28.09.2010 von Dominic Johnson
Das vorherrschende Thema in Kivu ist derzeit das Verbot sämtlicher Bergbauaktivitäten, das Präsident Joseph Kabila am 11. September mit Wirkung ab 9. bei der Durchreise in Goma verfügte. Da die Ökonomie der beiden Kivu-Provinzen weitgehend vom Mineralienexport abhängt, hat das den Effekt eines Blitzeinschlags: Praktisch über Nacht fällt die wichtigste Einnahmequelle des Ostkongo aus. (Mehr dazu in der taz von heute)
Das Bergbauverbot hat viele Facetten, auf die nicht alle gleichzeitig eingegangen werden kann. Nehmen wir erstmal die offizielle Begründung, die sich in extenso so liest:
“Angesichts der Verbindung, die zwischen der illegalen Ausbeutung von und dem illegalen Handel mit Mineralien, der Proliferation und dem Schmuggel mit Waffen durch bewaffnete mafiöse Gruppen, und der wiederholten Unsicherheit in den Provinzen Maniema, Nord-Kivu und Süd-Kivu besteht;
Angesichts der Notwendigkeit, die Souveränität des Staates zu bewahren und seine Autorität auf und unter der Erde in den betroffenen Provinzen wiederherzustellen;
Angesichts der Einmischung von… weiter lesen
26.09.2010 von Dominic Johnson
Ein Gesprächspartner sagt kurzfristig ab: Er muß zu seinem Vater, denn dessen Haus wurde gerade zerstört. Immer öfter sieht man in Goma Ruinen, die nicht früheren Kriegs- oder Vulkanschäden geschuldet sind oder einfach nur dem Verfall anheimgegeben wurden, sondern mutwillig zerstört wurden: Deckenstützen liegen am Boden, Holzpfeiler und Fenster ragen wild aus eingefallenen Mauern hinaus, ganze gekachelte Wände ehemaliger Küchen und Badezimmer liegen zerschlagen zwischen Mauersteinen am Boden, und was noch steht, kann jeden Moment einstürzen.
“Rastas” und “Anti-Gangs” heißen die Schlägertrupps des Bürgermeisters von Goma, die laut Augenzeugen für diese sinnlose Zerstörung verantwortlich sind. Meist morgens in der Früh dringen sie unter Polizeischutz und mit Hämmern und Keulen bewaffnet in Häuser ein, die nach Meinung der Stadtverwaltung zu nahe an einer irgendwann zur Reparatur oder Verbreiterung vorgesehenen Straße liegen und daher wegmüssen. Wenn die Gangs mit ihrem Werk fertig sind, sitzen die Bewohner auf der Straße.
Vorwarnung oder Entschädigung… weiter lesen
22.09.2010 von Dominic Johnson
Eine einfache Autofahrt von Ruanda nach Kongo macht offensichtlich: in Ruanda geht die Entwicklung stürmisch voran – im Kongo herrscht Stillstand.
Überall in Ruanda wird gebaut. Nicht nur, was inzwischen jeder weiß, in der boomenden Hauptstadt Kigali, wo inzwischen sogar glitzernde Hochhäuser in die Höhe schießen. Auch draußen auf dem Land verändert sich alles. Neue Schulen entstehen, über Dutzende Kilometer hinweg verlegen Bauarbeiter Glasfaserkabel zur Verkabelung des gesamten Landes, die Hauptstraßen werden modernisiert. Rund um das beschauliche Gisenyi an der Grenze zum Kongo füllen zu Hunderten neue Kleinhäuser mit blinkenden Wellblechdächern die Täler, in denen vor wenigen Jahren noch Bananenhaine wuchsen. Das ist keine Landflucht in die Stadt, sagt man mir: Bewohner von Gisenyi, das dank Tourismus, Methangas und Kongo-Grenzhandel reich geworden ist, kaufen sich Grundstücke auf dem Land. In anderen Dörfern gibt es mehr kleine Läden als früher, mehr Aktivität. Die staubige, verfallene Innenstadt Gisenyis wird nun auch generalüberholt,… weiter lesen
06.09.2010 von Dominic Johnson
Bis zum 21. September macht Kongo-Echo Pause – außer falls die Entwicklungen eine frühere aktuelle Kommentierung erzwingen. Die bereits hier angeschnittenen Themen sind keineswegs erledigt, und leider deutet deswegen vieles darauf hin, daß der September im Kongo, vor allem in Kivu, wieder sehr unruhig werden könnte, so wie es seit vielen Jahren immer wieder der Fall gewesen ist. Sie werden auf dieser Seite rechtzeitig auf dem Laufenden gehalten.