22.05.2013 von Dominic Johnson
Seit Montag 20. Mai wird um Goma herum wieder gekämpft. Die Gefechte zwischen Regierungsarmee FARDC und M23-Rebellen begannen am Montag an der Front nördlich von Goma und weiteten sich am späten Dienstag 21. Mai auf die großen Flüchtlingslager von Mugunga westlich der Stadt aus. Heute wird Mugunga erneut bombardiert. Wer was warum und wie macht, ist unklar; die Aussagen der Kriegsparteien dazu sind mit Vorsicht zu genießen, unabhängige Berichterstattung ist derzeit extrem riskant und schwierig.
Klar ist aber: Das ist das Ende der informellen Feuerpause, die seit dem Rückzug der M23 aus Goma am 1. Dezember 2012 herrschte. Und damit stellt sich die Frage, ob Nord-Kivu jetzt wieder vor einer neuen langen Kriegsrunde steht; ob eine neue Schlacht um Goma droht; und ob es Möglichkeiten zur Deeskalation gibt. Im Folgenden werden einige Risikofaktoren analysiert, um die Beantwortung dieser Fragen zu erleichtern.
FARDC und M23 haben sich neu aufgestellt. Viele der… weiter lesen
16.02.2013 von Dominic Johnson
Die internationale Aufmerksamkeit für die Kriege im Kongo konzentriert sich auf die Kivu-Provinzen und die M23, aber dies ist kurzsichtig. Alle Nachbarprovinzen Kivus sind mittlerweile ebenfalls Kriegsgebiet: Katanga, Maniema, Orientale. Kongo-Echo wird in den nächsten Tagen einen Überblick über die Lage in diesen drei Provinzen versuchen. Hier: Maniema.
Aktuelle Lage: Maniema ist derzeit die heiße Front des Konfliktes zwischen Kongos Regierungsarmee FARDC und der Mai-Mai-Milizenkoalition “Raia Mutomboki”, die ursprünglich in Süd-Kivu als Widerstandsorganisation gegen die Anwesenheit der ruandischen Hutu-Miliz FDLR entstand und sich seit den Wahlen 2011 stark ausgebreitet hat. Am heutigen 16. Februar me “Radio Okapi” die Einnahme einer der wichtigsten Städte Maniemas durch die Raia Mutomboki: Punia, Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts im Norden der Provinz, in den man stößt, wenn man aus Nord-Kivu weiter nach Westen reist oder aus süd-Kivu nach Nordwesten. Punia liegt rund 200 Kilometer von der Provinzhauptstadt Kindu entfernt.
Die meisten der mehreren Zehntausend… weiter lesen
11.10.2012 von Dominic Johnson
Die Unsicherheit in Goma ist nur vorläufig eingedämmt; ein Anfang der Woche verfügtes Verbot von Motorradtaxis nach 18h30, also nach Einbruch der Dunkelheit, hat eher mehr Ärger hervorgerufen als alles andere. Es erfolgte nach einem Granatenanschlag, der einen Toten forderte.
Im Windschatten der Unsicherheit in der Stadt und der Kriegssituation außerhalb geht das ganz normale Leiden der Bevölkerung angesichts der Willkür und Brutalität der Vertreter des Staates weiter. Kongo-Echo erreicht folgender Bericht eines Bewohners von Goma, der seine Erfahrungen mit Armee und Justiz schildert. Er schreibt von sich in der dritten Person. In der Übersetzung sind alle Details weggelassen worden, die auf die Identität der Person schließen lassen könnten.
“Es war Samstag, und der junge Kongolese war auf dem Weg zu einer Dienstreise. Er sollte aus Goma in den Westen des Kongo und fuhr daher nach Ruanda, zum Flughafen Kigali. Mit seinem Dienstwagen fuhr er an die Grenze, um… weiter lesen
03.09.2012 von Dominic Johnson
Nicht nur in Kivu und Kasai, auch in der Provinz Bas-Congo im äußersten Westen des Kongo zeigt die Armee FARDC Zerfallserscheinungen. Kongo-Echo erreichen Nachrichten, wonach 100 Soldaten, die aus der Militärbasis Tombangadio 30 Kilometer von der Provinzhauptstadt Matadi entfernt kamen, auf der Straße von Matadi nach Kinshasa “ausgerissen” sind. Sie hätten eigentlich in die nordwestkongolesische Provinz Equateur verlegt werden sollen, in die Stadt Gemena (wo vor kurzem erst ein spektakulärer Gefangenenausbruch Schlagzeilen machte). Sie befürchteten aber, dass die Armeeführung sie in Wirklichkeit nach Ostkongo zum Kampf gegen die M23-Rebellen schicken will, heißt es. Jetzt jedenfalls werden sie von der 2. Militärregion intensiv gesucht.
