.
Fenerbahce hat in Istanbul 2:1 gewonnen.
Wenn sie heute abend in London unentschieden spielt oder gewinnt, kommt sie ins Halbfinale in der Champions League. Erstmals! Und “schreibt Geschichte”, wie die Istanbuler Zeitungen heute titelten.
Eine relativ kleine Fangemeinde wird heute in London die Mannschaft moralisch unterstützen. istanbulblog grüßt Josef Mühlbauer, den Besitzer des Deutsch-Türkischen Buchladens in Tünel / Istanbul – er ist als glühender Fener-Anhänger mit dabei in London. So ist das mit dem Fußball.
Haydi Fener!

08.04.2008 von Dilek Zaptcioglu
Ich las heute abend ein Gedicht von Kücük Iskender (Alexander der Kleine – nennt sich einer der größten zeitgenössischen Poeten der Türkei). Es fing so an:
“Du operierst der Rose das Gehirn heraus. Bitte tue es nicht.”
Im selben Heft der Literaturzeitschrift “Kitap-lik”, die vom Yapi Kredi Verlag herausgegeben wird (erhältlich im Buchladen an der Ecke in Galatasaray – ein wunderbarer Ort), stieß ich auf ein Reisetagebuch. Hier die Übersetzung einer schönen Passage daraus, die ich mit Euch teilen will. Geschrieben hat den Text eine Frau namens Sevgi Ünal – bemerkenswert!
Zeki Müren in den Bergen des Libanon
Er streckte seine Hände ohne jedes Staunen in Richtung Golf aus und sagte: “Beirut!” Dort, wo er hinzeigte, breitete sich ein nur aus Ruinen bestehender Ort entlang der Küste über eine weite Strecke. In seinem Lächeln entdeckte ich einen gar nicht so bekümmerten Aspekt: So ist Beirut nunmal. Eine zerstörte und blasse Stadt. Wir… weiter lesen
20.03.2008 von Dilek Zaptcioglu
Zum ersten Mal im Leben fühle ich mich absolut politikmüde. Das Verbotsverfahren gegen die Regierungspartei AKP in Ankara ödet mich an. Die verbissene Politik der AKP und daß sie immer nur auf bestimmten Punkten herumhackt (wie das Kopftuch, den Zugang der Imam-Hatip-Absolventen zu den Unis, das Alkoholverbot, die Sittenwächterei) ödet mich an. Was die betonkemalistische Opposition veranstaltet, ödet mich an. Was die ultranationalistische MHP für Schachzüge erfindet und wie ihr Vorsitzender diese mit staatstragender Miene vorträgt, ödet mich an. Ich bin der Männer überdrüssig, die diesen Hahnenkampf endlos weiterführen: Die verehrten Herren Kolumnisten, die mit ihrer Feder kämpfen als ob das das letzte Gefecht ihres Lebens wäre und die mir tagtäglich von den Fernsehschirmen und Zeitungsseiten immer dasselbe erzählen, will ich nicht mehr sehen. Mich öden auch die Frauen an, die von einer Talkrunde zur anderen rennen, um ihre verehrte Meinung überall bekanntgeben zu können. Mich ödet der Nationalismus der… weiter lesen
17.03.2008 von Dilek Zaptcioglu
Oder muß ich sagen – im Interesse der Forschung? Die Uni Münster bittet Leser mit folgendem Aniegen um Mithilfe:
Im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Universität Münster, Deutschland wird untersucht, wie im Internet politische Themen aufgegriffen und diskutiert werden. Als eine von 10 sehr relevanten Seiten zu diesem Thema wurde diese Seite www.taz.de/blogs/istanbulblog/ die Studie ausgewählt. Teil der Studie ist eine Analyse der Seite sowie eine Befragung der Nutzer, die nun online ist:
- Diese Online-Befragung richtet sich an Nutzer dieser Internetseite, die ursprünglich aus der Türkei stammen und nun in Deutschland, Österreich oder der Schweiz leben.
- Die Beantwortung der Fragen dauert etwa 5 Minuten und ist absolut anonym.
- Die Ergebnisse der Befragung werden auf der Homepage des Forschungsprojektes unter http://ppi.uni-muenster.de veröffentlicht, wo auch weitere Informationen
zum Projekt zu finden sind.
Das Forschungsprojekt ist darauf angewiesen, dass möglichst viele von Ihnen an dieser kurzen Befragung… weiter lesen
12.03.2008 von Dilek Zaptcioglu
Der Frühling kommt!
Oberhalb des Ortes am Bosporus, wo ich wohne, blühen die ersten Obstbäume. Ich habe in den letzten Tagen so zarte Blüten gesehen, die der Wind auf die Straße trieb. Und auf der Prinzeninsel Büyükada, wo ich oft bin, kommen bald die Mimosen. Die Sonne ist schon sehr warm und die Katzen paaren sich auf den Dächern – wir werden dieses Jahr viele neue Katzenkinder bekommen. Riesige Containerschiffe schieben sich durch den Bosporus, die Mondscheinerker der Holzvillen (“mehtabiye” – was ist poetischer!) glänzen im roten Schein der untergehenden Sonne. Üsküdar am östlichen Ufer des Bosporus “brennt” jeden Abend, wenn die untergehende Sonne sich in den Scheiben der Häuser den Hügel hinauf wiederspiegelt. Es riecht so gut nach Frühling.

Die Mimosoideae sind eine Unterfamilie der Hülsenfrüchtler – sagt Wikipaedia
Die Insel Büyükada hat in diesem Winter Erdgasanschluß bekommen. Die meisten, die fest auf der Insel wohnen, heizen bereits damit und dadurch… weiter lesen
04.03.2008 von Dilek Zaptcioglu
Was wäre istanbulblog, wenn er nicht der Istanbuler Fenerbahçe heute abend Glück in Sevilla wünschte!
Was ist Fenerbahçe ohne den Gentleman Roberto Carlos, der mit seinem fair play und seinem Charme
die Herzen aller Fans eroberte. Leider sitzt er heute abend wegen Krankheit in Istanbul und schaut wie
alle Star TV (ab 20.45 deutsche Zeit).
Wenn ich mich nicht irre, reicht Fenerbahçe nach den 3:2 in Istanbul ein Unentschieden.
Ich hoffe, daß sich die Nerven der Jungs nach dem unmöglichen Galatasaray-Spiel hier zuhause beruhigt
haben und heute abend zum ersten Mal in der Geschichte des Vereins den Club in die Viertelfinale tragen!
Yetti yanginlar. Haydi Fener!

Und: olé olé!
Dramatisches Spiel – Elfmeterschießen – Fener im Viertelfinale!
hier eine schöne Fotostrecke vom unglaublichen Spiel!
http://fotogaleri.hurriyet.com.tr/galeridetay.aspx?cid=10237&p=49&rid=155
