Spanien ist ein Suppenland. Im Sommer, wenn einem eigentlich schon bei dem Wort “Suppe” das Wasser von der Stirn tropft, essen wir erfrischenden kalten Gazpacho, einen Salmorejo oder Ajoblanco, die andalusische Knoblauch-Mandel-Suppe mit Trauben. Wenn es aber lange heiß war und wir uns an solcherart Suppen satt gegessen haben, warten wir sehnsüchtig mit dem Löffel in der Hand auf das erste kühle Lüftchen, um die geliebten Ein-Topf-Gerichte zu rechtfertigen: Cocido, Puchero oder etwa eine Olla de música, ein Eintopf aus dem Hinterland Alicantes, der ausgedacht wurde, um die Musiker Alcoys, das für eine der besten Fiestas bekannt ist, auf den Beinen zu halten.
Spanien ist auch das Land der zwei Jahreszeiten. Sommer/Winter, Winter/Sommer, das geht nahtlos ineinander über, weshalb derzeit noch in allen Küchen der Puchero – Nationalgericht, bevor er von der Paella verdrängt wurde – in großen braunen Töpfen vor sich hin köchelt.
Eine Suppe mit Geschichte ist hier die Sopa boba,… weiter lesen
Archive for April, 2007
“Asi es pica, asi es cou, asi es menga la mona, asi es trenca el ou”, singen valencianische Kinder und hauen ihrem Gegenüber ein Osterei auf die Stirn. Das ist an der ganzen Levante Brauch am Ostermontag, genauso wie in großer Gesellschaft mit Sack und Pack aufs Land oder an den Strand zu fahren, wo man eine Paella überm Holzfeuer brutzelt. Am Nachmittag wird die Longaniza ausgepackt (typische Hartwurst). Dann kommt das fantasievoll geformte süße Hefegebäck mit den bunt gefärbten Ostereiern dran, die so genannte Mona. Das Wort stammt noch aus Zeiten, als die Araber in Spanien waren (=munna).
Traditionell schenkten “padrinos” einst ihrem Patenkind bis zur Kommunion jedes Jahr eine Mona mit so vielen Eiern, wie es Jahre zählte. Heute ist das Ganze nur noch ein gutes Geschäft, vor allem wenn wie in Katalonien die Mona eine kunstvoll gestaltete Schokoladenfigur ist.
Valencianos schwören allerdings auf ihre Monas, die Bäckereien sind schon seit Tagen voll davon. Mehl, Olivenöl, Zucker, Eier sind… weiter lesen
Ein alter spanischer Brauch war, die
Fastenzeit, „cuaresma“, als eine alte Frau mit sieben Füßen darzustellen, die die sieben Wochen symbolisieren sollten, die die Fastenzeit dauert. In der Rechten hielt sie einen Pilgerstab oder auch eine Pfanne, in der linken Hand schwang sie einen Stockfisch. An den Sonntagen rissen die Kinder des Hauses der Puppe ein Bein aus, ein Ritual zwischen Spiel und Ernst, das darin gipfelte, dass dieser Fuß anschließend unter großem Getöse der Beteiligten verbrannt wurde. Am Ostersonntag dann warf man die ganze Alte mit ihrem einzig verbliebenen Fuß ins Feuer und pflegte das erste sukkulente Mahl einzunehmen, das, wenn es die wirtschaftliche Lage erlaubte, aus einem Lamm und Würsten bestand. Die berühmte Alte wurde während der Fastenzeit mahnend in den Auslagen von Geschäften präsentiert, die Stockfisch verkauften. Das war allerdings zu Zeiten, als der liturgische Kalender noch allergrößten Einfluss auf die Essgewohnheiten… weiter lesen