vonKnut Henkel 03.06.2012

Latin@rama

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Groß sind die kubanischen Hoffnungen mit dem großen Erdölfund vor der eigenen Küste die latente Wirtschaftslkrise endlich zu beenden. Doch letzte Woche hat die Hoffnung einen ersten Dämpfer erhalten. Mit Repsol wirft ein Ölkonzern das Handtuch und zieht sich aus Kuba zurück.

Die Ernüchterung ist groß in der spanischen Zentrale von Repsol in Madrid. Rund 150 Millionen US-Dollar hat der Ölkonzern in seine Offshore-Bohrungen vor Kubas Küste investiert und nur heiße Luft geerntet. Trocken ist das Bohrloch gewesen, welches die Bohrinsel Scarabeo-9 in den letzten Monaten niederbrachte. Daraufhin kündigte Repsol-Chef Antonio Brufau an, kein weitere Bohrung in kubanischen Gewässern niederzubringen. „Keine weiteren Aktivitäten“ sind laut Brufau für Kuba geplant und das ist eine schlechte Nachricht für Kubas Öl-Träume.Im Energieministerium in Havanna wird die Entscheidung von Repsol kaum Begeisterung auslösen

Zwar bohren derzeit noch weitere ausländische Unternehmen vor der kubanischen Küste, aber die Entscheidung von Repsol könnte Schule machen, so Erdölspezialist Jorge Piñón von der Universität Texas gegenüber dem „Miami Herald“.

Zwei trockene Bohrlöcher, das erste datiert aus dem Jahr 2004 und ebenfalls unter der Regie von Repsol niedergebracht, sind kein guter Indikator für eine Erdöl-Bonanza. Laut kubanischen Quellen sollen rund 20 Milliarden Barrel vor der eigenen Küste auf die Ausbeutung warten, laut dem U.S. Geological Service immerhin knapp fünf Milliarden Barrel. Ein derart gigantischer Fund könnte Kuba über Nacht aller ökonomischer Sorgen entledigen – aber am großen Fund mehren sich die Zweifel. Zumindest in der Branche, denn Repsol sieht nun bessere Chancen in Brasilien und Angola.

Gleichwohl ist die Entscheidung von Repsol vorerst nicht mehr als ein Dämpfer, denn derzeit wird bereits 110 Meilen weiter westlich vom Repsol-Bohrquadrat eine neue Bohrung unternommen. Finanziers sind Petronas aus Malaysia in Kombination mit Gazprom-Neft aus Russland. Vier bis fünf Monate wird es dauern diese Bohrung niederzubringen. Sollte diese Bohrung jeodch auch trocken bleiben, dann könnte der Elan in der Branche vor Kubas Küste Öl zu finden merklich nachlassen.

Bisher ist das zwar alles Spekulation, aber derzeit gibt es auch nur eine einzige Bohrinsel, eben die in China gebaute Scarabeo-9, die vor Kubas Küstenlinie ihr Bohrgestänge ausfahren darf. Der Grund ist das rigide US-Embargo, denn nur maximal zehn Prozent der Technik einer Bohrinsel darf aus US-Teilen bestehen. So schreibt es das Handelsembargo vor, und die Ölbranche beugt sich diesen Vorgaben. Sollte also die Scarabeo-9 ersteinmal die Borhtätigkeit einstellen und abtransportiert weden, dann könnte es dauern.

Die Entscheidung von Repsol dürfte auch in Kuba für etwas Ernüchterung gesorgt haben.

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https://blogs.taz.de/latinorama/2012/06/03/dampfer-fur-kubas-erdol-traume/

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kommentare

  • Tja, wie alle wissen, braucht man auf Kuba wenigstens kein Heizöl. Aber der Diesel für die Landwirtschaft würde den Leuten dort schon ermöglichen, wenigstens einmal die Woche Fleisch auf den Tisch zu bekommen. Und nicht nur einmal im Monat.

  • Nur wenige Kilometer noerdlich von „Scarabeo 9“ in den „Natuerschutzgebieten“ im Inneren Suedfloridas – wird seit 1946 nach Oel gebohrt, gefunden, und gefoerdert! Auch 2012 werden mehr Zugangsstrassen durch die „Natuerschutzgebiete“ gebaut – zum Transport von Rohren an neuen Oelbohrstationen. Die „Medien“ berichten das kaum aber die Einzelheiten sind in unabhaengigen Regionalpublikationen in Florida sehr ausfuehrlich berichtet worden. Die Exil-Schwester Fidels behauptet in ihrem Buch, dass Che Guevara nach der Revolution 1959 die Oelbohrungen von sympatisierenden mexikanischen Interessen in Kuba verhindert hat, weil Che Guevara die Abhaengigkeit Kubas an russisches Oel sichern wollte. Die Exil-Schwester war schon an den Vorbereitungen fuer die Granma-Invasion von Mexiko beteiligt – wurde aber nach der Revolution eine Agentin der CIA, deswegen ist nicht klar ob ihre Information glaubwuerdig ist.

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