Brennpunkt Katanga

Seit sich Katangas Exgouverneur Moise Katumbi zum Präsidentschaftskandidaten des Oppositionsbündnisses G7 hat ausrufen lassen – was noch lange nicht heißt, dass es einen gemeinsamen Oppositionskandidaten bei der Präsidentschaftswahl gibt (oder eine Präsidentschaftswahl) – ist das ehemalige Katanga, jetzt in vier Provinzen geteilt, wichtigster Schauplatz des Machtkampfes zwischen einem Präsidenten Joseph Kabila, der Katanga als seine Heimatprovinz und wichtigste Machtbasis betrachtet, und einer erstarkten Opposition, die nur unter Einbeziehung Katangas eine Siegeschance hat und deswegen hier dem Staat den Kampf angesagt hat.
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Heute demonstrierten in der Provinzhauptstadt Lubumbashi mehrere tausend Menschen gegen Kabila und wurden von den Sicherheitskräften auseinandergetrieben. Berichten zufolge jagte die Polizei mit Tränengas rund 5000 Menschen auseinander, die sich vor der Zentrale der in Katanga basierten Partei UNAFEC (Union nationale des fédéralistes du Congo) versammelt hatten und Parolen wie „Schießt auf uns“ riefen. Unafec ist eine der sieben Parteien im Oppositionsbündnis G7.
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Es ist eine delikate politische Konstellation: Unafec ist die Partei des Altpolitikers Antoine-Gabriel Kyungu wa Kumwanza, der in der Schlussphase der Mobutu-Diktatur vor gut zwanzig Jahren eine Jugendmiliz führte, welche aus Kasai stammende Bewohner Katangas massenhaft aus der Provinz vertrieb – also in der damaligen Konstellation Anhänger des aus Kasai stammenden Oppositionsführers Etienne Tshisekedi – und damit für schwere Verbrechen verantwortlich war. Kyungus ethnische Säuberungen in Katanga (damals Shaba), damals von Mobutu geduldet, waren der erste Schritt zur politisch-ethnischen Zerschlagung des damaligen Zaire, die das Land in den Krieg stürzte. Kyungu ist auch ein Rivale Katumbis in der katangischen Politik.
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Aber man darf Katangas Politik jetzt nicht auf alte Geschichten und persönliche Animositäten reduzieren. Es brodelt in Kongos Bergbaurevier. Der Kollaps der Rohstoffpreise und der Exporte hat viele Menschen in die Armut gestürzt. Bergwerke haben geschlossen, die Zeiten des Rohstoffbooms sind vorbei – und das ausgerechnet, und politisch desaströs, zeitgleich mit der Aufteilung der Provinz Katanga und der damit erzwungenen Entfernung Moise Katumbis aus der Regierungselite. Kein Wunder, dass viele Menschen jetzt in die Arme der Opposition getrieben werden.
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Erst am vergangenen Wochenende war die wichtigste Bergbaustadt Kolwezi Schauplatz schwerer Unruhen: Polizisten versuchten gegen zwei Uhr früh am Sonntag 17. April, auf einem Privatgrundstück ein Motorrad zu stehlen, und erschossen zwei Menschen, die sich ihnen entgegenstellten. Eine weitere Person wurde verletzt. Die empörten Anwohner marschierten am nächsten Tag mit den Toten zur Kommunalverwaltung, um Gerechtigkeit zu fordern – ein im Kongo üblicher Akt des Protestes nach Übergriffen der Sicherheitskräfte. Auf sie wurde erneut geschossen, es gab weitere Tote und Verletzte.
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In Kolwezi herrscht jetzt Kleinkrieg zwischen Polizei und Bevölkerung. Ein uniformierter Motorraddieb ist bereits gelyncht worden, Zwischenfälle gibt es fast jeden Tag. Es sind Szenen, wie man sie eher aus dem unruhigen Osten des Landes kennt. In Goma protestiert die Bevölkerung des öfteren auf diese Weise. Der Unterschied: In den Kivu-Provinzen ist der Staat längst nicht so gefestigt und allmächtig wie in Katanga. Wenn jetzt auch im ehemaligen Katanga die Menschen keine Angst mehr haben – und darauf deuten auch die Proteste von heute in Lubumbashi hin – wird es der Staat schwer haben, seine Autorität durchzusetzen.

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