23.03.2013 von Dominic Johnson
Spektakuläre Eskalation im schwelenden Krieg lokaler Milizen in Katanga: Kämpfer der Gruppierung “Kata Katanga”, die für ein unabhängiges Katanga eintreten und eine von mehreren Mai-Mai-Milizen in Kongos Südprovinz bilden, sind heute mittag ins Zentrum der Provinzhauptstadt Lubumbashi einmarschiert. Bei Schusswechseln mit der Armee am Nachmittag gab es unterschiedlichen Berichten zufolge 4 bis 5 Tote: 1 Milizionär und 4 Soldaten, hieß es am Abend. Was auf eine gewisse Kampffähigkeit seitens der Milizionäre hindeutet.
Rund 450 Milizioäre liefen widerstandslos über das Bergbauviertel Rwashi ins Stadtzentrum, bestätigten verschiedene Augenzeugen. Ein Menschenrechtsaktivist sagt, sie waren mit Pfeil und Bogen, aber auch mit Raketenwerfern bewaffnet. Es habe Panik unter der Bevölkerung gegeben. Fotos im Internet zeigen junge Männer mit Waffen, die in großen Gruppen zielgerichtet Straßen entlangmarschieren und die Flagge des unabhängigen Katanga aus dem 1960er Jahren hochhalten – rot-weiß diagonal mit einem grünen Streifen dazwischen. Andere Fotos, vermutlich später aufgenommen, zeigen Soldaten neben Leichen… weiter lesen
28.02.2013 von Dominic Johnson
Es ist soweit: Die M23 hat sich gespalten, die beiden Fraktionen von Sultani Makenga und Bosco Ntaganda bekämpfen einander und im Windschatten davon marschieren andere Milizen ins M23-Gebiet ein. Die Lage am heutigen Abend ist unübersichtlich und chaotisch, und für jeden im betroffenen Gebiet ist das Schlimmste zu befürchten.
Es gibt mehr Gerüchte als Fakten in diesem neuen Konflikt, und es ist weder möglich noch sinnvoll, zu behaupten, einen Überblick über die Lage geben zu können. Aber die wichtigsten Trends seien zusammengefaßt.
Putsch in der M23: Letzte Nacht erklärte M23-Militärführer Sultani Makenga den M23-Präsidenten Jean-Marie Runiga für abgesetzt. Als Gründe werden in der entsprechenden Erklärung politische “Unfähigkeit” genannt sowie die Bereitschaft Runigas, Bosco Ntaganda einen Raum in der M23 zu gewähren. Zur Erinnerung: Makenga und Ntaganda waren die beiden mächtigsten Militärführer in der CNDP unter Laurent Nkunda 2006-08. Ende 2008 setzte Ntaganda Nkunda ab, und Makenga führte die CNDP wenig… weiter lesen
12.05.2012 von Dominic Johnson
Im Gebiet zwischen der Distrikthauptstadt Rutshuru und der ugandischen Grenze toben seit Donnerstag abend schwere Kämpfe. Die Regierungsarmee FARDC ist gegen die Rebellen der M23 von Sultani Makenga in die Offensive gegangen. Militärische Erfolge verzeichnet sie dabei offenbar noch nicht, aber mehrere tausend Zivilisten haben im strömenden Regen die Flucht ins nahe Uganda sowie nach Ruanda ergriffen.
Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf diesen Showdown konzentriert, spielen sich auch tiefer im Landesinneren der Provinz Nord-Kivu Greuel ab. Wie der UN-finanzierte Rundfunksender Radio Okapi heute meldet, wurden im Dorf Upamando 2 im Distrikt Masisi am Freitag 11. Mai vier Kinder in ihrer Hütte bei lebendigem Leibe verbrannt; ihr Vater, der sie retten wollte, wurde mit Kugeln durchsiebt. Die lokale Zivilgesellschaft machte Milizionäre der ruandischen Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) für den Überfall verantwortlich, der auf den Überfall auf ein Nachbardorf folgte. Die FDLR seien auf der Flucht vor… weiter lesen
21.10.2011 von Dominic Johnson
Wenn es in Goma eine Prognose zu Kongos Wahlen gibt, die in allen Lagern geteilt wird, dann die: Es dürfte unruhig werden. Jeder verdächtigt den anderen, Unruhe schüren zu wollen, um seine eigenen Ziele zu befördern. Nun wird es unruhig.
