vonPeter Strack 12.04.2012

Latin@rama

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Tage des Kindes in Bolivien: Organisierte Kinderarbeiter im Praesidentenpalast, Quelle: UNATSBO
Tage des Kindes in Bolivien: Organisierte Kinderarbeiter im Praesidentenpalast, Quelle: UNATSBO

Unter den Kindern, die am heutigen 12. April, dem bolivianischen Tag des Kindes, die Eingangshalle des Regierungspalastes bei einem gemeinsamen Fruehstueck mit nationalen Autoritaeten fuellten, waren auch Vertreter der Organisationen arbeitender Kinder. In seiner Ansprache bekamen sie Unterstuetzung vom Praesidenten Evo Morales, der sich an die eigene Kindheit erinnerte, als er seiner Familie mit dem Hueten von Vieh und Feldarbeit half, in Zeiten grosser Trockenheit und Armut ueber die Runden zu kommen. Er berichtete auch von einem Gespraech in der vergangenen Wochen mit einem nicht einmal zehnjaehrigen Schuhputzer. Der Junge berichtete, dass er mit dem so verdienten Geld  seine kleineren Geschwister versorgt.

NATS: Diesmal in der ersten Reihe, Quelle: UNATSBO
NATS: Diesmal in der ersten Reihe, Quelle: UNATSBO

Morales lobte den Fleiss und das Verantwortungsgefuehl der arbeitenden Kinder, die vor allem auf dem Land, sobald sie laufen koennen, beim Kochen, Feuerholz holen oder anderen Taetigkeiten in ihren Familien mithelfen oder gar fuer ihren Unterhalt sorgen. Deshalb sei auch ein generelles Verbot von Kinderarbeit fehl am Platze. Nur Ausbeutung koenne nicht akzeptiert und muesse bekaempft werden.

Genau das hatte die Organisation arbeitender Kinder in ihrem Gesetzentwurf gefordert, den sie im vergangenen Jahr dem Parlament und der Exekutive vorgestellt hatten, um die Erwersbtaetigkeit von Kindern zu regeln und die Kinder besser zu schuetzen. Dessen  Bearbeitung war jedoch aufgrund zahlreicher sozialer Konflikte, aber auch dem Widerstand aus dem Arbeitsministerium und von internationalen Organisationen immer wieder auf die lange Bank geschoben worden.

Auch auf lokaler Ebene konnten die NATs kleine Erfolge verbuchen. In Potosi versprach die Stadtverwaltung, sich um die Umsetzung der von der regionalen Bewegung arbeitender Kinder im Dezember vergangen Jahres eingereichten Forderungen zu kuemmern. Ueber die Ausstellung von Arbeitsausweisen und eine kostenlose Gesundheitsversorgung muessen die staatlichen Stellen nun ernsthaft verhandeln. Und die Nutzung der Parks und oeffentlichen Anlagen in der Bergwerksstadt soll fuer erwerbstaetige Kinder soll auf jeden Fall kuenftig kostenfrei sein, berichtet die Journalistin Elisabeth Weydt aus Potosi.

12. April im Rathaus von Potosi: Vertreter der Organisation arbeitender Kinder, Foto: Katrin Kraemer
12. April im Rathaus von Potosi: Vertreter der Organisation arbeitender Kinder, Foto: Katrin Kraemer

Auf nationaler Ebene steht im August die Verhandlung des neuen Arbeitsgesetzes im Parlament an. Der Rueckenwind vom Praesidenten kommt fuer die arbeitenden Kinder gerade recht.

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