Die Provinz Bas-Congo ist ohnehin angespannt. Hier wurden in den vergangenen Jahren Aufstände der lokalen separatistischen Bewegung Bundu dia Kongo (BDK) des Bakongo-Volkes blutig niedergeschlagen. Hier regiert eine regierungstreue Provinzregierung, obwohl bei den Provinzwahlen 2006 die Opposition die Mehrheit holte. Viele Meinungsführer in Bas-Congo beklagen, dass über… weiter lesen
08.07.2012 von Dominic Johnson
Die M23-Rebellen haben heute Rutshuru eingenommen. Die Distrikthauptstadt rund 70 Kilometer nördlich von Goma an der wichtigsten Fernstraße von Goma nach Norden fiel kampflos: Die Regierungsarmee floh am morgen nach Plünderungen, größtenteils nach Norden Richtung Kanyabayonga – die Straße nach Süden Richtung Goma war schon zu unsicher, da dort die M23-Truppen aus östlicher Richtung (Jomba/Bunagana) im Anmarsch waren. Über Rubare, wo die Straße aus Bunagana auf die Straße aus Goma trifft, marschierten die Rebellen dann von Süden her in Rutshuru ein.
Zahlreiche Menschen waren zuvor geflohen, aus Angst dass es Kämpfe zwischen FARDC und M23 geben könnte. Aber wie schon zuvor in der Region Jomba vollzog sich der Fall Rutshurus kampflos, und Bewohner berichten, es gebe weniger Fluchtbewegungen als zunächst befürchtet.
Kongos Regierung steht blamiert da wie selten zuvor. Die Massenflucht von mindestens 600 FARDC-Soldaten aus Bunagana nach Uganda Ende letzter Woche war ja nicht nur peinlich, weil es… weiter lesen
06.07.2012 von Dominic Johnson
Die M23-Rebellion hat die Stadt Bunagana an der kongolesisch-ugandischen Grenze eingenommen. Nachdem die Rebellen bereits in den beiden vergangenen Tagen aus ihren Hochburgen bei Runyoni unterhalb der Vulkane an der kongolesisch-ruandischen Grenze ins Tiefland vorgestoßen waren, um Angriffe der kongolesischen Armee FARDC zurückzuschlagen, besetzten sie erst am 5. Juli den Ort Jomba, der an der Hauptstraße von der Distrikthauptstadt Rutshuru nach Osten Richtung Uganda liegt. Damit schnitten sie die FARDC-Verbände in Bunagana ab, und schließlich rückten die M23-Verbände heute im Morgengrauen in der Stadt selbst ein.
Es ist ein hochsymbolicher Sieg für die M23 und eine hochpeinliche Niederlage für die FARDC. Ugandas Armee zählt 600 FARDC-Soldaten, die sich geschlagen über die Grenze retteten, entwaffnet wurden und jetzt als Flüchtlinge registriert werden. Da Kongos Regierung die Stärke der M23 seit Wochen mit lediglich 300 angibt, ist das ein Zeichen der Schwäche. In Wirklichkeit sind die M23-Truppen natürlich viel stärker, angeschwollen durch… weiter lesen
03.07.2012 von Dominic Johnson
In all der Aufregung um den UN-Bericht über ruandische Unterstützung für die M23-Rebellion im Ostkongo ist weithin untergegangen, wonach es dieser Rebellenarmee eigentlich geht. Sie wurde ja nicht von Ruanda geschaffen, sondern von den wichtigsten noch in Kongos Armee aktiven Generälen der einstigen Tutsi-geführten Rebellenbewegung CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes), die zwischen Ende 2006 und Anfang 2009 Kongos Armee in der Provinz Nord-Kivu in Schach hielt und dann, in einer Reihe überraschender Wendungen, Frieden mit dem Kongo schloss.