Hier einige Nachrichten, die heute aus Goma kommen:
- im Distrikt Masisi (Nord-Kivu) kämpft die Regierungsarmee gegen die Mai-Mai-Gruppe von General Janvier, die den strategisch wichtigen Ort Nyabiondo eingenommen haben soll;
- zwischen Goma und der Distrikthauptstadt Rutshuru 70 Kilometer nördlich wurde ein Kleinbus überfallen, bei Biruma wenige Kilometer südlich von Rutshuru; ein Passagier wurde getötet;
- in Ituri soll die lokale Miliz FRPI (Patriotische Widerstandsfront von Ituri) des Lendu-Ngiti-Volkes unter dem berüchtigten Milizenführer Cobra Matata am Donnerstag früh (20. Oktober) den Ort Gety eingenommen haben, der im Süden des Distrikts in den Bergen oberhalb des Semliki-Flußtals an der Grenze zu Uganda liegt; die Armee habe den… weiter lesen
28.08.2011 von Dominic Johnson
Wieder einmal hat die ruandische Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas), die im Osten des Kongo kämpft, von einem Rückzug der Regierungstruppen profitiert und ein Bergbaugebiet besetzt. Wie diverse kongolesische Medien berichten, steht die Gemeinde Baliga mit der traditionellen “chefferie” Bakisa seit dem 22. August unter FDLR-Kontrolle. Die bisher dort stationierten Einheiten der Regierungsarmee FARDC seien zuvor abgezogen worden, zwecks Umschulung zur Bildung neuer “Regimenter”. Wie bereits andere Einheiten vor ihnen im Distrikt Shabunda der ostkongolesischen Provinz Süd-Kivu.
Die FDLR hätten Straßensperren rund um das Gebiet errichtet, an denen sie Wegzoll kassierten, berichteten demzufolge die geflohenen Gemeindevertreter. iDer Großteil der Bevölkerung war schon zuvor in die nahe Gemeinde Lulingu geflohen und die jüngen Männer unter ihnen sollen sich dort der Selbstverteidigungsmiliz Raia Mutomboki angeschlossen haben. Die Kämpfe zwischen dieser Miliz, die den Mai-Mai zuzuordnen ist, und der FDLR haben n den vergangenen Monaten Zehntausende Menschen die Flucht getrieben.
Am… weiter lesen
25.08.2010 von Dominic Johnson
Inmitten der sich verschlechternden Sicherheitslage im Ostkongo bahnt sich ein handfester Skandal rund um die UN-Mission an. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hat sich “empört” über die Massenvergewaltigung von mindestens 154 kongolesischen Frauen durch Kämpfer der ruandischen Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) und die mit der FDLR verbündete kongolesische Miliz Mai-Mai-Tcheka geäußert. Er schickt den Chef seiner Abteilung für Friedenssicherung, Atul Khare, in den Kongo und beauftragt die UN-Sonderbeauftragte für sexuelle Gewalt in Konflikten, Margot Wallström, mit der Koordinierung der weiteren UN-Reaktion auf “diesen Vorfall”.
Eigentlich unterhält ja die UNO im Kongo ihre weltgrößte Blauhelmmission (Monusco), die so etwas durchaus selber untersuchen können müßte. Wenn also höchstrangige Emissäre aus New York stattdessen mit der Sache befasst sind, ist etwas gewaltig faul.
Faul ist vor allem die Monusco selber, die es bis dato immer noch nicht für nötig gehalten hat, auf die anschwellenden Vorwürfe gegen sie offiziell zu reagieren. Der Vorwurf… weiter lesen
21.08.2010 von Dominic Johnson
Die Ermordung dreier UN-Soldaten aus Indien tief im Osten der Demokratischen Republik Kongo schlägt weiterhin hohe Wellen. Der UN-Sicherheitsrat, die Regierungen unter anderem Indiens, Frankreichs und zuletzt der USA haben die Tat verurteilt und ihre Unterstützung für die UN-Blauhelmmission im Kongo geäußert, die seit zwei Monaten “Monusco” (UN-Stabilisierungsmission im Kongo) heißt statt wie bisher Monuc. Angesichts einer zunehmend explosiven und undurchsichtigen militärischen Lage in den ostkongolesischen Kivu-Provinzen dürfte daher bald wieder die Frage auf die internationale Tagesordnung kommen, ob die UN-Truppen ihrer Aufgabe gewachsen sind.
Der jüngste Überfall hatte eine neue, terroristische Qualität. Gegen 2 Uhr morgens in der Nacht zum 18. August präsentierten sich ein paar hilfesuchende Zivilisten vor der indischen UN-Basis in Kirumba, ein Ort auf halbem Weg zwischen Nord-Kivus Provinzhauptstadt Goma und der Handelsmetropole Butembo in jenem aus dichtbesiedelten Bergwäldern bestehenden Gebiet, das in den Kriegen der vergangenen 14 Jahren immer am heftigsten zwischen den bewaffneten Vertretungen… weiter lesen