vonKnut Henkel 29.03.2011

Latin@rama

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Barack Obama und Hillary Clinton haben sich bereits die Zähne ausgebissen. Auf sämtliche Appelle von ihrer Seite reagierte die kubanische Führung unterkühlt. Nun soll ein Altmeister das schwierige Klima zwischen Washington und Havanna wieder ins Lot bringen – Jimmy Carter. In Kuba ist der Ex-Präsident überaus angesehen, aber ob es ihm gelingt, die verfahrenen Beziehungen wieder flott zu machen, darf bezweifelt werden. Zumindest dann, wenn er nichts mitbringt.

Am Montag traf Ex-Präsident Jimmy Carter auf Einladung der kubanischen Regierung in Havanna ein. Carter gilt als vernünftiger Mann auf der Insel und ist zugleich einer der fähigsten Mediatoren, den die USA zu bieten haben. Ein Grund, weshalb Barack Obama den altgedienten Diplomaten ins Rennen schickt, um die festgefahrenen Beziehungen zur Insel zu verbessern und um zu sehen, was sich imFall Alan Gross noch erreichen lässt. 15 Jahre lautet die Haftstrafe, die die Richter in Havanna vor ein paar Wochen für den 61-jährigen vermeintlichen Entwicklungshelfer festgelegt haben. Die „Verletzung der Unabhängigkeit und territorialen Integrität“ legt man Gross zur Last. Der hat in Havanna IT-Equipement und Satellitentelefone verteilt, um die jüdische Gemeinde besser mit der Außenwelt zu vernetzen.

So lautet zumindest die US-Version, die von der Ehefrau von Gross und dem US  State Department vertreten wird. Demnach ist Gross ein Gutmensch, der helfen wollte und es im Auftrag des State Department tat. Nur hat das Ganze einen Haken, denn in Kuba sind Entwicklungs- und Hilfsprojekte der USA nicht erlaubt. Aus gutem Grund, denn damit haben die Kubaner immer mal wieder schlechte Erfahrungen gemacht und deshalb stehen auf derartige Aktivitäten im Auftrag der US-Behörden empfindliche Haftstrafen.

Das ist international bekannt und weshalb Alan Gross trotzdem in Kuba im Einsatz war, darüber herrscht Unklarheit. War er wirklich, wie die Kubaner behaupten, als Spion in verdeckter Mission auf der Insel unterwegs? Jimmy Carter wird es wissen, denn er ist schließlich unterwegs, um das dicke Eis zwischen Washintgton und Havanna zu brechen. Und dass Carter in Mission Gross unterwegs ist, zeigt schon die Tatsache, dass der 86-jährige Carter heute auch bei der jüdischen Gemeinde in Havanna vorsprach.

Dort, wo Alan Gross angeblich nicht bekannt ist, doch wo er eigener Aussage und der seiner Frau zufolge gearbeitet haben soll. Ob das der Fall war, ist letztlich kaum mehr von Belang, denn nach seiner Verurteilung hat Alan Gross einen ähnlichen Status wie die Cuban Five.

Bei denen handelt es sich um fünf kubanische Agenten, die in Miamis Exilkreisen spionierten, um eventuelle Anschläge auf der Insel zu verhindern. Ende der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts flogen die fünf auf und seitdem sitzen sie in US-Gefängnissen. Erst in Untersuchungshaft und seitdem die Geschworenen sie 2001 in einem wenig transparenten und von Beobachtern als einem Schauprozess ähnelnden Verfahren zu langjährigen Haftstrafen verurteilt haben, im normalen Vollzug. In Kuba werden sie als Helden verehrt, in den USA kämpfen Anwaltsteams um die Neuaufnahme des Verfahrens unter fairen Bedingungen.

Angesichts der mit der Verurteilung von Alan Gross veränderten Situation könnte es nun so etwas wie einen Austausch der vermeintlichen Spione geben – so wie einst an einschlägigen Brücken zur Zeiten des kalten Krieges oder mehr oder minder guter Agentenfilme. Einen derartigen Austausch könnte Carter nun vorbereiten und dadurch auch die festgefahrenen Beziehungen zwischen Havanna und Washington wieder in Bewegung bringen. Eine Option, die Beobachter wie der ehemalige US-Diplomat Wayne Smith für durchaus realistisch hält. Dafür spricht, dass Carter auch ein Treffen mit Staatschef Raúl Castro auf seinem Terminplan hat. Barack Obama wird seinen Mann nicht ohne Befugnisse nach Havanna geschickt haben.

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