vonKnut Henkel 16.10.2012

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Kubas Richter haben den spanischen Jungpolitiker Ángel Carromero zu vier Jahren Haft wegen fahrlässigen Totschlags verurteilt. Das relativ milde Urteil könnte trotzdem die kubanisch-spanischen Beziehungen belasten, denn nun hat sich der schwedische Unfallzeuge zu Wort gemeldet.

Die kubanischen Richter haben sich Zeit gelassen mit ihrem Urteil. Nicht wie eigentlich erwartet in der letzten Woche, sondern erst am Montag fällten die Richter des zuständigen Gerichts in Bayamo ihr Urteil. Vier Jahre muss der spanische Jungkonservative wegen fährlässiger Tötung von Oswaldo Payá und Harold Cepero, zwei bekannten kubanischen Oppositionellen, ins Gefängnis. Ihm wird zur Last gelegt zu schnell gefahren und Warnschilder mißachtet zu haben und so den folgenden Unfall verursacht zu haben. Der Leihwagen knallte am 22. Juli 2012 gegen einne Baum, wo bei die beiden hinten sitzenden Kubaner an ihren schweren Kopfverletzungen starben, während Ángel Carromero genauso wie sein europäischer Beifahrer, der schwedische Nachwuchspolitiker Aron Modig, nur leicht verletzt wurden.

Mit dem Strafmass blieben die Richter deutlich unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe von sieben Jahren, die sich auf den offiziellen Unfallbericht stützen. Dem widersprach nach der Urteilsverkündung jedoch Aron Modig. Der Schwede, der sich an Details des Unfalls nicht erinnern konnte, weil er geschlafen habe, widersprach der kubanischen Darstellung, dass Carromero zu schnell und verantwortungslos gefahren sei. Der Spanier sei kein Raser gewesen wie die Kubaner auch mit Verweis auf die in Spanien anhängendes Verfahren wegen Verkehrsdelikten gegen Carromero behaupten. Modig habe daher die kubanischen Behörden aufgefordert den Spanier freizulassen und seiner Ausreise zuzustimmen.

Das ist zwar wenig realistich, aber auch die Witwe von Oswaldo Payá, Ofelia Acevedo, hält es für möglich, dass der 27-jährige Unfallfahrer von den Behörden in naher Zukunft abgeschoben wird, um die Beziehungen zwischen Madrid und Havanna nicht weiter zu strapazieren. Acevedo glaubt ohnehin nicht an die offizielle Darstellung der Behörden und fordert seit dem Unfall ein unabhängige Untersuchung des Todes ihres Mannes, der die christliche Befreiungsbewegung (MLC) in Kuba mitgegründet hatte.

Die ist zwar wenig realistisch, aber die widersprüchlichen Aussagen rund um den Unfall, lassen den Hergang dubios erscheinen, zumal sich auch Àngel Carromero bisher noch nicht zu Wort gemeldet hat. Er hatte auf den Rat seiner Anwältin, der der spanische Generalkonsul in Kuba Tomás Rodríguez gute Arbeit bescheinigte, vornehmlich geschwiegen. In Madrid, wo man in den letzten  Monaten kaum Stellung zu dem Prozess nehmen wollte, weil er die Beziehungen zwischen den beiden Ländern belasten könnte, wurde das Urteil nicht kommentiert. Das könnte sich mit der Aussage von Aron Modig allerdings ändern.

 

 

 

 

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https://blogs.taz.de/latinorama/2012/10/16/vier-jahre-fur-den-spanischen-todesfahrer/

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kommentare

  • Er hat also geschlafen, der Beifahrer Aron Modig, und kann sich an nichts erinnern. Verständlich!
    Aber er weiss, wie hoch die Geschindigkeit des Autos war!
    Und diese Aussage macht der schlafende Zeuge NACH der Urteilsverkündung……
    Rrrrrrrrrring
    Aufwachen, Knut Henkel!

  • Wie dreist dieser „Unrechtsstaat“ doch ist, diesen aufopferungsvollen Widerstandskämpfer für seine Heldentat ins Gefängnis zu stecken. Da muss aber sofort mal Amnesty International her.

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