Archive for the ‘Moment mal’ Category

17.11.2008 von Imma Luise Harms
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Eine Frage der Haltung – Gedanken gegen die Schwerkraft

von Imma Luise Harms

Ich stehe Kopf. Das soll gut sein. Die Organe können mal ihre Lage verändern. Das Blut kommt mit Schwung in den Kopf und macht gute Gedanken. Auch fürs Rückgrat soll’s gut sein, und für die Haltung. Ich drücke die Schultern noch ein bisschen weiter nach unten bzw. nach oben. Unter dem Schambein hat sich eine Kuhle gebildet. Die Gedärme sind aufs Zwerchfell gerutscht und liegen da ganz gut. Durch die Terrassentür sehe ich in den Garten. Der Himmel ist durch die unteren Augenlider, die keine Muskeln haben, um das Auge bewusst freizugeben, ein bisschen abgeschnitten. Aus seinen Rändern lösen sich einzelne gelbe Blätter und steigen trudelnd auf bis in das Gras am oberen Bildrand.

Die Wirkung der Schwerkraft wird unterschätzt, glaube ich. Raumfahrt, Astronomie, Statik – da ist das klar. Aber was macht die Schwerkraft mit uns? Mit unserer Körpererfahrung, unseren sozialen Beziehungen, unserem Gefühl für Symmetrie und Ordndung?… weiter lesen

18.06.2008 von Imma Luise Harms
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„Danke Ihnen“ – „Gerne“ – „Ist klar?“

von Imma Luise Harms

Es gibt berufliche Redereflexe, die sich so einschleifen, dass sie wie ein Tennisarm als Merkmal in die Physis eingehen.
In der Lausitzer Straße ist ein quasi-indischer Restaurant-Imbiß, in dem es lange Zeit besonders leckere Sauer-scharf-Suppen spezial gab. Der kleine Pächter, ein freundlicher Mann aus dem vorderasiatischen Raum, teilte seinen Gästen dicke Speisekarten in klebrigem Pastikeinband zu, in denen man unter vielen, vielen asiatischen Speisen wählen konnte. Nachdem man sich wie immer dann doch für die Sauer-scharf-Suppe spezial entschieden und die schweren Kladden zugeklappt hatte, zum Zeichen, dass die Entscheidung gefallen ist, trat er wieder an den Tisch, nahm die Folianten entgegen und notierte sich: 2 x Sauer-scharf sp., 2 Bhatura, 2 Hefeweizen. Man lächelte ihn an und hauchte „danke“, was er mit einem dezenten Absenken seines schräg gelegten Kopfes und der galanten Formulierung: „danke Ihnen“ quittierte. Das war immer so. Und das „danke Ihnen“ entschlüpfte ihm auch manchmal, wenn… weiter lesen