Archive for September, 2012

29.09.2012 von Dominic Johnson
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“Verhaftet und geschlagen”

von Dominic Johnson

Wieder ein Mordopfer in Goma: der Geschäftsmann Kambale Nzereka Mutinga, Tankstellenbesitzer, wurde gestern am frühen Abend vor seinem Haus mitten in der Stadt erschossen, berichtet “Radio Okapi”.

Während international spekuliert wird, ob die vielen Morde etwa Anzeichen einer M23-Infiltration sind – wobei die Teilverantwortung der Präsidialgarde klar scheint – wird die allgemeine Unsicherheit, die von den staatlichen Stellen ausgeht, jedoch kaum thematisiert. Ein Klima der Paranoia und der gegenseitigen Schuldzuweisung ergreift die Menschen – Nährboden für eine zu befürchtende Verlagerung der bestehenden Konfrontation zwischen bewaffneten Kräften in die Gesellschaft hinein, was verheerende Konsequenzen hätte.

Kongo-Echo erreichte vor wenigen Tagen folgendes Schreiben eines jungen Juristen und Menschenrechtsaktivisten aus Goma an seine Freunde und Kollegen in der Stadt, das wir hier übersetzt komplett bis auf die Dankesworte am Schluß dokumentieren. Den Namen des Autors verschweigen wir zu seinem Schutz. Die beschriebenen Vorfälle sind aus anderer Quelle im Wesentlichen bestätigt. Soweit… weiter lesen

27.09.2012 von Dominic Johnson
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Nächtliche Morde in Goma

von Dominic Johnson

An der Kriegsfront in Nord-Kivu herrscht Ruhe – hinter der Front dagegen Gewalt. Die Provinzhauptstadt Goma ist seit einigen Tagen wieder wie zu finstersten Zeiten Schauplatz unaufgeklärter nächtlicher Morde, die die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. In der Nacht zu heute wurden erneut drei Menschen erschossen; bereits in der Nacht zu Dienstag 25. September gab es drei bis vier Tote.

Dieser erste schwere blutige Zwischenfall ereignete sich, so berichten Einwohner von Goma, als eine Bar in der Nähe der Universität Goma (UNIGOM) von unbekannten Bewaffneten überfallen wurde. Da in der Bar auch Militärs saßen, entwickelte sich eine halbstündige Schießerei, als deren Ergebnis mindestens drei Leichen auf der Straße lagen und auch am nächsten Morgen noch zu sehen waren.

Einer der Toten war ein Soldat der Präsidialgarde (Garde Républicaine), heißt es in den Berichten, die Kongo-Echo erreichen; die Garde habe geschworen, aus Rache 10 Leute umzubringen. Es wird seitdem geraten,… weiter lesen

16.09.2012 von Dominic Johnson
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Roger Lumbala flieht nach Frankreich

von Dominic Johnson

Der kongolesische Oppositionsabgeordnete Roger Lumbala, der für die Tshisekedi-Wahlplattform SET im Parlament saß und zuletzt in der südafrikanischen Botschaft in Burundi Zuflucht vor dem kongolesischen Geheimdienst gefunden hatte, ist gestern nach Frankreich ausgeflogen, berichten verschiedene Medien. Lumbala sei am späten Samstag vormittag in Begleitung von südafrikanischen Botschaftsangestellten und Mitarbeitern des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zum Flughafen der Hauptstadt Bujumbura gebracht worden und bestieg eine Maschine von Kenya Airways, um über Nairobi per Nachtflug nach Paris zu fliegen. Dies hätten südafrikanische und burundische Behörden bestätigt. In Frankreich sucht Lumbala nun politisches Asyl.

Lumbala, gewählter Abgeordneter für Ost-Kasais Provinzhauptstadt Mbuji-Mayi, war Ende August aus Ruanda nach Burundi gereist, wo er vom Geheimdienst unter Hausarrest gestellt wurde und schließlich in die südafrikanische Botschaft floh, um nicht verhaftet und in den Kongo ausgeliefert zu werden. Die kongolesische Regierung hält ihn für einen Kollaborateur der M23-Rebellen in Nord-Kivu, der in Zusammenarbeit mit Ruandas Regierung versuche, den Einfluß… weiter lesen

12.09.2012 von Dominic Johnson
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Von Kasai bis nach Burundi: es brennt allerorten

von Dominic Johnson

Nach wie vor monopolisiert die M23-Rebellion im Ostkongo die Aufmerksamkeit der internationalen Kongo-Diplomatie. Aber seit über einem Monat hat es jetzt keine ernsthaften Kämpfe mehr gegeben, die Rebellion hat sich mit ihrer “Regierung” im Distrikt Rutshuru eingerichtet und macht wenig Anstalten, daran sichtbar etwas zu ändern. In der Zwischenzeit brennt es im Kongo an allen Ecken und Enden. Aber wo nicht die lange Hand Ruandas hinter kongolesischen Rebellen vermutet wird, interessiert sich der Rest der Welt nicht dafür. Eine kuriose Manifestation der internationalen Ignoranz gegenüber dem Kongo, die nur dann wachsam wird, wenn man ein gewisses Nachbarland für Mißstände verantwortlich machen kann, und ansonsten die alltägliche Misere der Kongolesen und ihre Versuche, daran etwas zu ändern, komplett ignoriert.
Die Wahlfälschung im Kongo 2011 erregte längst nicht so viel Aufsehen in der Welt wie die M23-Rebellion 2012, und sie stieß auf längst nicht so viel Kritik. Keine UN-Expertengruppe untersuchte die… weiter lesen

08.09.2012 von Dominic Johnson
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Ituri, die unbekannte Kriegsfront

von Dominic Johnson

Während sich die Aufmerksamkeit der Welt, was Kongos Krise angeht, auf Nord-Kivu und die M23-Rebellen konzentriert, ist die Situation in anderen Teilen Ostkongos nicht besser. Aber weil es in Süd-Kivu oder Ituri nicht um mutmaßliche Einmischung Ruandas geht wie bei der M23, sondern nur um den ganz normalen kongolesischen Staatszerfall, guckt da kaum jemand hin. Ein weiteren Symptom für den gefährlichen Grundfehler der internationalen Kongo-Wahrnehmung, worin das Problem des Kongo in den Aktivitäten des Nachbarn Ruanda liegt und nicht im Kongo selbst.