Die Gründungserklärung der M23 bezieht sich explizit auf die Waffenstillstandserklärung der CNDP zur Einstellung der Feindseligkeiten vom 16. Januar 2009, infolgederer die CNDP-Armee ANC in die Regierungsarmee eintrat, sowie auf das Friedensabkommen zwischen CNDP und Regierung vom 23. März desselben Jahres, infolgedessen die CNDP in eine politische Partei verwandelt wurde. Sie sagt, es werde jetzt innerhalb der CNDP die M23 geschaffen “mit dem Ziel, die in der Erklärung vom 16. Januar… weiter lesen
14.06.2012 von Dominic Johnson
Die M23-Rebellion ehemaliger CNDP-Offiziere in den Bergen des Distrikts Rutshuru an der kongolesisch-ruandischen Grenze wird offenbar immer stärker. Wie kongolesische Medien und lokale Quellen bestätigen, waren heute den ganzen Tag heftige Kämpfe an mehreren Fronten im Gange, in deren Verlauf die Rebellen wichtige Armeepositionen entweder belagert oder sogar eingenommen haben. Darunter Rwanguba, Ort mit einem wichtigen privaten Krankenhaus nördlich der Straße zwischen der Distrikthauptstadt Rutshuru und der Grenzstadt Bunagana, sowie Rumangabo, eine der wichtigsten Militärbasen Nord-Kivus auf halbem Weg zwischen Rutshuru und der Provinzhauptstadt Goma, östlich der Straße zwischen diesen beiden Städte.
Sollten diese beiden Positionen gefallen sein oder bald fallen, wären die M23-Kämpfer aus ihrrem bisher relativ kleinen Gebiet in den Hügeln am Fuße der Vulkane ausgebrochen und hätten außerdem wichtige Waffenbestände erobert. Unwahrscheinlich wäre das nicht: M23-Chef Sultani Makenga, der aus dieser Gegend stammt, hat das in seiner Zeit als hoher Militärkommandant der CNDP unter Laurent Nkunda schon… weiter lesen
17.05.2012 von Dominic Johnson
Die humanitäre Koordinationsstelle der Vereinten Nationen (OCHA) hat in einer Reihe von Berichten die neuesten Daten zur humanitären Situation der kongolesischen Bevölkerung zusammengetragen – vor allem in den wieder von Krieg betroffenen Kivu-Provinzen, aber auch anderswo. Möglich wurde dieser Überblick dadurch, dass der OCHA-Chef für den Kongo die Kivu-Provinzen besuchte und daher die lokalen Stellen sich besondere Mühe gaben, die bestehenden Informationen zusammenzutragen und zu vervollständigen. Daraus ergeben sich einige erschütternde Erkenntnisse.
— Die Welle neuer Fluchtbewegungen und Vertreibungen in Nord-Kivu geht über die von Medien gemeldeten Flüchtlingsströme an den Stadtrand von Goma sowie über die Grenzen nach Ruanda und Uganda hinaus. Im Urwalddistrikt Walikale, der größtenteils unter Kontrolle entweder der ruandischen FDLR-Miliz oder lokaler kongolesischer Milizen steht, sind zahlreiche Dörfer nahezu leer: 70 Prozent der Bevölkerung von Binyampuri, Bitumbi, Brazza, Kasuka, Kibua, Kitika, Mera, Ndorumo, Nsindo, Rubonga, Ruvungi und Tchobu seien in den Busch geflohen. Weitere befänden sich… weiter lesen
15.04.2012 von Dominic Johnson
Hier eine von Kongo-Echo angefertige deutsche Übersetzung der Rede des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila im Hotel Ihusi, Goma, im Anschluss eines Treffens mit der lokalen Zivilgesellschaft am 11. April. Der Redetext ist ausdrücklich ohne Gewähr: Die auf Swahili gehaltene Rede wurde von einem lokalen Radiosender mitgeschnitten und transkribiert und eine französische Übersetzung davon vom Pole Institute zur Verfügung gestellt.
Speech du Président Kabila à la population de Goma 11 avril 2012 à l’hôtel IHUSI: (traduction “littérale”):
Als ich hier hereinkam, stellte ich etwas fest: ich spüre, dass Sie genervt sind. Ich weiß nicht ob Sie müde sind, oder ob Sie sich ärgern, weil ich 30 Minuten zu spät gekommen bin. Ich bin zu spät gekommen, weil die Straße zu schlecht ist (Applaus). Wir mussten einen Umweg nehmen, eine Straße, die ich noch nie genommen habe, und die auch sehr heruntergekommen ist. Das erklärt die Verspätung.
Gestern, als ich… weiter lesen