Warum Reisen im Kongo so nervig ist

Ein Jurist aus Lubumbashi, Hauptstadt von Katanga, weilt derzeit zu einer Tagung in Goma, Hauptstadt von Nord-Kivu. Eigentlich wäre er wohl am liebsten zuhause geblieben. Es wäre aber schade, denn jeder, dem er seine Geschichte erzählt, kommt mit eigenen genauso bizarren Geschichten und es ist schön, daß es diesen Austausch gibt.

Der Reihe nach. Am Samstag besteigt der Jurist, nennen wir ihn P., in Lubumbashi den CAA-Inlandsflug nach Goma. Der fliegt über Kalemie, also geographisch direkt, und braucht wenige Stunden. Daß der einfache Flug 510 US-Dollar kostet, der Hin- und Rückflug aus USD 1020 und damit soviel, wie man von hier aus nach Europa zu zahlen hat, nimmt P. hin, er hat ja keine Wahl – (und noch vor Jahren mußte man, um aus Katanga nach Kivu zu reisen, entweder in Kinshasa oder Nairobi umsteigen und übernachten).

Seine kleine Reisetasche darf nicht mit ins Handgepäck, erklärt CAA dem Reisenden. Grund: Sie wiegt mehr als 5kg. Diesees Limit muß irgendwie spontan entstanden sein, aber P. nimmt es hin, er hat ja keine Wahl.

Wenige Stunden später am Samstag nachmittag landet P. in Goma. Sein Gepäck nicht. Tja, sagt CAA, am Sonntag ist ja noch ein Flug. Er soll also morgen wiederkommen.

P. kommt wieder. Es landet der Flug aus Lumumbashi, genauergenommen ein Flug aus Kinshasa, auf den Passagiere aus Lubumbashi haben umsteigen können. Eine umständliche, für aufgegebenes Gepäck durchaus riskante Route. P’s Gepäck kommt nicht. Wieder einmal. Er fährt zurück ins Hotel.

Am Abend macht er sich mit einem Freund in Goma auf, um sich das Nötigste für die nächsten Tage zu besorgen. Sie fahren in die Stadt; auch am Sonntag kann man, wenn man weiß wo, in Goma einkaufen. Auf dem Weg, am städtischen Krankenhaus, hält die Polizei das Auto an. Es ist schon dunkel. Der Freund aus Goma und P. aus Lubumbashi werden samt Auto ins Kommissariat mitgenommen. Grund: Das Auto hat getönte Scheiben. Das ist seit einiger Zeit verboten, als Maßnahme gegen Kriminalitätsbekämpfung – damit sich Verbrecher oder gar Rebellen nicht hinter künstlich verdunkelten Scheiben verstecken.

Logisch ist die Festnahme nicht. Erstens ist es sowieso schon dunkel. Zweitens werden Verbrecher seit dem Verbot wohl die letzten sein, die mit getönten Scheiben herumfahren. Drittens ist das Verbot sowieso ziemlich albern. Es ist, wie sich herausstellt, allein eine Finanzierungsmaßnahme.

Es dauert bis 23 Uhr, bis das Auto wieder freigegegeben wird. Gegen eine Geldstrafe von 190.000 kongolesischen Franc (rund 150 Euro) – eine horrende Summe in Goma – für die schon einmal ein Abschlag von 50 US-Dollar direkt in die Tasche der Polizisten gezahlt werden muß, damit Auto und die beiden Passagiere wieder aus der Haft entlassen wird. P. und sein Freund nehmen es hin, sie haben ja keine Wahl.

P. wäre froh, wenn er für 50 US-Dollar auch sein Gepäck wiedersehen würde. So kann er jetzt nur noch hoffen, daß es noch da ist, wenn er Ende der Woche wieder in Lubumbashi landet. Sein Freund aus Goma braucht jetzt dringend neue Autofenster. Und kann jetzt nur noch hoffen, daß er nicht weiter wegen der monströsen Geldstrafe belangt wird.

1 Kommentar

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  1. Ja da würde ich auch nur ungerne hinfahren, die nutzen Touristen oft aus an solchen orten, dann wird dir mal eben 200€ abgezogen weil man 5 km/h zu schnell gefahren ist