Ituri, der an Nord-Kivu im Norden angrenzende Distrikt der nordostkongolesischen Provinz Orientale, wird nicht weniger als Nord-Kivu von bewaffneten Konflikten erschüttert. Hauptgegner der kongolesischen Armee hier ist die FRPI (Force de Résistance Patriotique de l’Ituri – Patriotische Widerstandsfront von Ituri) unter Cobra Matata. Dieser langjährige Kriegsführer, mit richtigem Namen Justin Wanaloki, hat mit seiner Truppe – deren Stärke von wenigen hundert bis zu 1500 Kämpfern geschätzt wird… weiter lesen

04.09.2012 von Dominic Johnson
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Opposition im Kongo fordert “nationalen Dialog”

von Dominic Johnson

In Reaktion auf die Nachricht, dass die ganzen letzten Jahre ruandische Spezialeinheiten in Nord-Kivu stationiert waren – was erst jetzt zu ihrem Abzug bestätigt wurde – meldet sich die politische Opposition in Kinshasa zu Wort. Gleich mehrere Erklärungen der letzten beiden Tage fordern einen “nationalen Dialog” zur Diskussion über die Lage im Osten des Landes.

Die Menschenrechtsorganisation Asadho (Association Africaine de Défense des Droits de l’Homme) erinnert daran, dass Ruanda offiziell 2009 aus dem Kongo abgezogen war (zum Ende der gemeinsamen kongolesisch-ruandischen Armeeoperation Umoja Wetu gegen die FDLR) und erinnert an die vielen Kehrtwendungen und fragwürdigen Entscheidungen der kongolesischen Regierung seitdem:
- erst die Einladung Ruandas, seine Armee in den Kongo zu schicken, ohne politische Debatte darüber im Kongo, und dann die Geheimniskrämerei darüber, wieviele ruandische Soldaten im Land waren
- dann die Protektion des zum Armeegeneral erhobenen Generals Bosco Ntaganda
- dann im Jahr 2010 die… weiter lesen

03.09.2012 von Dominic Johnson
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Deserteure auch in Bas-Congo

von Dominic Johnson

Nicht nur in Kivu und Kasai, auch in der Provinz Bas-Congo im äußersten Westen des Kongo zeigt die Armee FARDC Zerfallserscheinungen. Kongo-Echo erreichen Nachrichten, wonach 100 Soldaten, die aus der Militärbasis Tombangadio 30 Kilometer von der Provinzhauptstadt Matadi entfernt kamen, auf der Straße von Matadi nach Kinshasa “ausgerissen” sind. Sie hätten eigentlich in die nordwestkongolesische Provinz Equateur verlegt werden sollen, in die Stadt Gemena (wo vor kurzem erst ein spektakulärer Gefangenenausbruch Schlagzeilen machte). Sie befürchteten aber, dass die Armeeführung sie in Wirklichkeit nach Ostkongo zum Kampf gegen die M23-Rebellen schicken will, heißt es. Jetzt jedenfalls werden sie von der 2. Militärregion intensiv gesucht.

Die Provinz Bas-Congo ist ohnehin angespannt. Hier wurden in den vergangenen Jahren Aufstände der lokalen separatistischen Bewegung Bundu dia Kongo (BDK) des Bakongo-Volkes blutig niedergeschlagen. Hier regiert eine regierungstreue Provinzregierung, obwohl bei den Provinzwahlen 2006 die Opposition die Mehrheit holte. Viele Meinungsführer in Bas-Congo beklagen, dass über… weiter lesen

02.09.2012 von Dominic Johnson
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Ruandas geheime Armeeoperation in Nord-Kivu

von Dominic Johnson

Es war eigentlich kein Geheimnis, dass ruandische Militärs im Ostkongo der kongolesischen Armee bei der Jagd auf die ruandische Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) helfen. Von Geheimdienstkooperation und Spezialkräften im Distrikt Rutshuru war des öfteren in den letzten Jahren die Rede. Jetzt hat Ruanda das alles erstmals öffentlich gemacht – im Zusammenhang mit der Nachricht, eine Spezialoperation sei beendet worden. Was die Frage aufwirft, ob es nicht noch mehr ruandische Spezialoperationen dieser Art gibt – und den Kongo ziemlich blöd aus der Wäsche gucken lässt.

“Nach Beratung mit der DR Kongo und Monusco (UN-Mission im Kongo) zieht Ruanda die beiden Kompanien von RDF-Spezialkräften ab, die in gemeinsamen Operationen in Rutshuru neben FARDC (Kongos Armee) gearbeitet haben”, erklärte Ruandas Regierung am Samstag. Das Umfeld habe sich mit dem Ausbruch der M23-Rebellion “verändert”, und seit einiger Zeit sei man dabei gewesen, diesen Rückzug zu “planen”. Die beiden Kompanien ruandischer… weiter lesen