Kongos neuer Aufsteiger: Jean Bamanisa, Provinzgouverneur in Kisangani

Es bewegt sich etwas in der offiziellen Politik der Demokratischen Republik Kongo. Bei Gouverneurswahlen in den Provinzen Bas-Congo und Orientale am 28. Oktober verlor jeweils der Kandidat des Regierungslagers. Bas-Congo, im äußersten Westen des Landes, ist ohnehin Oppositionshochburg; die Niederlage des bisherigen Vizegouverneurs Deo Nkuzu gegen Jacques Mbadu – der 2006-07 schon einmal Gouverneur aus dem Oppositionslager gewesen war, bis auf rätselhafte Weise die Mehrheit im Provinzparlament sich veränderte und einen Gouverneur aus dem Regierungslager an die Macht brachte – ist daher keine wirkliche Überraschung. Erstaunlicher hingegen ist das Ergebnis in der Province Orientale, dem nordöstlichen Landesviertel mit Kisangani als Hauptstadt und bei den Wahlen immer mit einer soliden Kabila-treuen Mehrheit. Dort setzte sich im zweiten Wahlgang mit 48 gegen 45 Stimmen im Provinzparlament der Oppositionspolitiker Jean Bamanisa gegen den von der PPRD unterstützten Kandidaten Jean Tokole durch, nachdem er im ersten Wahlgang noch deutlich hinten gelegen hatte.

Kongos Oppositionspresse begrüßte das als Zeichen, dass das “Diktat Kinshasas” in der fernen Provinz nicht mehr akzeptiert werde. Als die Wahl am 31. Oktober von Kongos Wahlkommission bestätigt wurde, soll es in Kisangani zu großen Freudenfeiern gekommen sein.

Bamanisa ist kein Unbekannter im Kongo. Er ist Geschäftsmann aus Kisangani, vor den Kriegen groß im Benzinhandel und eng verflochten mit der damaligen Elite um Mobutu. Seine Ehefrau Caroline ist die Schwester von Jean-Pierre Bemba, der in Den Haag inhaftierte ehemalige Rebellen- und Oppositionsführer der MLC (Kongolesische Befreiungsbewegung). Er ist auch um eine Ecke weiter verschwägert mit Nzanga Mobutu, Sohn des toten Diktators, der mit einer anderen Bemba-Schwester verheiratet ist. Bamanisas Wahl verkörpert damit eine direkte Rückkehr der alten zairischen Geschäftselite an die Macht und zeigt eines: Im Vergleich zu dem, was heute im Kongo los ist, erscheint das Wirken dieser Leute inzwischen als eine lang verflossene goldene Ära, und man respektiert ihre Söhne, wenn sie sich heute für ihr Land engagieren und sich als geschäftstüchtig erweisen. Jean-Pierre Bemba hätte damit bei den Präsidentschaftswahlen 2006 um ein Haar den Sieg davongetragen. Jean Bamanisa ist nun die neueste Inkarnation dieser Tendenz.

Jean Bamanisa wurde 1964 in Kisangani als Sohn des belgisch naturalisierten, ursprünglich wohl jugoslawischen Arztes Alexander Barlovatz geboren, dessen Ruf noch heute in der Stadt nachwirkt. Seine Mutter war belgisch-kongolesisch-gemischter Abstammung mit Wurzeln in Ituri. Er war Präsident der Kinshasa-Abteilung des zairischen Unternehmerverbandes und Freund des damaligen Verbandschefs Jeannot Bemba Saolona, Vater von Jean-Pierre Bemba und unter Mobutu einer der reichsten Männer des Landes. Dann gründete er eine Benzinhandelsfirma. 1998-2004, während der Kongokriege, leitete Bamanisa aus Kinshasa heraus die exilierte Orientale-Sektion des Unternehmerverbandes; er war nicht Teil der Rebellionen im Osten Kongos, auch nicht der MLC seines Schwagers Jean-Pierre Bemba. Vielmehr, glaubt man gewissen Presseberichten aus Kinshasa, eignete sich Bemba während seiner Zeit als Vizepräsident des Kongo 2003-06 widerrechtlich ein Grundstück im Besitz Bamanisas in Maluku außerhalb von Kinshasa an (direkt neben dem Sägewerk der deutschen Holzfirma Danzer) an, um sich dort selbst ein Anwesen für seine bewaffnete Garde einzurichten.

