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vonDominic Johnson 19.12.2010

Kongo-Echo

Überraschendes und Unterschwelliges aus dem Herzen Afrikas – von taz-Afrikaredakteur Dominic Johnson.

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Der Höhenflug des besten kongolesischen Fußballvereins ist gestoppt. Tout-Puissant Mazembe aus Lubumbashi verlor am Samstag in Abu Dhabi das Endspiel der Klub-WM, ein weltweiter Wettbewerb der Fußballvereine, mit 0:3 gegen Inter Mailand.

In Katangas Hauptstadt Lubumbashi, wo TP Mazembe herkommt, war die Enttäuschung groß. Wütende Fans griffen chinesische Einrichtungen und Geschäfte an, darunter die Zentrale der im Kongo aktiven chinesischen Telefongesellschaft CCT. Die Polizei griff mit Warnschüssen ein, wobei dummerweise auch die Großbildleinwand im Stadtzentrum beschädigt wurde, auf der die Fans das Spiel verfolgt hatten.

Wieso Chinesen? Weil der Schiedsrichter ein Japaner war, und nach Meinung der kongolesischen Fans hatte er Mazembe benachteiligt. Japaner und Chinesen sehen aus Sicht von Kongolesen gleich aus.

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https://blogs.taz.de/kongo-echo/2010/12/19/tp_mazembe_wird_nicht_weltmeister/

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kommentare

  • Was für eine andere Möglichkeit als Großbildleinwände haben die meisten Kongolesen, um Fußballfeste zu feiern? Die Großbildleinwand in Lubumbashi befand sich auf dem zentralen Place de la Poste, wo ansonsten politische Großkundgebungen, ökumenische Gottesdienste usw. stattfinden und wo auch TP Mazembe regelmäßig nach seinen Erfolgen jubelnd von den „Lushois“ und den politischen Größen Katangas empfangen wird. Man darf davon ausgehen, daß Mazembes Chef und Mäzen Moise Katumbi, Gouverneur von Katanga, auch per Leinwand dafür sorgt, daß das Volk die Spiele des Clubs dort verfolgen kann.

  • Übrigens war die Frage, die mir beim Lesen dieses Artikels spontan durch den Kopf ging eher: Was macht eine Großbildleinwand zur Übertragung eines Fußballspiels in Lumbumbashi? In einer Welt, wo für die meisten Menschen „Kino“ bedeutet, mit 20-50 Leuten in einer Hütte um einen großen alten Fernseher zu sitzen und ein Video anzusehen. (und dafür Eintritt bezahlen!) Wo Geiz nicht „geil“ ist, sondern Teil einer notwendigen Strategie des täglichen Überlebens. Wo (angeblich) der Regierung das Geld fehlt für Schulen, Lehrergehälter, Infrastruktur etc…. Wer hat da wohl dafür gesorgt, daß in der Stadt eine Großbildleinwand aufgehängt wird zur Übertragung eines Fußballspieles?

  • Lieber Herr Leinen,

    ich glaube nun wirklich nicht, dass ich mit meinem Kommentar „einem ganzen Volk“ einen gewaltbereiten Stempel aufdrücke. Was ich beschreibe, entstammt einfach persönlichen Erlebnissen. Mein Ex-Mann, ein Kongolese, war eine ganze Zeit lang Präsident eines Fußballvereins der Provinz Süd-Kivu. In seiner Zeit dort ist die Mannschaft weit aufgestiegen, er war aber nie persönlich bei einem der Spiele anwesend, weil es zu gefährlich war. Einfach aufgrund der nachfolgenden Schlägereien und Ausschreitungen mit fliegenden Flaschen und Steinen, bei denen auch schon mal Menschen schwer verletzt wurden. Das ist einfach eine Realität. Ich habe aber nie gesagt, dass jeder Kongolese gleich ein gewaltbereiter Fußballfan oder überhaupt gewaltbereit ist und es liegt mir sicher fern, hier ein ganzes Volk zu verunglimpfen.
    Trotzdem entsprechen solche Beschreibungen auch einfach einer Realität, die Sie anscheinend nicht wahrnehmen möchten – oder was auch immer. Nichts gegen ihre ehrenvolle Arbeit, die sicherlich viel Gutes bewirkt – aber man kann dieses Land nicht einfach nur mit mildtätiger Nächstenliebe „retten“.

  • einfach mal genauer hingucken! Dann werden aus „den Kongolesen“ „gewaltbereite Fussballfans aus dem Ostkongo“. Dann drückt man nicht einem ganzen Volk einen negativen Stempel auf in der Art „die sind so“. Hinsehen hilft immer, vor allem wenn es um Menschen und ihre Lebensentwürfe geht. Plakative Etiketten verhindern das. Abgestempelt kann ich die selbstproduzierten Bilder in meinen Schubladen ablegen und mich anderen Dingen zuwenden. Leider bleiben die nicht in ihren Schubladen sondern potenzieren sich mit anderen zu Eindrücken und Weltsichten, aus denen heraus ich agiere. Gemeinsam leben geht anders. Wenn wir uns dieses Mechanismus bewusst werden, und sehen lernen, dann eröffnen sich neue Welten – für uns und die in unserem Fokus. Wolfgang Leinen, http://www.konga-ev.de .

  • Sehen nicht auch für uns Europäer Japaner, Chinesen, Vietnamesen, Koreaner alle gleich aus?
    Aber was richtig ist – Kongolesische (oder soweit ich sagen kann) ostkongolesische Fußballfans sind tatsächlich extrem gewaltbereit. Frust und Freude werden hier oft gleichermaßen in Gewalt- Excessen abreagiert.

  • „…Japaner und Chinesen sehen aus Sicht von Kongolesen gleich aus“. Aber aber Herr Johnson, ist da der „kleine Rassismus in uns allen“ mit Ihnen durchgegangen? Schade, zumal Sie -soweit ich das überblicken kann, der einzige Journalist sind, der regelmässig und differenziert über die Ereignisse und Verstrickungen in der RDC berichtet.
    Wolfgang Leinen, http://www.konga-ev.de.

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