22.08.2012 von Dominic Johnson
Die M23 ist möglicherweise nicht allein. Seit Tagen kocht die kongolesische Gerüchteküche über mit Berichten über eine neue Rebellion, ganz woanders im Kongo: Oberst John Tshibangu, bislang Vizekommandant der 4. kongolesischen Militärregion in den beiden Kasai-Provinzen, soll am 12. August mit 18 Getreuen aus der Armee ausgetreten und in den Untergrund gegangen sein.
In Interviews erklärt Tshibangu, er leite eine “Bewegung zur Einforderung der Wahrheit der Wahlurnen” (Mouvement pour la revendication de la vérité des urnes), die Kongos Oppositionsführer Etienne Tshisekedi als wahren Sieger der Präsidentschaftswahl vom 28. November 2011 an die Staatsspitze tragen wolle. Inzwischen nennt er seine Gruppe “Kongolesische Volksarmee für Wandel und Demokratie” (Armée du peuple congolais pour le changement et la démocratie), Ziel unverändert.
Die beiden Kasai-Provinzen sind die unumstrittenen Hochburgen Tshisekedis und seiner UDPS (Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt), die sich für den wirklichen Sieger der Wahlen von 2011 hält. Teile davon befinden sich… weiter lesen
24.12.2011 von Dominic Johnson
Beunruhigende Nachrichten kommen aus den beiden Kasai-Provinzen, größtenteils Hochburgen von Etienne Tshisekedi und seiner UDPS (Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt). Eine kasaische Quelle berichtet, der Präsident der UDPS in der Diamantenstadt Tshikapa (Kasai-Occidental) nahe der angolanischen Grenze sei von Sicherheitskräften entführt worden, nachdem er am 23. Dezember Feierlichkeiten zum Amtseid Tshisekedis in Kinshasa organisiert hatte. Die Feiern seien gewaltsam aufgelöst worden – so etwas bestätigen unterschiedliche Quellen aus anderen Städten der Kasai-Provinzen.
Weiter, so die Quelle aus Kasai weiter, sollen “südafrikanische Söldner”, ohne nähere Angaben, gegen Protestierende vorgehen. Sie sollen in Tshilembe stationiert sein, einer Kleinstadt in Kasai-Occidental mit strategischer Bedeutung, weil sie sowohl an der Eisenbahnlinie aus Katanga als auch an der Hochspannungsleitung vom Inga-Staudamm nach Katanga liegt und von dort aus theoretisch Kasai mit Strom versorgt wird.
“Radio Okapi” meldet derweil, in der Stadt Lunyeka (Distrikt Kamonia, Kasai-Occidental) hätten UDPS-Aktivisten in der Nacht zum 24.… weiter lesen
20.11.2011 von Dominic Johnson
Die Zeit der Eintracht ist vorbei, der Endspurt auf die Wahlen hat begonnen. Joseph Kabila und Etienne Tshisekedi haben am Wochenende jeweils die Hochburgen des Gegners besucht: Kabila war heute in Mbuji-Mayi, Hauptstadt der Provinz Kasai-Oriental und Hochburg Tshisekedis; Tshisekedi war in Kindu, Hauptstadt der Provinz Maniema und Hochburg Kabilas.
Während in den vergangenen Wochen eher Mbuji-Mayi Schauplatz von Scharmützeln zwischen den Anhängern beider Seiten war, mit der Provinzregierung auf Seiten der Kabila-Partei PPRD gegen Tshisekedis UDPS, war die Millionenstadt jetzt ruhig. In Kindu allerdings kam es zu Ausschreitungen zwischen UDPS- und PPRD-Aktivisten, bei denen es nach Radioberichten mehrere Verletzte gab, drei davon schwer. Nach UDPS-Angaben gab es Schüsse vor dem Hotel, in dem Tshisekedi die Nacht zu heute verbrachte. Zuvor waren UDPS-Anhänger von ihren Gegnern mit Steinen beworfen worden.