2006 wurde Bamanisa sich als Unabhängiger ins Parlament des Kongo gewählt. Er gehörte kurzzeitig zu einer der kleineren Fraktionen, “Forces du Centre” im weiteren Mobutu-Umfeld, innerhalb der Kabila-treuen “präsidialen Mehrheit”, trat aus ihr 2008 wieder aus und ärgerte in den Jahren danach die Regierung hartnäckig vor allem mit präzisen Fragen und Kritiken zu ihrer Ölpolitik – die Vergabe von Ölförderlizenzen ist eines der wichtigsten und undurchsichtigsten Korruptionsgeschäfte des Kongo. Besonders abgesehen hat es Bamanisa auf den langjährigen Ölminister Lambert Mende, der in einige der seltsamsten Ölgeschäfte verwickelt war und heute als Kabilas Informationsminister amtiert; gegen ihn versuchte Bamanisa, eine parlamentarische Untersuchungskommission einzusetzen. Aber er kritisierte auch immer wieder das Fehlen einer vernünftigen Wirtschaftspolitik insgesamt, vor allem beim Wiederaufbau der kongolesischen Landwirtschaft, und arbeitete auch relativ vergeblich daran, zumindest im Parlament dafür Strukturen aufzubauen, die in der Lage wäre, Ideen zu generieren. “Die schlechten Erfahrungen beim Umgang mit dem Bergbau und dem Tropenholz dürfen sich nicht mit anderen Ressourcen wiederholten”, warnte er jüngst in einem Interview.

Bei seiner Kandidatur als Provinzgouverneur achtete Bamanisa darauf, sich abzusichern. Er holte den ehemaligen PPRD-Fraktionschef im Provinzparlament, Pascal Mombi, als Vizegouverneurskandidat zu sich. Er konnte das aus einer Position der Stärke tun: der präferierte Gouverneurskandidat des Regierungslagers, Jean-Pierre Daruwezi, ehemaliger Geheimdienstchef und kurzzeitiger Wirtschaftsminister, war schon in der ersten Runde mit 25 Stimmen auf dem dritten Platz gelandet und gescheitert; das Regierungslager hatte sich dann hinter den als Unabhängigen angetretenen Diamantenhändler Tokole geschart, der mit 42 Stimmen im ersten Wahlgang weit vor Bamanisa mit 27 Stimmen gelegen hatte. Aber Tokole unterlag schließlich.

Understatement ist nicht Bamanisas Sache, vor allem nicht seit seinem Wahlsieg. Auf seiner eigenen Webseite vergleicht er sich mit Obama und verspricht eine “rationale Regierung und Modernisierung der Provinz”, komplett mit ambitioniertem “Aktionsplan”: 30 Schulen, 30 Krankenhäuser, zwei Wasserkraftwerke, Investitionen in die Infrastruktur, die Trinkwasserversorgung und den Bergbau, dazu regelmäßige Vorlage des Standes der Staatsfinanzen vor dem Provinzparlament, um nur einige Punkte zu nennen.

Auf jeden Fall ist Bamanisa jetzt Kongos profiliertester Provinzgouverneur neben Moise Katumbi aus Katanga. Ebenso wie er profitiert er von der Mutmaßung zahlreicher Kongolesen, dass er weniger korrupt sein könnte als viele seiner Landsleute, weil er ja sowieso schon steinreich ist und daher nicht erst den Staat auszuplündern braucht. Und dass er eine Mischung aus besserer Vergangenheit und besserer Zukunft darstellt.

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