Roger Lumbala flieht nach Frankreich

Der kongolesische Oppositionsabgeordnete Roger Lumbala, der für die Tshisekedi-Wahlplattform SET im Parlament saß und zuletzt in der südafrikanischen Botschaft in Burundi Zuflucht vor dem kongolesischen Geheimdienst gefunden hatte, ist gestern nach Frankreich ausgeflogen, berichten verschiedene Medien. Lumbala sei am späten Samstag vormittag in Begleitung von südafrikanischen Botschaftsangestellten und Mitarbeitern des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zum Flughafen der Hauptstadt Bujumbura gebracht worden und bestieg eine Maschine von Kenya Airways, um über Nairobi per Nachtflug nach Paris zu fliegen. Dies hätten südafrikanische und burundische Behörden bestätigt. In Frankreich sucht Lumbala nun politisches Asyl.

Lumbala, gewählter Abgeordneter für Ost-Kasais Provinzhauptstadt Mbuji-Mayi, war Ende August aus Ruanda nach Burundi gereist, wo er vom Geheimdienst unter Hausarrest gestellt wurde und schließlich in die südafrikanische Botschaft floh, um nicht verhaftet und in den Kongo ausgeliefert zu werden. Die kongolesische Regierung hält ihn für einen Kollaborateur der M23-Rebellen in Nord-Kivu, der in Zusammenarbeit mit Ruandas Regierung versuche, den Einfluß der Rebellion nach Süd-Kivu und Kasai auszudehnen. Entsprechende Vorwürfe hatte Informationsminister Lambert Mende am 11. September erhoben.

Die kongolesische Webseite “Congo Indépendant” bringt Einzelheiten über Lumbalas unfreiwilligen Aufenthalt in Burundis Hauptstadt Bujumbura. Demnach wurde er am 30. August, kurz nach seiner Einreise, erstmals in Bujumbura von Sicherheitsagenten besucht. Als er am Folgetag aus Bujumbura ausfliegen wollte, nahmen die Behörden ihm seinen Diplomatenpass ab und wollten ihn befragen. Unter Berufung auf seine Immunität weigerte sich Lumbala und reiste in sein Hotel zurück. Am 2. September abends landete Kalev Mutond, Leiter des kongolesischen Geheimdienstes ANR, in Bujumbura. Lumbala erfuhr davon und begab sich erst in die britische und dann in die südafrikanische Botschaft.

Am 13. September, zwei Tage nach Informationsminister Mendes Anschuldigungen gegen Lumbala, nahm erstmals Burundis Regierung offiziell Stellung. Kongos Regierung habe einen “mündlichen Auslieferungsantrag” gestellt, sagte der burundische Außenminister Laurent Kavakure; sollte ein schriftlicher folgen, werde man ihn prüfen. Lumbala wartete nicht darauf – und konnte jetzt ausreisen.

Die Affäre Lumbala könnte nun die französisch-kongolesischen Beziehungen vergiften. Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande hat die Kritik der kongolesischen Opposition auf sich gezogen, indem er zugesagt hat, zum nächsten Weltgipfel der Frankophonie in Kinshasa ab 12. Oktober zu kommen. Aber wenn er nun Lumbala Asyl gewährt, steht Frankreich anders da – und Kongos Regierung wird sich ärgern dürfen. Kongos Parlament, das ab jetzt wieder in Sitzung ist, wird derweil demnächst über einen Antrag auf Entzug von Lumbalas Immunität beraten.

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