Die UDPS bestreitet nicht, daß verbale Provokationen seitens ihrer Anhänger am Ursprung der Eskalation standen, scheint aber nicht… weiter lesen
17.11.2011 von Dominic Johnson
Während Kongos Medien jeden Tag etwas lauter über den bislang völlig inhaltsleeren Wahlkampf schimpfen, tun sich erstaunliche Dinge: Präsident Joseph Kabila und Oppositionsführer Etienne Tshisekedi kommen nicht voneinander los. Erst traten sie am 14. November gleichzeitig in Goma auf, dann zwei Tage später gleichzeitig in Butembo. Die Koinzidenz in den beiden größten Städten Nord-Kivus, bei der beide Kandidaten sich öffentlich komplett ignorieren, läßt natürlich die Spekulationen ins Kraut schießen.
So kolportieren manche, Kabila und Tshisekedi hätten sich heimlich in der Nacht zum 15. November in Goma im Hotel getroffen. In wessen Hotel, darüber gehen die Meinungen natürlich auseinander. Es wird auch behauptet, der eine habe den anderen besuchen wollen und sei abgewiesen worden. Die Gerüchte wiederholen sich dann gleichlautend in Butembo, wobei Kabila dort angeblich nicht in der Stadt im Hotel gewohnt hat, sondern 20 Kilometer außerhalb in einer Residenz in Musienene, ein Dorf mit einer alten katholischen Missionsstation aus… weiter lesen
01.11.2011 von Dominic Johnson
Die gewaltsamen Zwischenfälle beim Wahlkampfauftakt im Kongo haben Bemühungen in Gang gesetzt, eine weitere Aufheizung zu vermeiden. Am Monusco-Sitz in der Diamantenmetropole und UDPS-Hochburg Mbuji-Mayi, wo es am Freitag und Samstag Tote und Verletzte gegeben hatte, traf sich am Montag der Provinzgouverneur der Provinz Kasai Oriental mit der lokalen UDPS-Führung und anderen Parteivertretern. Nach einem Bericht des UN-Rundfunksenders Radio Okapi versprachen die Beteiligten hinterher “gegenseitige Höflichkeit”. Außerdem wollen sie sich bei Wahlkampfkundgebungen räumlich abwechseln, damit nicht immer dieselben Leute am selben Ort auftreten.
Adolphe Lumanu, Innenminister und Vizepremierminister des Kongo, nannte die Vorfälle von Mbuji-Mayi einen “Ausrutscher”. Ob er damit die UDPS, die Polizei oder beides meinte, blieb offen. Die Polizei müsse gleichermaßen Regierungs- und Oppositionspolitiker schützen, fügte er allerdings an.
Der Polizist, der am vergangenen Freitag bei der Auflösung von UDPS-Kundgebungen in Mbuji-Mayi ein Mädchen erschossen hatte, wurde derweil verhaftet. Kommissar Kaswende wurde der Militärgerichtsbarkeit zugeführt, erklärte Kongos Informationsminister… weiter lesen
29.10.2011 von Dominic Johnson
Die Befürchtungen vor einem gewaltsamen Wahlkampf im Kongo bewahrheiten sich. In der Millionenstadt Mbuji-Mayi – Hauptstadt der Provinz Ost-Kasai, Zentrum der Diamantenförderung des Kongo und Hochburg der Oppositionspartei UDPS (Union für Demokratie und Sozialen Fortschritt), deren Führer Etienne Tshisekedi aus dieser Gegend stammt – wurde heute unterschiedlichen Berichten zufolge mindestens ein Mensch von der Polizei getötet.
Nach Polizeiangaben starb ein Mädchen, als Polizisten in die Luft feuerten, um rivalisierende Unterstützer Etienne Tshisekedis und Joseph Kabilas auseinanderzutreiben. Nach Oppositionsangaben gab es insgesamt vier Tote seit Donnerstag abend, als die Polizei mit Gewalt verhinderte, daß die UDPS sich zu ihrem ersten offiziellen Wahlkampfkonvoi versammelte. Als Begründung habe die Provinzregierung angegeben, die UDPS habe den Verhaltenskodex der Wahlkommission nicht unterzeichnet. Am Freitag soll die Provinzregierung nach einem Bericht des UN-Rundfunksenders Radio Okapi ein Demonstrationsverbot gegen die UDPS für die Dauer des Wahlkampfes verhängt haben – ausgerechnet in der Provinz, in der die Partei… weiter lesen