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Die Markthalle – Ein sinnliches Vergnügen

von Claudia Mussotter

mercado.jpgTritt man in eine Markthalle ein, nehmen Gerüche, Farben, das bunte Treiben, die Kraft der Nahrungsmittel sofort gefangen. Man kann nicht anders, als vor dem Aufgebot an Produkten zu kapitulieren und sich in den Bann dieser kulinarischen Stätte der Superlative ziehen zu lassen. In Valencia kommt man um den Besuch der im historischen Altstadtviertel gelegenen Plaza del Mercado nicht herum – ein Handelsplatz während des Mittelalters –, deren Zentrum der im Jugendstil erbaute, spektakuläre Mercado Central bildet. Die Kuppeln aus Eisen, Glas und Keramik der 1928 neu erbauten Markthalle ragen 30 Meter in die Höhe. Die Fläche des in zwei Zonen geteilten Gebäudes beträgt mehr als 8.000 Quadratmeter, auf denen fast 400 der Markthalle angeschlossene Händler ihre Waren anbieten. 1.500 Menschen arbeiten in einer der schönsten und größten Markthallen Europas, die 15.000 Besucher täglich zählt.

marisco.jpgMan schwimmt mit im Menschenstrom und lässt sich durch die gassenartig angelegten Passagen an den bunten Ständen vorbei treiben. Ein Wahnwitz für die Sinne, wenn Hunderte von Schinken an den Ständen baumeln, Berge von nach Farbe und Größe sortierten Gemüsen und Früchten sich Konkurrenz machen. Riesig die Auswahl an absolut frischem Fisch und Meeresfrüchten, beeindruckend die Kunst, den über Holz geräucherten Paprika „de La Vera“ zu einem pimenton.jpgüberdimensionalen angespitzten Bleistift aufzutürmen.
Doch der Mercado Central ist mehr – ein Ort, wo man alles findet, zum günstigen Preis, und vielleicht noch das passende Rezept für die Zubereitung; ein Ort, wo man den Trick erfährt, wie der Reis nicht verkocht, oder auch, wie man die Knochen eines Huhns auslöst; ein Ort der Kommunikation, wo man sich austauschen kann.
Ein junger Mann an einem der unzähligen Gewürzstände hält dem Händler fragend sein Rezept entgegen. Er bekommt, was er braucht, und gleich noch spezielle Anweisungen dazu.
Eile ist in der Markthalle nicht angesagt, unhöflich, wer ohne zu plaudern verschwindet.
Ich möchte Flaschentomaten – tomates pera – upps!, schon passiert. Die Kleine vom Gemüsestand merkt gleich, dass ich eine „guiri“ bin, abfällig gesagt, eine Ausländerin, weil ich das „r“ nicht rollen kann. Weswegen, wenn immer möglich, solche Wörter, vor allem die mit zwei, „rr“, vermieden werden. – (Ich würde beispielsweise niemals beim Kellner einen „Carajillo con ron negrita pero rápido, camarero“ bestellen – einen heißen Kaffee mit braunem Rum, aber flott bitte.) – Francesa? fragt sie. – Nein, Deutsche, kommt etwas pikiert von meiner Seite. Das gibt Gesprächsstoff während des Einkaufs, denn ihr Bruder ist in Deutschland aufgewachsen… Zum Schluss sagt sie „Auf  Wiedersehen“ und wirft mir noch ein paar Zitronen extra in die Tüte.
Nebenan, an einem der unzähligen Schinkenstände, wird ausgiebig probiert, letztendlich  wandert ein wunderbar würziger Jamón aus den Bergen von Trevélez in Andalusien in die Tasche. Eigentlich wollte ich gar nicht so viel ausgeben…
Ein von Menschen umringter Stand fällt auf. Es ist eine Casquería, ein Stand, der Innereien verkauft, normalerweise kein sehr lukratives Geschäft, denn Zunge, Kutteln, Nieren, Herz oder was es da alles für Merkwürdigkeiten gibt, sind billig, für die Verkäuferin aber arbeitsaufwändig. Hier macht es die Menge. Die Kunden: Südamerikaner, Afrikaner, Immigranten.
Auch viele ältere Leute ziehen ihren Karren durch das Labyrinth der Einkaufsgassen – wahrscheinlich aus jahrelanger Gewohnheit, ganz sicher nicht aus Zeitmangel, der heutzutage die Menschen in die Hyper- und Supermärkte treibt. Wo der Einkauf als etwas angesehen wird, was erledigt werden muss, und beileibe nicht als sinnliches Vergnügen.

Überbackener grüner Spargel
Für 4 Pers.: 1 kg grüner Spargel, 20 g Butter, Salz und Zucker; 200 g junger Manchego-Käse, 200 g dünn aufgeschnittener Serrano-Schinken, Schnittlauch, Salz, weißer Pfeffer
Spargel waschen, unteren Teil schälen, 10 bis 15 Minuten kochen. Backofen auf 200 Grad vorheizen. Abgetropften Spargel in eine ausgebutterte feuerfeste Form legen, mit den Schinkenscheiben belegen; Spargelspitzen und -enden sollen herausgucken. Käse hobeln oder raspeln und den Schinken damit belegen. Pfeffer aus der Mühle drüberstreuen und im heißen Ofen backen, bis der Käse geschmolzen ist. Mit Schnittlauchröllchen anrichten.
 

Kommentare zu “Die Markthalle – Ein sinnliches Vergnügen” (2)

    I love it!

    But I can´t read German

    Gary xxx

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